Rheinpfalz Freunde fürs Leben

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„Ici“, „hier“, winkt Sophie Laforge hinter der Theke den Gästen zu. Bei ihr gibt es die Bons zu kaufen, um die Spezialitäten probieren zu können, die die 75 Franzosen aus Carentan nach Waldfischbach-Burgalben mitgebracht haben und nun zubereiten. Beim deutsch-französischen Freundschaftsfest im Park am Bürgerhaus, das anlässlich der 50 Jahre Partnerschaft zwischen der südwestpfälzischen und der in der Normandie gelegenen Gemeinde gefeiert wird. Nicht nur die Liebe, „l“amour“, auch die Freundschaft „l“amitié“ geht durch den Magen.

„L“amitié“. Ein gutes Stichwort für Sophie Laforge. Durch die Gemeinde-Partnerschaft oder „jumelage“, wie die Franzosen diese nennen, hat sie deutsche Freunde fürs Leben gefunden. Seit gut drei Jahrzehnten ist sie mit Steffi Käfer befreundet. „Eine Freundschaft, die längst beide Familien komplett umfasst“, sagt Käfer und verrät lachend: „Mittlerweile pflegen unsere Männer die jumelage fast intensiver als wir“. Unter anderem die Fußballbegeisterung verbindet ihren Mann Oliver und Sophies Mann Gregory. Die deutsch-französischen Freundinnen telefonieren mindestens einmal im Monat miteinander. Mindestens ein Besuch pro Jahr in Frankreich und in Deutschland ist keine Pflicht, sondern große Freude. Was die deutsch-französischen Partnerschaften bewirken sollten – dass die Menschen erkennen, dass hinter der Grenze keine Feinde, sondern Freunde wohnen – hat funktioniert. Das zeigt das Freundschaftsfest. Der Besucherzuspruch im Park, der extra in Schale geworfen wurde – die historischen Lampen geputzt, zahlreiche blau-weiß-rote beziehungsweise schwarz-rot-goldene Fähnchen schmücken das Gelände – ist groß. Tisch um Tisch, Bank um Bank wird aufgestellt. Am Bonhäuschen am Grill bilden sich Schlangen. Die Wartezeit wird überbrückt mit Erinnerungen an Besuche in Carentan. „Weißt du noch…“, „te souviens tu..“. Klar und an manches konnte man sich dank Rotwein und Calvados schon am nächsten Tag nur noch bruchstückhaft erinnern. Die Erinnerung an Erinnerungslücken sorgt für Lacher. „Es ist klasse. Die Leute sehen heute mal wieder, dass die Partnerschaft vor allem viel Freude bereitet“, sagt Andrea Flammann vom Partnerschaftsverein. Seit über 30 Jahren – Auslöser war der Schüleraustausch – engagiert sie sich für die deutsch-französische Verbindung. Es gab auf beiden Seiten Höhen und Tiefen, was das Engagement betrifft. Der 50. Geburtstag – ein Hoch. „Gestern Abend beim Festabend war prima Stimmung“, sagt Flammann. Steffi Käfer und Sophie Laforge pflegen ihre Freundschaft. Ihr Grundstein ist gleichfalls die Partnerschaft zwischen der früheren Realschule in Waldfischbach-Burgalben und dem Collége Gambetta in Carentan. „Sophie hat mich ausgesucht“, erzählt Käfer lachend. Der Name Stefanie sei für Franzosen leicht auszusprechen, erklärt Sophie nicht ganz ernst gemeint ihre Wahl. „C’est le destin“. „Das ist Schicksal“, als Sophies erster Brief abgeschickt wurde. „Man musste damals tatsächlich noch Briefe schreiben, warten, bis die Post kam“, erinnern sich die beiden an das Vor-Highspeed-Kommunikationszeitalter. Es folgten gegenseitige Besuche. „Sophies Papa hat mir nach dem Essen immer einen Calvados eingeschenkt“, erinnert sich Käfer lachend. Sophie hat in Waldfischbach-Burgalben Eierlikör kennen- und liebengelernt. Ohne die deutsch-französische Freundschaft, „hätte ich nie erfahren, wie gut Meeresfrüchte schmecken können“, erinnert sich Käfer an ihre erste Auster in Frankreich, die durchaus Überwindung kostete. Nicht so die deutschen Brezeln, die Laforge schätzt. Eierlikör, frisch abgefüllt, nimmt sie heute noch mit nach Frankreich. Längst lebt sie in Paris, aber die Freundschaft zwischen Carentan und Waldfischbach-Burgalben pflegt sie wie Familie Käfer. Baguette aufschneiden, das der Freundeskreis Carentan frisch aus Frankreich passend zum mitgebrachten französischen besorgt hat. Während die Moosalbtaler Blasmusik spielt, die Gigots, die Lammkeulen braten, die Saucisse, die französische Bratwurst gegrillt wird, erklärt Laforge, was sich hinter der Spezialität „süßer Reis“ verbirgt. Die süße deutsche Note: selbst gebackene Kuchen. „Früher war es mein Traum in Deutschland zu leben“, verrät Laforge. 1991, als der 1. FCK deutscher Fußballmeister wurde, verbrachte sie vier Monate in Waldfischbach-Burgalben, arbeitete bei der Firma Tehalit in Heltersberg. „Die Meisterschaft hat sie in Kaiserslautern gefeiert“, verrät Käfer und Laforge nickt lachend. Sprachbarrieren gibt es nicht. Deutsch-französische Freundschaft bedeutet die Sprache des Nachbarn im Laufe der Zeit automatisch lernen und nie auszulernen. Als Familie Laforge mal den „Lac de Constance“ als gemeinsames Ziel vorschlug, „mussten wir kurz überlegen, bis klar war, dass es um den Bodensee geht“, sagt Käfer lachend. Auch ohne große Sprachkenntnisse lässt sich deutsch-französische Freundschaft leben. Das hat sich in 50 Jahren bewiesen.

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