Rheinpfalz Erste Minuten entscheiden
«Neustadt.» Weil viele Deutsche keine Erste Hilfe leisten können, soll das Thema Wiederbelebung jetzt an den Schulen Einzug halten. Beim bundesweiten Pilotprojekt „Schüler retten Leben“ ist Neustadt Modellregion. Vorab haben Lehrer jetzt erstmals am Hetzelstift trainiert.
Eine Herzdruckmassage ist eine schweißtreibende Angelegenheit. Zwölf Lehrer der weiterführenden Schulen in Neustadt sind zur ersten Lehrerschulung des Projekts „Schüler retten Leben“ ins Hetzelstift gekommen und versuchen, eine Puppe zum Leben zu erwecken. „Sie müssen den Brustkorb fünf Zentimeter tief nach unten drücken, am besten mit einer Frequenz von 100 pro Minute“, erklärt der Mediziner Moritz Mielke. Er hat auch einen Tipp parat, wie das funktionieren kann: „Wenn Sie die Melodie von Pippi Langstrumpf singen, haben Sie einen guten Takt.“ Rund 50.000 Menschen erleiden pro Jahr in Deutschland einen Herzstillstand, nur ein Zehntel überlebt. Und: Nur 18 Prozent der Menschen trauen sich in einem Notfall zu, Erste Hilfe zu leisten. Meist aus Angst, etwas falsch zu machen. Damit Reanimation so selbstverständlich wie lesen und schreiben wird, sollen sich Schüler bundesweit ab Klassenstufe 7 jährlich in zwei Unterrichtsstunden mit den wichtigsten Schritten bei einem Notfall befassen. Neustadt ist in Rheinland-Pfalz Modellregion, nicht zuletzt wegen des Engagements von Dierk Vagts, Anästhesie-Chefarzt am Hetzelstift, der am Käthe-Kollwitz-Gymnasium schon zig Reanimations-Trainings veranstaltet hat. Auch Lars Wittenberg von der Stiftung Paula Wittenberg ist einer der Treiber des Projekts: „Was nützt es, einen perfekt ausgestatteten Kindernotarztwagen zu haben, wenn am Unfallort selber alle nur rumstehen?“ Die ersten Minuten sind entscheidend. „Alles, was Sie in den ersten vier Minuten machen, steigert die Überlebenschancen des Patienten exponentiell“, erklärt Vagts. „Danach kann das Herz vielleicht überleben, aber das Gehirn erleidet großen Schaden wegen des Sauerstoffmangels.“ Sandra Rettenmaier vom Käthe-Kollwitz-Gymnasium fühlt sich nach dem Tag gut gerüstet für das Reanimationstraining mit den Schülern. „Eine super Initiative“, sagt sie. Auch Nicole Schatull vom Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium bezeichnet das Thema als „extrem wichtig“.