Rheinpfalz Aus Schutt und Asche immer wieder aufgebaut

Mit einem Motivwagen beim Minikreisel zwischen Pirmasenser- und Bitscher Straße, auf dem sich eine Guillotine, im Volksmund „Hac
Mit einem Motivwagen beim Minikreisel zwischen Pirmasenser- und Bitscher Straße, auf dem sich eine Guillotine, im Volksmund »Hackmesser« genannt, befindet, wirbt die Dorfgemeinschaft für die 750-Jahr-Feier.

Auch wenn sie ein Jahr zu spät steigt, vom 31. August bis 2. September steht in Kröppen die Feier des 750. Ortsjubiläums an. „Die Bürger haben ihr Dorf aus Schutt und Asche immer wieder aufgebaut und es zu einem lebens- und liebenswerten Gemeinwesen entwickelt“, sagt Kröppens Altbürgermeister Willi Lehmann, der zur Jubiläumsfeier auf die Entstehung und die Geschichte der von vielen Schicksalsschlägen heimgesuchten Grenzgemeinde blickt.

Kröppens neuer Bürgermeister Steffen Schwarz war es, der Willi Lehmann gebeten hatte, für die Festschrift den Beitrag „Kröppen im Spiegel der Geschichte“ zu erarbeiten. Aufgrund der fehlenden Ortschronik musste der Altbürgermeister auf die Forschungen des Völkerkundlers Hans-Joachim Kölsch-Brauch sowie die Erkenntnisse zahlreicher weiterer Heimatforscher wie Emil Guth und Karl Ziegler aus Lemberg zurückgreifen. Vor Ort wurde er vom 90-jährigen Hans Höh unterstützt. Die erste urkundliche Erwähnung Kröppens datiert auf das Jahr 1267. „Villa Greppen“ wird dort im Zusammenhang mit einer Landschenkung an das Kloster Stürzelbronn genannt. Eigentlich hätte die Gemeinde also schon 2017 ihr 750-jähriges Bestehen feiern müssen. Leider hatte sich laut Lehmann nach dem überraschenden Tod von Ortsbürgermeister Ottmar Schwarz 2015 kein Nachfolger gefunden. So kümmerte sich niemand um die Organisation der 750-Jahr-Feier, die das große Ziel von Ottmar Schwarz war. Nur dank des Einsatzes von Ottmar Schwarz’ Sohn Steffen und „der überraschend großen Zahl grade auch jüngerer Mitbürger, die ihn unterstützen“, könne nun doch noch gefeiert werden, sagt Lehmann. „Das dürfte wohl ein Beweis dafür sein, dass unser altes Dorf nach wie vor lebt, der Bürgersinn existiert und die Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement gegeben ist.“ Mit seinem Amtsantritt im März vervollständigt Steffen Schwarz die Reihe der Kröpper Ortsbürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg. Es waren beginnend mit dem am 13. Mai 1945 durch die französischen Besatzungskräfte eingesetzten Richard Berger die Ortschefs Eduard Gabriel, Albert Höh, Werner Rösch, Gerhard Büchler, Willi Lehmann und Ottmar Schwarz. Wie die Nachbardörfer blickt Kröppen auf eine wechselvolle Geschichte zurück. So unterstand Kröppen seit seiner ersten Erwähnung der Herrschaft der Grafen von Zweibrücken, von Zweibrücken-Bitsch, von Hanau-Lichtenberg und der Landgrafen von Hessen-Darmstadt. Zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen war die Gemeinde aufgrund ihrer Grenzlage ausgesetzt. Erbstreitigkeiten der gräflichen Herrschaften, die Eroberungskriege Ludwig des XIV. und nicht zuletzt der Dreißigjährige Krieg stürzten die Bevölkerung in Not, Elend und Tod. Während des Dreißigjährigen Krieges war Kröppen völlig entvölkert. Erst ab dem Jahr 1667 wurden wieder zwei Einwohner verzeichnet. Die entstandenen Lücken wurden durch Einwanderer aus der Schweiz, Tirol und dem Frankenland geschlossen. Die negativen Erfahrungen wie Frondienste, Zehntabgabe, herrschaftliche Gerichtsbarkeit, Kriege, die Ungleichheit der Stände und die Hörigkeit der Bauern machten die Bevölkerung empfänglich für die Ideen der Französischen Revolution. