Rheinpfalz Austin, Seoul, Meisenheim
Ein Ort für Leute mit kreativen Ideen: Unter dieser Prämisse hat im vergangenen Sommer der Bito-Campus in Meisenheim seine Pforten geöffnet. In dem in der ehemaligen Volksschule untergebrachten Gründerzentrum finden Jungunternehmer Raum zum Arbeiten und Leben. Darunter sind nach Angaben von Geschäftsführer Richard Haxel inzwischen mehrere innovative Start-ups.
Der Bito-Campus kooperiert dabei auch mit Universitäten. Die junge Firma aus Kaiserslautern, die das Spiel „Hesher-Ball“ (wir berichteten) erfunden hat, ist nach Angaben von Haxel auch immer mal wieder am Bito-Campus beschäftigt. Im Frühjahr starte ein weiteres Projekt mit dem Umwelt-Campus Birkenfeld. Dabei geht es um gemeinschaftliche Veranstaltungen, um nützliche, kreative oder unterhaltende Software für Schulen und Unternehmen zu kreieren. Geplant sei langfristig, zwei Mitarbeiter aus dem Projekt „Digitalisierung des ländlichen Raums“ nach Meisenheim zu holen. Seit einigen Monaten arbeite ein Doktorand aus München in Meisenheim, der unter dem Namen Artificial Ecosystems vertikale Begrünungsanlagen bauen möchte. Im März werde dessen Team in die Region nachkommen, kündigt Haxel gegenüber der RHEINPFALZ an. Ende November sei eine Absichtserklärung mit der Entrepreneural Innovators Group Europe unterzeichnet worden. Das internationale Netzwerk von Gründern will sich in Europa ausbreiten. Zwei der Mitarbeiter – aus Texas und Südkorea – werden im Frühjahr nach Meisenheim kommen und dort ihre Europazentrale einrichten. „Dann heißt es: Austin, Seoul, Meisenheim“, berichtet Haxel nicht ohne Stolz. Ein größeres Projekt läuft unter dem Namen Nelumbox. Dabei handelt es sich um das Darmstädter Start-up Tec4med LifeScience, das eine Kühlbox für die Lagerung oder den Transport medizinischer oder pharmazeutischer Güter entwickelt hat. Dahinter stecke ein patentiertes aktives Kühlsystem, das den Transport temperatursensibler Güter über mehrere Tage möglich machen kann. Der Bito-Campus steigt als Investor in das 2017 gegründete Medizintechnik-Start-up ein und investiert in einer Anschub-Finanzierungsrunde einen sechsstelligen Betrag in das Darmstädter Kühlbox-Startup, wie Pressesprecherin Tanja Schmitt mitteilte. Die Tec4med sei eines der ersten Gründerteams, das vom Bito-Campus unterstützt werde. Platz bietet der Bito-Campus etwa für neun Unternehmen. Nach Angaben von Haxel wechseln die Bewohner häufiger, teilweise werde der Wohnraum auch für Bito-Mitarbeiter zur Verfügung gestellt. Insgesamt stehen sieben möblierte Wohneinheiten in der für rund drei Millionen Euro renovierten ehemaligen Grundschule zur Verfügung. Aktuell werde noch eine „Villa“ für weitere Bewohner hergerichtet. Der bei der Eröffnung noch nicht ganz eingerichtete Werkraum im Keller ist inzwischen mit Geräten bestückt. „Den würden wir jedem Handwerker zur Verfügung stellen, der sich selbstständig machen will“, wirbt Haxel. Am Bito-Campus selbst sind vier Mitarbeiter beschäftigt. „Das Start-up-Thema in die Bito-Welt zu tragen, hat bei Bito selbst einen großen Wandel ausgelöst“, berichtet der Campus-Geschäftsführer. Für den Bito-Campus sei er auf der Suche nach neuen Start-ups oft in ganz Deutschland unterwegs. Sein Ziel: Accellerator-Programme aufstellen, mit denen junge Unternehmen etwa durch Beratung zu einer schnellen Entwicklung verholfen wird. Zudem will Haxel die Gründerszene über Bito hinaus in die Region tragen. Dabei setzt der 36-Jährige auch auf weitere Akteure und Unternehmen. „Es läuft gut am Bito-Campus“, resümiert der 36-Jährige. Auch in der direkten Zusammenarbeit mit Bito sieht er das Projekt auf einem guten Weg. Allerdings sei die Gründerszene nicht ganz leicht erreichbar, lautet Haxels Erfahrung. Insbesondere in der Region komme sie nur „ganz langsam“ in Gang. Zum Landkreis Kusel hin seien Kontakte noch „ausbaufähig“.