Rheinpfalz Blicke hinter das große Ziffernblatt

Seit 20 Jahren prägt die astronomische Uhr (rechts oben) den Innenhof des Museums.
Seit 20 Jahren prägt die astronomische Uhr (rechts oben) den Innenhof des Museums.

Im Museum für Zeit wird ein besonderer Geburtstag gefeiert. Vor 20 Jahren ist die astronomische Uhr entworfen und gebaut worden. Bis zum Ende des Jahres ist nun im Museum für Zeit eine Sonderausstellung dieser Uhr gewidmet.

Zu sehen gibt es Detailaufnahmen der Uhr und technische Zeichnungen, die bisher im Büro des Erbauers Manfred Steinbach ihren Platz hatten. Der Ingenieur für Feingerätetechnik verstarb im Mai 2017, doch zuvor stellte er die Fotografien dem Museum zur Verfügung. Zur Eröffnung der Sonderausstellung am Samstag waren auch Familienmitglieder Steinbachs aus Jena angereist. Museums-Gründer Knut Deutschle berichtete, wie aus seiner Idee mit Steinbachs Hilfe ein Wunderwerk der Technik wurde. Die astronomische Uhr könne viel mehr als nur anzeigen, wie spät es ist. Sie zeige die Größe der Welt und wie die Planeten nach einem unsichtbaren und sehr genauen Plan durch den Raum gleiten. Die Uhr wurde laut Deutschle gebaut mit höchstem technischen und ästhetischen Anspruch. Sie sei in ihrer Art einzigartig. Diese Uhr sei speziell fürs Museum für Zeit angefertigt. Das Berechnungsprogramm und das Design seien von Steinbach erarbeitet worden. Selbst der Turm, in dem die Uhr thront, sei eigens dafür erbaut. Vor dem Aufbau in Rockenhausen wurden der astronomischen Uhr Ausstellungen in den Planetarien in Wien und Berlin gewidmet. Auch dort waren die nun in Rockenhausen zu bestaunenden Fotos ausgestellt. „Die fantastische astronomische Uhr in ihrer Präzision, ihrer Konstruktion und ihrer Ausstrahlung krönt das Museum für Zeit und verschafft unserer kleinen Stadt einen mehr als beachtlichen Stellenwert“, so Deutschle. Günter Löser und Günter Höhn ließen bei der Ausstellungseröffnung die Besucher einen Blick hinter das große Ziffernblatt werfen. Löser zeigte mit einer Bildpräsentation einige technische Kniffe, beginnend bei dem 24-Stunden-Ziffernblatt, das für Verwirrung sorgen kann. Die Uhr hat einen Sonnenzeiger, der die genaue Ortszeit von Rockenhausen zeigt, diese liegt etwa 28 Minuten hinter der Mitteleuropäischen Zeit. Der Mond, vier Planeten und 400 Fixsterne, die auf den Zehntelmillimeter genau im Größenverhältnis passen, sind auf der Uhr abgebildet. Ebenso sieht man die Tierkreiszeichen. Zehn Motoren steuern die Zeiger und das Sternenblatt. Die Berechnungen werden in einem Computer vorgenommen, der die amtliche Uhrzeit mit der Atomuhr in Braunschweig abgleicht. Die Berechnungen von Steinbach schließen so viele Wahrscheinlichkeiten mit ein, dass die Uhr auch noch in 1000 Jahren die korrekte Zeit anzeigen soll. Auf die Hundertstelsekunde genau zeigt die astronomische Uhr jedenfalls die amtliche Zeit an. Mit Hilfe des Programms kann man den Planetenstand zu jedem beliebigen Zeitpunkt einstellen. Höhn zeigte dies: Er stellte den 11. August 1999, 12 Uhr, ein. Man konnte die Motoren arbeiten hören und bekam den Zeitpunkt zu sehen, als die Sonne hinter dem Mond verschwand – eine totale Sonnenfinsternis. Da der Mond an der Uhr sich auch in sich dreht, um die Mondphasen anzuzeigen, stellte sich die Sonne auf der Uhr vor den Mond. Am 27. Juli 2018 wird es eine Mondfinsternis geben. Auch dieses zukünftige Ereignis kann die Uhr anzeigen. Wenn die Zeiger neu eingestellt werden, kann man sozusagen im Zeitraffer das „Zeiger-Ballett“ der Uhr sehen. Das Blatt mit den Fixsternen, der Mond, die Planeten, alle bewegen sich in einem bestimmten, genauestens berechneten Rhythmus. Info Wer mehr über die Uhr und ihren Erbauer erfahren möchte, kann dies bis zum 30. Dezember zu den Öffnungszeiten des Museums für Zeit in Rockenhausen.

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