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit erschienen den Bürgern so erstrebenswert, dass sie den Anschluss an Frankreich beantragten. Am 14. Februar 1793 gab der Pariser Nationalkonvent dem Antrag statt und die Gemeinde wurde dem Département de la Moselle angegliedert. Aus jener turbulenten Zeit stammt der Name „Hackmesserseite“. Zurückzuführen ist er auf die Guillotine, im Volksmund „Hackmesser“ genannt. Mit dieser wurden unliebsame Gegner beseitigt. Angeblich soll eine solche Maschine auch in den Dörfern der Hackmesserseite ihren Schrecken verbreitet haben. Nach der Niederlage Napoleons erfolgten 1814 die Loslösung von Frankreich und die Angliederung an das Gebiet, aus dem 1816 die an Bayern gefallene Pfalz entstand. Bis 1918 hatten die Wittelsbacher Bayern das Sagen. 1902 erhielt Kröppen als Mitglied der „Felsalbgruppe“ Anschluss an das öffentliche Wasserversorgungsnetz. Der Erste Weltkrieg brachte erneut Elend in die Gemeinde. Während des „Dritten Reiches“ gehörte Kröppen zur „Westmark“ und wurde der „Roten Zone“, dem Evakuierungsgebiet im Bereich des Westwalls, zugeordnet. Besonders tragisch für die Kröpper Bürger war die zweimalige Räumung der Gemeinde in den Jahren 1939 und 1944. Beim Wiederaufbau mussten von 256 Häusern, die vor Kriegsbeginn in der Gemeinde standen, 221 abgerissen werden. Darunter befanden sich die erst 1927 eingeweihte katholische St. Jakobuskirche, das Schul- und das Zollhaus. Das Jugendheim diente nach Kriegsende als Schule. 1952 wurde es mit dem Bau des Chores und des Glockenturmes Treffpunkt der katholischen Bürger. Im gleichen Jahr wurde das Schulhaus wieder aufgebaut. Dort ist nun die Kindertagesstätte untergebracht. Religiöses Zentrum der evangelischen Christen ist die 1769 eingeweihte Kirche auf dem Luthersbrunn zwischen Kröppen und Vinningen. Durch den Wiederaufbau erhielt das Dorf ein neues Gesicht. Die landwirtschaftliche Prägung wich zunehmend reiner Wohnbebauung. Hatte man 1925 noch 40 Landwirte, sind es heute noch vier Haupt- und wenige Nebenerwerbslandwirte. Günstige Bauplätze mit weitem Blick bis zu den französischen Höhen machen Kröppen als Wohngemeinde attraktiv. Positiv wirkte sich auch der Wegfall der Zollschranken an der Grenze zur französischen Nachbargemeinde Walschbronn aus. Zum Einkaufen müssen die Kröpper heute ins nahe Vinningen. Die Kita sowie die Zweigstelle einer Arztpraxis sind vor Ort. Geringen Einfluss auf die Wirtschaftsstruktur haben die 59 Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe. Insgesamt bieten elf Vereine reichlich Gelegenheit, sich sportlich, kulturell oder gesellschaftlich zu betätigen. Überörtliche Bedeutung hat das seit 1949 jährlich abgehaltene Erntedankfest mit Umzug, an dessen Termin am ersten September-Wochenende die 750-Jahr-Feier nachgeholt wird. Wenigen dürfte bekannt sein, dass Kröppen während seiner Zugehörigkeit zum Amt Lemberg eine Schultheißerei war, deren Schultheiß Rudolf Guth 1730 auch für Hilst, Schweix sowie deren Mühlen zuständig war. Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Verwaltungsgeschäfte von Trulben aus erledigt. Anschließend, bis zur Bildung der Verbandsgemeinde Pirmasens-Land im Jahr 1972, aus dem unterem Zollhaus, der Baracke in der Pirmasenser Straße, dem Jugendheim und ab 1952 aus dem Schulhaus. Info Der erste Serienteil zum 750-jährigen Ortsjubiläum Kröppens erschien am 16. Mai.

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