Rheinpfalz „Der Sommer wollte nicht enden“

Auf der Versammlung des Kreisbauernverbands Südwestpfalz am Montag in Winterbach betonte der Kreisvorsitzende Uwe Bißbort im Hinblick auf die sich ständig ändernden Rahmenbedingungen für die Landwirte, dass man den Bauern auch erlauben müsse, gewinnbringend zu wirtschaften.
In seinem Jahresrückblick erinnerte der Vorsitzende des Kreisverbandes Südwestpfalz im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz daran, dass 2018 fast ganz Deutschland unter einer Jahrhundert-Trockenheit litt. Die Aussaatbedingungen für Sommergetreide, Zuckerrüben, Mais und Kartoffel seien ideal gewesen. Auch die Wachstumsbedingungen für Grünland und Ackerfutter. Bis nach dem ersten Schnitt und der Heuernte. Der Windsberger Landwirt: „Der Sommer wollte nicht enden. Es kam der trockenste Oktober seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.“ Die Erträge bei Getreide und Raps seien durchschnittlich bis gut gewesen. Bei Zuckerrüben, Kartoffeln und Silomais habe man erheblich niedrigere Erträge als üblich eingefahren. Die Maisqualität müsse man mit mangelhaft benoten. „Der Mehrerlös glich bei Getreide die Mindererträge wieder aus“, führte Bißbort aus. Der Milchauszahlungspreis habe sich das ganze Jahr über zwischen 32 und 36 Cent bewegt. Die Hoffnung, dass der Preis aufgrund des Futtermangels steigt, habe sich nicht bestätigt. Der Preis für Schweinefleisch pro Kilogramm Schlachtgewicht liege seit Monaten bei 1,36 Euro. „Für eine kostendeckende Produktion werden 1,60 Euro benötigt“, erklärte der Schweinezüchter. Schlimmer als der Preis sei jedoch die Angst vor der Afrikanischen Schweinepest. „Mittlerweile haben wir über 350 tot aufgefundene positiv getestete Wildschweine 70 Kilometer von Deutschland entfernt in Belgien“, sagte Bißbort. In der Südwestpfalz sei man gut auf einen Ausbruch vorbereitet. Es würden bei den Schweinehaltern verstärkt Biosicherheitsmaßnahmen kontrolliert. „Dabei war ich sehr überrascht, wie viele Kleinsthaltungen es in unserem Kreis gibt. Wobei man wissen muss, dass das Minischweinchen Babe auf der Wohnzimmercouch auch eine Kleinsthaltung ist.“ Er werde trotz einer Rekordstrecke von über 88.000 erlegten Wildschweinen im Jagdjahr 20117/2018 nicht locker lassen, eine noch effizientere Bejagung zu fordern – nicht nur wegen der drohenden Wildschweinepest, sondern auch wegen der Wildschäden. Hinsichtlich der auch in der Westpfalz ausgebrochenen Blauzungenkrankheit verkündete Bißbort, dass das Land Rheinland-Pfalz und die Tierseuchenkasse die Impfung mit 30 bis 50 Prozent der Impfkosten bezuschussen wollen. Auch Betriebe, die bereits geimpft haben, sollen in den Genuss des Zuschusses kommen. Mitte Februar würden in Mainz die Einzelheiten wie die Weitergabe des Geldes über die Tierärzte besprochen. Bißbort will weiterhin dafür eintreten, dass die Blauzungenkrankheit nicht länger als Tierseuche eingestuft wird. Mit Blick auf die Pflanzenproduktion, insbesondere auf das Verbot und das Auslaufen einiger Pflanzenschutzmittel sowie die neue Düngeverordnung, erklärte Bißbort, dass man den Bauern auch erlauben müsse, ihre Betriebe gewinnbringend zu bewirtschaften. Die Rahmenbedingungen würden zu schnell und nicht immer sachgerecht geändert. „Das hat zur Konsequenz, dass immer weniger junge Menschen bereit sind, einen landwirtschaftlichen Betrieb zu übernehmen“, bedauerte er. Wolfgang Friesen vom Werderhof in Contwig forderte die Politiker auf, klare Positionen zu beziehen. Auch die Kommunalpolitiker schließe er davon nicht aus. Sie sollten im Dialog mit ihren Parteien stehen. „Wir brauchen innovative Landwirte, die im biologischen und chemischen Bereich gut ausgebildet sind“, so Friesen. Es könne nicht angehen, dass man zum Beispiel auf der Lehr- und Versuchsanstalt Hof Neumühle die Beratung abbaut. Der Ackerbauer möchte die Produktionsverfahren von Wissenschaft und Forschung begleitet sehen. Ideologen sollten keinen Platz erhalten. Friesen hinsichtlich der Feinstaubdiskussion: „Ich warte nur darauf, dass einer kommt und sagt, wir müssen mit Pferdekutschen in der Stadt fahren.“ „Gegen den Mainstream zu arbeiten ist Schattenboxen“, fand Kurt Schneider. Die Landwirte sollten den Verbrauchern anbieten, was diese wollten. Wenn Tierwohl gefordert werde, müsse man mitziehen. Wenn Gentechnikfreiheit verlangt wird, werde man alle Abwehrkämpfe verlieren. In der Verteidigerposition sei man oft der Verlierer. Das Erfolgsrezept des Nebenerwerbslandwirts: „Wir liefern, was bestellt wird.“