Rheinpfalz Die grüne Prärie der Westpfalz

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Ganz alleine hat das Muttertier sein Kalb zur Welt gebracht. Auch die beiden schon mehrere Tage alten Kälber sind ohne Zutun des Landwirts gekommen. Bisons brauchen den Menschen dafür nicht oder nur sehr selten. Natürlich weiß Hanns-Josef de Graaff, wann es soweit ist. Zusätzliche Kontrollfahrten mit dem Quad auf der großen Weide sind dann angesagt. Mehr aber auch nicht. Sind es Kuh- oder Bullenkälber? De Graaf zuckt mit den Schultern. So nah will er noch nicht ran: „Die lass’ ich erst einmal in Ruhe.“ Auch zur eigenen Sicherheit. Die Bisons sind zwar friedlich und kennen den Mann mit Hut. Seine vier rollenden Füße, die kennen sie auch. Ohne Quad ist er schließlich so gut wie nie auf der riesigen, mit Wald durchzogenen Weide unterwegs. Abhängen könnte er die Tiere mit seinem Untersatz aber nicht. Bisons sind ausgezeichnete Läufer, die bis zu 50 Kilometer pro Stunde erreichen und das locker durchhalten. Auch wenn sie mit den großen Köpfen, den wuchtigen Rückenpartien, der nach unten abfallenden Beckenlinie nicht wirklich sportlich aussehen. Sie können es. Seit über 40 Jahren züchtet de Graaff bereits Bisons, verkauft Fleisch, Felle und hat ganz nebenbei die mächtigen Rinder, ihre Verhaltensweisen und sozialen Umgang im Herdenverband studiert. „Als ich 1971 anfing, war ich der erste private Bisonzüchter in Europa“, erinnert er sich. Die meisten nach ihm haben von seinem Wissen profitiert. „Bison-Flüsterer“ wurde er genannt. Wie aber kommt ein Landwirt dazu, Bisons in die Westpfalz zu holen? Hungrige Elefanten aus dem Neuwieder Zoo sind Schuld! Sie waren zwar nicht für die damalige schlechte wirtschaftliche Lage der Rinderhalter verantwortlich, aber sie haben de Graaff die Nische eröffnet, mit der er seine Landwirtschaft am Leben halten wollte. Elefanten? Der Zoo suchte Heu für die nimmersatten Rüsseltiere. Sie fanden es auf der Mückenmühle − und gleich noch Platz für die ersten beiden Bisons, die den Zoo verlassen sollten. Das war der Beginn der Pfälzer Bisons, die seitdem unübersehbar auf den Weiden rechts und links der Straße zwischen Weilerbach und Hirschhorn leben. In großen Arealen, aber doch hinter Zaun! Frei gibt es sie in Deutschland nicht. Auch nicht den europäischen Verwandten des Bison, den Wisent, sagt de Graaff. Es fuchst ihn, wenn immer mal wieder ein „ganz Findiger“ auf die Idee kommt, zu behaupten, solche Tiere seien wieder in freier Wildbahn angesiedelt: „Das ist Geldmacherei. Die Leute kommen und stehen doch hinter einem zaunigen Knotengeflecht.“ Was ihn dagegen wundert: Dass sich hier in der Pfalz kaum jemand für die doch etwas anderen Rinder interessiert. Noch vor ein paar Jahren waren 16 Bisonbullen, 22 Kühe und 22 Jungtiere auf der Mückenmühle zu Hause. Eine gewaltige Anzahl, die teilweise friedlich vereint mit den französischen Rinderrassen − den weißen Charolais und den roten Limousin − grasen. Ein bisschen mehr als nur grasen muss aber gewesen sein: Auf der Mückenmühle wohnt der Beweis, dass sich ein Bisonbulle und eine Charolaiskuh recht nah gekommen sind. Eine kräftig weiße Kuh entstammt genauso dieser Paarung wie der weit über eine Tonne wiegende Bulle mit der blauen Bisonzunge und den Charolaislocken. Besonders freundlich ist der nicht, deshalb darf er nicht in die Herde. Dafür wird er aber auch nicht geschlachtet oder verkauft.

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