Rheinpfalz Ganz schön eigenwillig

Saxophonist Victor Fox, Kontrabassist Roger Kintopf.
Saxophonist Victor Fox, Kontrabassist Roger Kintopf.

Ein weiteres der aktuell sehr zahlreichen blutjungen und dennoch hochprofessionell agierenden Jazzensembles gab sich die Ehre bei der IG Jazz in der Mannheimer Klapsmühl’: First Circle nennt sich das Trio, das stilistisch ebenso eigenständig wie eigenwillig spielt.

Kennen gelernt haben sich die drei im Landesjugend-Jazzorchester in Hessen, vor vier Jahren haben sie sich zu einem Ensemble zusammengetan. Alle drei studieren noch, der Saxophonist Victor Fox in Mainz, seine Kollegen Roger Kintopf und Felix Ambach in Köln. 2015 gewann das Trio bei der „Bundesbegegnung Jugend jazzt“ den Studiopreis des Deutschlandfunks, den Sonderpreis der UDJ für ihre herausragenden Kompositionen sowie den Konzertpreis der Eldenaer Jazz Evenings 2016. Nach ihrem ersten Album „Conversations with the unknown“ erschien letztes Jahr der Nachfolger „GLÄÜÖ“, aufgenommen im Kammermusiksaal des Deutschlandfunk. Ornette Coleman ist ein Fixpunkt in der Musik von First Circle, das zeigte sich deutlich beim Mannheimer Konzert. Aufgelöste Strukturen, frei fließende Improvisationen liebt das Trio und setzt dies in fein ausgehorchten Klangverläufen um. Frei schweifende Themen liegen den eigenen Kompositionen zugrunde, atonal in der Melodik, schön surreal im Gestus. Ganz schön abgebrüht gehen die drei Youngster dabei zu Werke, das zeigt sich nicht zuletzt in der Art, wie bisweilen Tempomodifikationen vorgenommen werden, wie elastisch abwechselnd beschleunigt und verlangsamt wird. Kontrabassist Roger Kintopf schreibt die meisten Kompositionen, oft zusammen mit dem Saxophonisten. Klangsatte Bassgänge holt Kintopf aus seinem Instrument, verhakte diese kontrapunktisch mit den Saxophonlinien. „Ivor 3“ heißt nicht nur ein Möbelstück aus dem Katalog eines schwedischen Einrichtungshauses, sondern auch eine wundersame Komposition des Trios. Wie eine Mischung aus Bach-Choral und einer Klangstudie von Morton Feldman wirkte dies, Liegetöne des Sopransaxophons treffen da auf die schwebenden Kontrapunkte des Kontrabasses, der aparte Flageolett-Klänge lieferte. Die meditative Ruhe führte der Schlagzeuger in einem Solo weiter, in feine, schattenhafte Klänge, gewischt und gerührt, mit Besen in der einen und rollendem Stick in der anderen Hand. „Damn good Coffee“ hieß eine weitere Nummer des Bassisten, gespielt in freier Harmonik und mit starkem Groove. Fabelhaft reagieren die drei aufeinander, verbinden musikalische Impulse, Motive und Rhythmen elastisch miteinander. Federleicht kommt dieser Neobop daher in rasant jagenden Linien, harmonisch kreuz und quer, immer sehr fein in Klang und Gestus. Dabei bricht nichts aus, wird nichts forciert, vielmehr ergeben sich große Spannungen aus dem dynamisch Zurückhaltenden. Einen schön blühenden und singenden Ton holte Saxophonist Victor Fox aus seinem Instrument, schön locker schwingend oder flott sprudelnd. Jeder der drei ist ein großer Könner am Instrument, das zeigte nicht zuletzt „GLÄÜÖ“, das Titelstück der aktuellen CD. Lakonisch und entspannt im Gestus ist diese Musik, aber im Inneren rumort es. Klasse!

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