Rheinpfalz Formel-1-Equipment für Baku

Lenken von Zweibrücken aus die 25 Jahre alte Spedition E. Chalo: von links Geschäftsführerin Christine Lorenz-Cipolla, Alexander
Lenken von Zweibrücken aus die 25 Jahre alte Spedition E. Chalo: von links Geschäftsführerin Christine Lorenz-Cipolla, Alexander Schmidt, Serge Schwindt, Tina Hert und Adil Namazov.

Der Blick der fünf Mitarbeiter schweift aus den Büros in der ersten Etage der Hauptstraße 100 über den Herzogsplatz, die Gedanken sind aber meist ganz wo anders. Irgendwo zwischen Lissabon, Moskau, Minsk und Baku. Überall dort, wo die 200 Fahrzeuge der Spedition E. Chalo gerade Ladung aufnehmen, löschen, fahren oder stehen. In Zweibrücken, dem Unternehmenssitz, laufen an sieben Tagen die Woche, die Informationen zusammen, wird disponiert und kalkuliert. Die 25 Jahre alte Spedition bewegt Massen im Russland-Geschäft, zunehmend auch innereuropäisch.

„Das Jahr 2014 war ein Einschnitt für uns. Ausgelöst durch die Sanktionen der EU gegen Russland brach unser Umsatz um 50 Prozent ein. Aber durch einen Strategiewechsel konnten wir die Verluste ausgleichen. Unser Geschäft ist stabil“, sagt Christine Lorenz-Cipolla, seit 2002 die Geschäftsführerin der in Zweibrücken ansässigen, aber kaum sichtbaren Groß-Spedition. 2014, das war das Jahr der EU-Sanktionen gegen Russland, Folge des kriegerischen Konfliktes mit der Ukraine um die Krim. Neben Technologie-Gütern, etwa Maschinen für die russische Öl- und Gas-industrie, kamen auch Obst- und Gemüse-Ausfuhren aus der EU auf die Sperrliste. Und vieles mehr. Der Handel ist seitdem eingeschränkt. Ein enormes Hemmnis für Chalo, hat die Spedition doch allein 50 Kühllaster im Bestand, transportiert neben Arznei-, Pharma- und Kosmetik-Produkten, Haushaltsgeräten und Textilien vor allem Lebensmittel aus der EU nach Russland und die ehemaligen GUS-Staaten, etwa nach Kasachstan, Usbekistan, Georgien, Armenien, Aserbaidschan, Weißrussland. Und Blumen aus Holland. „Viele unserer Kunden gingen daran kaputt. Wir haben uns umgestellt, sind seit 2015 erst so richtig innerhalb der EU aktiv. Wir fahren nun Touren von Deutschland nach Benelux, auch nach Südeuropa und Großbritannien. 80 Prozent des Umsatzes macht immer noch das Osteuropa-Geschäft aus, 20 Prozent aber schon das Geschäft innerhalb der EU. Tendenz steigend“, sagt Christine Lorenz-Cipolla. Neben dem Brot- und Buttergeschäft einer wie Chalo ausgerichteten Spedition – Holz- und Rohstofftransporte aus Russland in die EU, erlesene Nüsse aus Aserbaidschan zu einem Schokoladenproduzenten in die Schweiz, Konsumgüter aus Frankreich und Deutschland nach Weißrussland und seine Anrainerstaaten – sind auch Spezialaufträge zu bewältigen. In 34 Transporten wird Chalo etwa Equipment von Partnern der Formel 1, sogenannte Motorhomes, vor dem Weltmeisterschaftsrennen Ende April an den Innenstadtkurs von Baku transportieren. Vergangene Woche war die wie alle Mitarbeiter in der Zweibrücker Zentrale russisch sprechende Geschäftsführerin in Moskau. „Es geht um einen großen Transportauftrag für die Fußball-WM. Ein Hamburger Unternehmen organisiert für Marketingpartner der Fifa. Wenn wir den Zuschlag bekommen, freuen wir uns riesig“, so Lorenz-Cipolla. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gründete Eugen Chalo in Pirmasens die Spedition. Der Balte witterte die Chance, beim Wiederaufbau der maroden Industrie in Russland und den Ex-Staaten des Sowjetimperiums ein Geschäft zu machen. Und zwar mit dem Handel und Transport von Reifen nach Osten. In Weißrussland wurde ein Partner, heute Gesellschafter der GmbH, gefunden. Damit war 1992 der Anfang gemacht. Die Anfänge erklären auch, warum die weißen Chalo-Transporter, darunter Mega-Liner, kaum einmal in Zweibrücken zu sehen sind. Basis ist ein ehemaliger Militärflughafen bei Minsk in Weißrussland. „Dort haben wir allein 20 Mechaniker in unserer Werkstatt beschäftigt, die sich um den Fuhrpark kümmern. Wir haben aber auch einige Sattelschlepper in Russland zugelassen, um flexibel sein zu können. In Minsk haben wir 60 Mitarbeiter in der Verwaltung beschäftigt. Jeder Disponent ist für eine bestimmte Anzahl von Fahrzeugen zuständig. Und wir wiederum in Zweibrücken koordinieren diese. Neben anderen Aufgaben“, erklärt die Geschäftsführerin die Chalo-Struktur. 2011 verlegte man den GmbH-Sitz von Pirmasens nach Zweibrücken. Seitdem werden von dort aus die großen Verträge geschlossen, mit Kunden, aber auch fürs Fahrzeug-Leasing und die Treibstoffbeschaffung. Christine Lorenz-Cipolla schmunzelt. Nein, den täglichen Betrag auf der Tankkarte will sie lieber nicht nennen. Nur ein Hinweis: Überschlägig rollten die Chalo-Laster im vergangenen Jahr 36 Millionen Kilometer! Zum Personal in Zweibrücken gehört auch ein Auszubildener zum Speditionskaufmann. Er spricht neben Aserbaidschanisch das artverwandte Türkisch, ist damit der Ansprechpartner für Exporteure von dort. Kommt man in die Büros, hört man ein Sprachengewirr, neben Deutsch, Russisch, Englisch, Pfälzisch und Saarländisch. Denn alle Chalo-Mitarbeiter sind zwischen Saarbrücken und Waldmohr heimisch geworden, sagt Christine Lorenz-Cipolla. Sie selbst in Zweibrücken.

200 Fahrzeuge, Zugmaschinen und diverse Aufleger, auch für Gefahrentransporte, gehören zum Fuhrpark der Spedition E. Chalo. Das
200 Fahrzeuge, Zugmaschinen und diverse Aufleger, auch für Gefahrentransporte, gehören zum Fuhrpark der Spedition E. Chalo. Das Hauptdepot liegt nahe der weißrussischen Hauptstadt Minsk.
x