Rheinpfalz Die Hoffnung der Genossen an der Saar: „Anke wirkt“
NEUNKIRCHEN. Die Schultern sind breit, und das müssen sie auch sein. Sie tragen die Erwartungen der Sozialdemokraten an der Saar, doch nicht mehr nur im zweiten Glied stehen zu müssen. Der Kopf über den Schultern gehört zu Anke Rehlinger. Die 40 Jahre alte Juristin, seit zwei Jahren Vize-Ministerpräsidentin, wird bei den Landtagswahlen im März kommenden Jahres Annegret Kramp-Karrenbauer herausfordern. Ein von vorneherein chancenloser Versuch? – Rehlinger verneint.
Zwei Gegenstimmen bei 370 Delegierten sind nichts. Mit einem großen Vertrauensvorschuss, nicht minder groß die Erwartungen, schickten die Saar-Genossen die im Hochwald Aufgewachsene am Samstag ins Rennen. Mögliche Alternativen, etwa die zweimal gewählte Saarbrücker Oberbürgermeisterin Charlotte Britz, gab es nicht. Landesparteichef Heiko Maas wollte nach den drei verlorenen Wahlen 2004, 2009 und 2012 nicht mehr. Seine Zukunft sieht der Bundesjustizminister in Berlin. Britz wurde nicht gefragt. „Die Kandidatur Ankes geht in Ordnung“, sagt sie. Und Maas sieht bei der in einer Arbeiterfamilie Aufgewachsenen das Charisma, das ihm vielleicht fehlt: „Anke wirkt.“ Im Alter zehn Jahre auseinander, ist die Vorsitzende des SPD-Kreisverbands Merzig-Wadern, Rot-Kreuz- und Kneipp-Vereins-Vorsitzende, kein Ziehkind von Maas. Mit 22 trat sie der Partei bei. Die inhaltliche Anlehnung war stärker bei Generalsekretär Reinhold Jost, heute Kabinettskollege. Gleich nach abgeschlossenem Jurastudium mit Zusatzausbildung an der Verwaltungshochschule Speyer, wurde Rehlinger 2004, 28-jährig, ins Landesparlament gewählt. Dort machte sie in der Fraktion wegen ihres Arbeitseifers bald Karriere. Sie sei eine wahre Aktenfresserin, sagen manche, die sie näher kennen. Über Sprecherfunktionen, als Obfrau im Untersuchungsausschuss um die staatliche Finanzierung des Gondwana-Dino-Parks, ging’s voran. Nach der gescheiterten Jamaika-Koalition und der Rückkehr der SPD 2012 in die Saar-Regierung, wurde sie Ministerin. Erst für Justiz, Umwelt und Verbraucher, dann – vor zwei Jahren als Nachfolgerin Maas’ – Wirtschaftsministerin. Und Stellvertreterin von CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer. Die sie nun in einem Frauenduell herausfordern muss. Mit ungleich anderen Voraussetzungen als im März in Rheinland-Pfalz. „AKK“ und Rehlinger sitzen an einem Tisch, verantworten die Regierungspolitik in der CDU/SPD-Koalition gemeinsam. Die 14 Jahre ältere Ministerpräsidentin liegt in den Beliebtheitswerten deutlich vorn, ihre Partei bei der „Sonntagsfrage“ um fünf Prozentpunkte. Wenn auch ihre Herausforderin aufgeholt hat, jetzt drittbeliebteste Landespolitikerin ist. Die Ausgangslage demoralisiert Anke Rehlinger nicht. Sie trete an, um zu gewinnen, sagt sie. Die breiten Schultern sind bei ihr antrainiert. Seit 20 Jahren hält sie den Saarland-Rekord im Kugelstoßen. Vergangenen Monat wurde die Mutter eines bald achtjährigen Sohns erst wieder Seniorenmeisterin. Auf 10,53 Meter stieß sie die Kugel. Im politischen Ring wird Anke Rehlinger der große Wurf ungleich schwerer fallen.