Rheinpfalz Die Apotheke im Dunkeln
«Wallhalben.» Die Hummel-Apotheke kennt jeder in Wallhalben. Dass es aber unter dem Verkaufsraum in der Hauptstraße eine zweite, historische Apotheke gibt, wissen nur wenige. Zwar weist ein schmiedeeiserner Schriftzug über dem seitlichen Eingang auf das Apothekenmuseum des Ehepaares Burkhardt hin; geöffnet wird der Gewölbekeller aber nur zu besonderen Anlässen. Die nächste Gelegenheit zum Besuch bietet der Grumbeeremarkt am 30. September und am 1. Oktober.
Fläschchen mit Tinkturen, Döschen mit Wundpuder, Tiegel mit Salben oder eine „Pharmacie de Poche“, eine Reiseapotheke aus der Zeit Sebastian Kneipps: Auf und in den Apothekenschränken aus der Mitte des 18. Jahrhunderts liegen wahre Schätze aus Glas und Porzellan – alle mit der Original-Beschriftung und viele mit dem ursprünglichen Inhalt. Daneben Hilfsmittel wie Inhalations- oder Nasenspülgeräte und Drogerie-Artikel wie Wäscheblau, Rasiermesser oder Tütchen mit „Gurken-Doktor“ aus längst vergessenen Zeiten. Das Konzept der Ausstellung in dem viel zu kleinen Raum umfasst indes mehr als nur die Präsentation alter Arzneien und Apothekeneinrichtung. Helke Burkhardt, die das Museum von ihrem Vater übernahm und fortentwickelte, möchte den Apotheker-Alltag früherer Tage lebendig werden lassen. „Ich finde es unglaublich interessant, in die Geschichte einzutauchen und die Weiterentwicklung der Pharmazie zu verfolgen“, erläutert die Fachfrau für Heil- und Giftpflanzen mit spürbarer Begeisterung. Egal ob Signaturen-Lehre, Beschreibung der Syphilis-Therapie durch Quecksilber oder mittelalterliches Allheilmittel Theriacum Magna – die Apothekerin kennt alle Hintergründe zu den Ausstellungsstücken, zu früheren und aktuellen Anwendungen und zu altem Aberglauben. Die Ausstellung lebe von den Erläuterungen, bekräftigt sie und bedauert, keine Zeit für regelmäßige Führungen zu finden. Denn Waagen, Mörser, Geräte zum Tablettenrollen und Kräuterbücher stehen nicht nur zum Betrachten im Museum. Sie werden für Vorführungen benutzt und zum Veranschaulichen traditioneller Arzneimittelherstellung. „Viele Tinkturen könnten wir heute noch genauso bereiten wie zur Gründungszeit der Apotheke“, ist Helke Burkhardt überzeugt. Einige Rezepturen umfassen allerdings Bestandteile, die aus heutiger Sicht bedenklich scheinen. „Hustensaft enthielt zwei Prozent des Psychostimulans Ephedrin und dazu Codein, ein Opiat“, erzählt die Apothekerin. Beides heute undenkbar. Völlig unbedenklich und zudem beliebt sind indes Magenmorsellen, traditionelle Apotheken-Gewürzplätzchen, die Helke Burkhardt selbst backt und bei Führungen verkosten lässt. Die Rezeptur von Medikamenten verordnete früher oft der Arzt, während die Herstellung in der Apotheke erfolgte. „Zu uns kommen heute noch Kunden aus Thaleischweiler, die sich an die Fahrt mit dem Rad nach Wallhalben erinnern und an die Wartezeit von einer halben Stunde, bis ihr Präparat fertig war“, berichtet sie – um sich einem reich verziertem Albarello zuzuwenden, einem Salbengefäß aus den Anfängen der Apotheke. „Wir bräuchten einfach mehr Platz“, sagt sie. Denn weitere Laborschränke aus der alten Apotheke gibt es durchaus, und an Energie zum Ausbau fehlt es der Apothekerin nicht. Info Am Grumbeeremarkt ist das Wallhalber Apothekenmuseum unter der Hummel-Apotheke wieder für Besucher geöffnet: am Samstag, 30. September, von 14 bis 18 Uhr und am Sonntag, 1. Oktober, von 12 bis 18 Uhr. Führungen übernimmt am Samstag Helke Burkhardts Tochter Charlotte, am Sonntag sie selbst. Aufgrund der Platzverhältnisse können nur kleine Gruppen im Halbstundentakt eingelassen werden.