Kultur Südpfalz Fantastisches mit links und beiden Händen
Der Klavierabend mit Verena Börsch in der Villa Wieser bot ein Programm mit ausgesprochenen Raritäten der Klavierkunst, insbesondere im ersten Teil des Abends, wo sie ausschließlich Werke für die linke Hand spielte.
Eine kurzfristige Verletzung an der rechten Hand brachte die Pianistin dazu, sich intensiv mit Werken, die bewusst auf eine Hand konzipiert waren, auseinanderzusetzen. Den zweiten Teil widmete sie Meisterwerken der Romantik von Robert Schumann, zu dem die Pianistin eine ausgesprochene Affinität zeigt. Und wer Börschs Klavierabende kennt, der weiß auch, dass sie den Herausforderungen der großen Klavierliteratur nahezu mit wissenschaftlicher Akribie, vor allem aber großem Ausdrucksvermögen begegnet. Die berühmte Chaconne d-Moll von Bach wurde vielfach bearbeitet. Johannes Brahms schuf eine Fassung für die linke Hand auf dem Klavier. Mit kraftvollem Gestus brachte Börsch die Akkorde zum Erklingen, beherrschte aber auch mit differenzierter Linienführung den spannungsreichen Verlauf der Chaconne. Mit Präzision und Intensität gelang ihr rundum eine beeindruckende Interpretation. Ein nahezu unbekanntes Werk ist die anspruchsvolle Suite von Erwin Schulhoff, einer der größten Begabungen des 20. Jahrhunderts, der sein Leben 1942 in einem Konzentrationslager verlor. Vom Jazz sowie von Tanzrhythmen, expressionistischen und folkloristischen Tendenzen geprägt, bot das Werk der Pianistin die Chance, ein rhythmisches Feuerwerk zu entfachen. Verena Börsch hatte die farbenreichen fünf Sätze absolut im Griff. Das Gleiche gilt auch für ihre Wiedergabe der hochvirtuosen Studie des jungen Béla Bartóks, der in dieser Phase seines Schaffens dem spätromantischen Klangideal von Richard Strauss folgte. Es ist eine Komposition in einer Klangdichte, als sei sie für zwei Hände komponiert. Bei aller Bewunderung für die Kunst des einhändigen Klavierspiels konnte Verena Börsch erst bei den Meisterwerken Schumanns ihre volle künstlerische Gestaltungskunst entfalten. Die bezaubernde Arabeske op. 18 spielte sie mit weich fließendem Klang, aber dennoch kontrastreich und pointiert. Das Hauptwerk des Abends aber waren die Kreisleriana, benannt nach einer literarischen Figur E.T.A Hoffmanns. Ein genialer und etwas verrückter Kapellmeister namens Kreisler regte Schumanns Fantasie zu absolut lebhaften und humorvollen Stücken, aber auch zu melancholischen Träumereien an. Wie schön, wenn beide Hände das Klanggewebe entfalten können, vor allem die gut trainierte linke Hand gab dem Werk eine ungemeine Klangfülle. Selbstverständlich hatte die Künstlerin eine Idee von der Konzeption dieses Werkes, das doch auch in so enger Beziehung zu Clara Schumann entstand. Die Zuhörer erlebten eine starke Künstlerpersönlichkeit.