Rheinpfalz Die Frauen sind radikaler

Placeholder-Image

Eine recht ungewöhnliche Veranstaltung gab es in Lauterecken. In den zwar anheimelnden, aber schwer zu findenden Bürgersaal hatte die Gleichstellungsbeauftragte Doris Zinßmeister zu einer Lesung den Autor Lars Winter eingeladen. Er wollte aus seinen Kriminalgeschichten erotische Texte „zwischen Tag und Traum“ vortragen.

Sie selbst spielte zur Umrahmung im Trio „Con Passione“ Akkordeon zusammen mit Rupertus Woehl (Violine) und Verena Becker (Klarinette) ein erstes von drei russischen Folklorestücken an diesem Abend; alle mit deutlicher Hinwendung zu Klezmer. Die drei sind hervorgegangen aus dem derzeit inaktiven Musikverein Lauterecken. Sie hatten ihren ersten Auftritt. Winter führte sich selbst beim Publikum damit ein, dass das Schreiben seine Leidenschaft sei, er aber nicht davon leben müsse. Er müsse sich ziemlich wenig ausdenken; denn allein in Deutschland hätten sich im Jahr 2013 282 vollendete Morde ereignet, ganz überwiegend als Beziehungstaten. Die Kurzgeschichte „Lasagne spezial“ hat Winter vor 30 Jahren geschrieben. Hierin beschreibt er ein Ehepaar, das sich nach acht Jahren entfremdet hat. Der Ehemann will das Störende zwischen ihnen durch ein Gespräch überwinden, seine Frau allerdings wählt die radikale Lösung, der er nichts entgegensetzen kann. Aus „Café Latino“ las Winter die erotisch aufgeheizte Schlüsselszene, wo der Mann sich durchaus als der Eroberer wähnt, während die Frau undurchschaubare Pläne mit ihm verfolgt. Das dritte vorgestellte Werk war eine Kurzgeschichte im Milieu von Fallschirmspringern. Auch hier war es die Frau, die die Mordpläne ihres Mannes entdeckt, sie dann aber an ihrem Mann selbst vollstrecken kann. Das durchweg aus Frauen bestehende Publikum hörte Winter wie gebannt zu. Der Verkauf seiner Bücher aus dem Verlag „Wind und Sterne“ in Odernheim war entsprechend rege. Winter nutzte die Pause auch, um die vielen Bilder zu erklären, die er ebenfalls zum Verkauf ausgestellt hatte. Es waren sämtlich Künstler, die seine Bücher illustrieren. Er beneide sie darum, dass ihre Bilder auf einen Blick etwas aussagen, wozu er viele Worte machen müsse. Gerade für seine Kinderbücher seien die Bilder das Wesentliche. Unter den Zuhörerinnen herrschte eine gelöste, geradezu herzliche Atmosphäre. Abschließend las Winter aus „Blonder Mond“. Das Werk spielt in Rheinland-Pfalz, ist aber noch in Arbeit. Er wisse noch nicht, wohin die Handlung führen werde. Abschließend bekannte der Autor mit dem Pseudonym Lars Winter, dass ihm ein Buch ein ästhetisches Vergnügen bereite. Er zeigte aber auch Verständnis dafür, dass ältere Damen durchaus auch E-Books benutzten, weil sich dort die Schrift so leicht vergrößern lasse. (hjse)

Mehr zum Thema
x