Rheinpfalz „Für die entsprechende Begleitmusik sorgen“

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Kaiserslautern. Zum ersten Mal in Kaiserslautern, aber bereits zum zweiten Mal gemeinsam am Verhandlungstisch: Heute findet die zweite Tarifverhandlung zwischen der Verhandlungsgemeinschaft M+E Mitte und der IG-Metall-Bezirksleitung statt. Betroffen sind rund 400.000 Beschäftigte aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Lothar Sorger, Betriebsratsvorsitzender bei Opel und Mitglied der Verhandlungskommission der IG Metall, sprach mit Julia Luttenberger über die geplante Kundgebung seiner Gewerkschaft.

Herr Sorger, wie viele Menschen erwarten Sie zur heutigen Kundgebung der IG Metall?

Das kann man noch nicht abschließend sagen. Wir haben im Augenblick rund 2000 Anmeldungen und da kommt sicherlich noch was dazu. Wie läuft die Kundgebung ab? Die Busse mit unseren Mitgliedern kommen von überall her, es ist ja eine Veranstaltung der ganzen IG Metall in unserem ganzen Tarifbezirk. Treffpunkt ist der Hauptbahnhof. Natürlich werden mehr Leute aus Kaiserslautern kommen, aber es werden auch Delegationen aus anderen Verwaltungsstellen in unserem Bezirk, aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland, kommen. Wir formieren uns auf dem Bahnhofsvorplatz, haben dort eine kurze Auftaktkundgebung und gehen im Demonstrationszug zum Verhandlungslokal auf dem Betzenberg. Gegen 12.30 Uhr wird unser Bezirksleiter und Verhandlungsführer Armin Schill dazu stoßen, den Verhandlungsstand darstellen und sagen, wie die nächsten Schritte aussehen können. Wie sehen ihre Forderungen aus? Wir fordern neben 5,5 Prozent mehr Entgelt, eine Neuregelung der Altersteilzeit und eine Bildungsteilzeit. Da es kein Altersteilzeitgesetz mehr gibt, wollen wir den Punkt tarifvertraglich neu ordnen. Unser Ziel ist es, dass Menschen in Altersteilzeit gehen können, wenn sie ein bestimmtes Alter erreicht haben. Bei der Bildungsteilzeit geht es darum, dass sich unsere Beschäftigten während ihres Berufslebens weiterbilden können. Es geht darum, dass jemand auf dem zweiten Bildungsweg beispielsweise ein Studium machen kann und dafür eine bestimmte Zeit freigestellt wird und einen Lohnausgleich bekommt. Die Themen Alters- und Bildungsteilzeit sind momentan in aller Munde. Wo sehen sie den Knackpunkt bei der Verhandlung? Speziell bei der Altersteilzeit wird es deutlich: Es muss die Möglichkeit geben, das eigene Leben selbst planen zu können. Die Arbeitgeber sagen, wir haben nichts dagegen, wenn jemand heimgeht, aber sie machen es nur dann, – ich sage das jetzt einmal ganz hart –, wenn die Menschen so alt und verbraucht sind, dass sie keinen Nutzen mehr für das Unternehmen haben. Das ist der Knackpunkt an der ganzen Geschichte. Wir gehen davon aus, dass es in vielen Bereichen Leute gibt, die vor der Tür stehen und einen Arbeitsplatz haben wollen. Auf der anderen Seite quälen sich Leute im Betrieb, die gehen wollen. Wir würden da gern eine Brücke schlagen. Wie geht es nach Mittwoch weiter? Es gibt bereits einen Termin für die dritte Verhandlungsrunde im Februar. Die gleichen Forderungen werden ja nicht nur in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland, sondern bundesweit verhandelt. Ab jetzt fahren wir quasi nur noch auf Sicht und schauen, wie die Diskussionen in den Tarifgebieten laufen, wo es eventuell eine Chance gibt, einen Abschluss zu machen, der sich in ein anderes Tarifgebiet übertragen lässt. Am 28. Januar um 12 Uhr nachts läuft die Friedenspflicht aus. Ab dann wird es zu Warnstreiks und Arbeitsniederlegungen in den Betrieben kommen. Wie wahrscheinlich ist es, dass es nach den Warnstreiks auch zu unbefristeten Streiks kommt? Warnstreiks sind notwendig und die wird es auch geben. Die Kollegen wollen damit die Tarifforderung unterstützen. Ob es darüber hinaus zu Urabstimmungen und dauerhaften Streiks kommen muss, will ich im Augenblick nicht spekulieren. Das wird im Wesentlichen davon abhängen, inwieweit die Arbeitgeberseite ihre Verweigerungshaltung aufgibt und sich ein Stück auf uns zubewegt. Wie schätzen sie Kaiserslautern als Versammlungsort ein? Üblicherweise ist es so, dass immer abwechselnd einmal die Arbeitgeberseite den Verhandlungsort ausmacht und einmal die IG Metall, die dieses Mal Kaiserslautern gewählt hat – meines Wissens zum ersten Mal überhaupt. Als IG Metall Kaiserslautern sehen wir das als Ehre und Herausforderung an. Wir werden für die entsprechende Begleitmusik sorgen. Wann wären Sie mit Ihrem Konzert zufrieden? Die Veranstaltung hat dann ihren Zweck erfüllt, wenn man der Verhandlungskommission der Arbeitgeberseite zeigen kann: hier steht eine vierstellige Zahl von Menschen, die durch ihre Anwesenheit klar machen, dass sie stellvertretend für ihre Belegschaft dastehen und die Forderungen der IG-Metall unterstützen.

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