Rheinpfalz Die Module spielen verrückt
Wir sind digital: Partnersuche im Internet gehört im Jahr 2015 zum Alltag. Doch das war nicht immer so: Es gab Zeiten, in denen die Liebe aus dem Computer vor allem eine abenteuerliche Zukunftsfantasie war. Auch Rock- und Popmusiker haben sich von der Vorstellung inspirieren lassen und Songs darüber geschrieben. Ein paar davon stellen wir hier vor.
Der wohl erfolgreichste Titel zum Thema stammt – wen wundert’s – von Kraftwerk. Wie in Vielem, waren die Düsseldorfer Vorzeige-Elektro-Avantgardisten auch hier ihrer Zeit voraus. Ihre achte Platte „Computerwelt“ von 1981, ein Konzeptalbum über den Aufstieg von Computern innerhalb der Gesellschaft, enthielt den Titel „Computer Love“. Den veröffentlichten die Deutschen in England als Doppel-A-Seiten-Single mit „The Model“ – und prompt gelang ihnen damit ein Nummer-eins-Hit.24 Jahre später spielte Coldplay-Sänger Chris Martin während der Arbeiten am damals neuen Album „X & Y“ der britischen Band eine Passage aus „Computer Love“ an. „Wir haben einfach drübergespielt, es hat sich klasse angehört und fertig war der Song“ erinnert sich Gitarrist Johnny Buckland. Coldplay baten Kraftwerk-Vordenker Ralf Hütter in einem persönlichen Brief um die Genehmigung, das Sample in ihren neuen Song einzubauen. Hütter stimmte zu, der Weg zur Veröffentlichung war frei, und „Talk“ wurde ein weiterer großer Hit für Coldplay. Zumindest am Kraftwerk-Titel orientierte sich 1985 ein Lied, das als eines der letzten im Stil der seinerzeit schon wieder abgeebbten deutschen Welle gelten kann: Mit „Computerliebe“ und dem Refrain „Die Module spielen verrückt“ kam das Hamburger Duo Paso Doble bis auf Platz 15 der deutschen Charts. Rale Oberpichler war vor der Bandgründung als Backgroundsängerin unter anderem für Udo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen tätig, während Frank Hieber als Produzent und Komponist etwa an Peter Schillings Erfolg „Major Tom (völlig losgelöst)“ mitgewirkt hatte. Zehn Jahre später coverte die deutsche Danceband Das Modul den Refrain von „Computerliebe“ und landete damit erneut einen Hit. Frank und Rale Oberpichler, inzwischen verheiratet und Eltern einer Tochter, treten nach wie vor als Paso Doble auf. Dass zur Computerliebe passende Partner gehören, erkannten auch Bad Religion: 1990 nahmen die Punkrocker den Song „21st Century (Digital Boy)“ für ihr Album „Against The Grain“ auf. Vier Jahre später spielten sie ihn für die Platte „Stranger Than Fiction“ neu ein. Mit einem Text, in dessen Übersetzung es unter anderem heißt: „Ich bin ein digitaler Junge des 21. Jahrhunderts. Ich weiß nicht, wie ich leben soll, aber ich habe viele Spielzeuge“, kam die Single bis auf Platz 41 in Großbritannien. 2006 coverte die deutsche Dance-Formation Groove Coverage die Nummer unter dem Titel „21st Century Digital Girl“ – und erreichte ebenfalls Platz 41 in der deutschen Hitparade. Mit „Digital Love“ beschäftigte sich das französische Duo Daft Punk 2001. Der Tanz-Song über unerfüllte Sehnsucht zeichnet sich unter anderem durch ein Instrumentalsolo im Mittelteil aus – zur damaligen Zeit eine Besonderheit in diesem Genre. Die Aufnahme, zu der Daft Punk sich nach eigenen Angaben durch Musik der Rockgruppe Supertramp inspirieren ließen, schaffte es bis auf Position 85 der deutschen Charts. Die früheste Hymne auf das Online Dating stammt indes schon von 1968: Damals belegte die 21 Jahre alte französische Sängerin France Gall Platz 24 der deutschen Hitparade mit ihrem Schlager „Computer Nr. 3“. Darin heißt es unter anderem: „Der Computer Nr. 3 sucht für mich den richtigen Boy … Lange war ich einsam, heut’ bin ich verliebt, und nur darum ist das so, weil es die Technik und die Wissenschaft und Elektronengehirne gibt…“