Rheinpfalz Aus absoluter Dunkelheit Sterne anschauen
WALDFISCHBACH-BURGALBEN. Nach ihrer Rückkehr aus Kenia habe sie oft am Kühlschrank gestanden und gedacht: „Was haben wir hier nicht alles zu essen, welche Auswahl, welche Mengen“, sagt Katharina Lieser. Die 22-Jährige aus Waldfischbach-Burgalben studiert an der Universität Trier Angewandte Geografie und gewann bei einer dreiwöchigen Exkursion mit der Universität Einblicke in das afrikanische Land, weit abseits der Touristenidylle. Inklusive unfreiwilliger Übernachtung in der Wüste.
„Die war tatsächlich nicht geplant“, erzählt die Studentin lachend. Bei einer Tagestour verfuhr sich die Gruppe, die aus 18 Studenten, einem Dozenten und einem Professor bestand. „Um 7 Uhr wurde es dunkel, und das wird es dort ja schlagartig“, erinnert sich Lieser. Weiterfahren in der Dunkelheit war angesichts der Straßenverhältnisse keine Option. Es wurde kurzerhand ein Zeltlager in der Wüste aufgebaut, abwechselnd Wache gehalten, auch damit das Feuer nicht ausgeht. „Es war eines der unglaublichsten Erlebnisse auf der Reise“, sagt Lieser rückblickend. Denn in der Wüste herrschte in der Umgebung absolute Dunkelheit, „etwas, was wir hier in Europa ja fast gar nicht kennen“, sagt Lieser. Das gab den Blick auf einen unglaublichen Himmel frei, an dem Sterne, Satelliten, Sternschnuppen zu erkennen und die ganze Nacht über zu beobachten waren. Nein, sagt Lieser, Angst habe sie nicht gehabt. Nicht in dieser Situation, auch nicht bei anderen Erlebnissen. „Wir hatten uns ja intensiv auf die Reise vorbereitet, hatten Arbeiten dazu verfasst, uns im Vorfeld mit dem Land, den Menschen, mit dem, was wir zu sehen bekommen würden, befasst“, sagt sie. Und doch habe sich bewahrheitet, dass man sich manches, trotz bester Vorbereitung, gar nicht vorstellen könne. Beispielsweise das Leben in einem Slum in Nairobi. „Trotz intensiver Vorbereitung war es dort 100-mal schlimmer, als wir uns das hätten vorstellen können“, bekennt sie. Die Verhältnisse, in denen Menschen dort leben, seien unvorstellbar. Aber genau darum gehe es bei Exkursionen in diese Länder, die Realität zu sehen, um verstehen zu können, warum auf der Welt etwas passiert. Noch unglaublicher sei allerdings gewesen, „wie offen die Menschen, vor allem die Kinder, auf uns zugekommen sind“, erzählt Lieser von ganz vielen positiven Erlebnissen und Begegnungen. Überhaupt seien die Kenianer sehr kommunikativ. „In den Aufzug steigen und nicht in ein Gespräche einbezogen zu werden, das gibt es nicht“, sagt sie lachend. 3000 Kilometer legte die Gruppe binnen drei Wochen zurück. Beeindruckend sei gewesen, wie sich die Landschaft innerhalb dieses Radius’ komplett verändere: „Von der Wüste bis zum Regenwald war alles dabei.“ Dazu die Tierwelt in den Nationalparks, von Elefanten über Zebras bis hin zu Löwen und Leoparden. Im Nationalpark Massai Mara, der Teil, der Serengeti ist, gab es Begegnungen mit der afrikanischen Tierwelt. Die gab es auch schon mal auf andere Art. Zum Beispiel, als zu Ehren der Gäste aus Deutschland eine Ziege geschlachtet wurde. „Beim Schlachten war ich zum ersten Mal in meinem Leben dabei“, bekennt Lieser. Die Unterschiede der Regionen vor dem Hintergrund der Wechselbeziehungen zwischen natürlicher Umwelt, kultureller Gestaltung und individuellem Handeln zu untersuchen und zu analysieren, das sind Aufgaben, denen sich die Humangeografie widmet. „Kurz nach der Rückkehr aus Kenia habe ich sehr oft über die Unterschiede nachgedacht. Mit der Zeit lässt das etwas nach, man kommt hier wieder in den Alltag rein“, erzählt sie. Alltag, das bedeutet für die Absolventin des Kaiserslauterer Hohenstaufen-Gymnasiums, dass sie im fünften Fachsemester studiert. Ihr Interessensschwerpunkt liegt mittlerweile im Bereich der Geo-Informationssysteme. INFO Auf Einladung der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (Sektion Kaiserslautern) berichtet Katharina Lieser am morgigen Freitag, über Erfahrungen und Erlebnisse ihres Kenia-Aufenthaltes. Sie wird mit Hilfe von Bildern und Kartenmaterial diese Eindrücke vertiefen. Die Veranstaltung findet im Musikzentrum Geiselberger Mühle, Steinalben statt. Beginn: 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.