Rheinpfalz Auftakt der Veterama auf dem Mannheimer Maimarkt-Gelände
Mannheim. Über dem Maimarktgelände liegt ein Hauch von Benzin. Noch bis zum Sonntag warten rund 4000 Aussteller auf der Mannheimer Veterama, dem angeblich größten Oldtimer-Teilemarkt Europas, auf Besucher. Am Freitag wurde die Veranstaltung eröffnet.
Veranstalter Winfried Seidel kommt kaum drei Schritte weit, wenn er über die riesige Ausstellungsfläche läuft. Überall wird der Veterama-Erfinder gegrüßt, entdeckt befreundete Händler oder langjährige Besucher, Freunde alter Autos oder Motorräder. Das wird wohl an allen Tagen so ähnlich sein, aber gestern ist es extrem, weil das Messegelände den sogenannten Insidern vorbehalten ist. Schon eine Stunde bevor sich dafür die Tore auf dem Maimarktgelände öffnen, ist der Haupteingang dicht umlagert, treffen sich hier vornehmlich Männer, die vielleicht vom letzten noch fehlenden Ersatzteil für den motorisierten Liebling zu Hause träumen. Seidel kennt diesen Blick. Schließlich schraubt er selbst an alten Fahrzeugen herum. „Im Moment habe ich gerade ein neuseeländisches Modell in Arbeit“, verrät der mittlerweile 75-Jährige. Und er weiß auch, wie sich die Suche nach Ersatzteilen anfühlt: „Ich mache mir immer eine Liste von den Dingen, die ich suche und ich komme immer mit ganz anderen Dingen wieder nach Hause.“ Das ist Jill Slootheer-de Ruig aus den Niederlanden nicht fremd. „Wir sind heute zum zweiten Mal in Mannheim. Letztes Jahr war unsere Premiere. Wir haben zwar alles gefunden, was wir für unseren Oldtimer gebraucht haben, aber noch jede Menge mehr“, erzählt die junge Frau, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Willem eigens für den Eröffnungstag angereist ist. Auf Englisch sowie mit Händen und Füßen gehen sie auf die Pirsch, um im Sprachgewirr der Händler Teile zu suchen – und natürlich zu feilschen. „Feilschen ist Teil des Spaßes“, sagt Seidel. Genau deshalb sei auch das Internet keine Konkurrenz. Der direkte Kontakt zwischen Anbieter und Interessent sei durch nichts zu ersetzen. Und die Verständigung funktioniere – eben zur Not mit Zeichensprache. „Wir haben hier bis zu 20 Prozent Händler aus ganz Europa“, betont Seidel, während er beobachtet, wie zwei Polen und ein Franzose den Preis für ein Kühlermodell aushandeln. „Es klappt letztlich immer“, versichert er. Überhaupt: die Franzosen. Da gebe es mittlerweile eine ganze Kolonie, berichtet der Veterama-Erfinder. Und die haben auch ganz besondere Modelle mit dabei. Der halbverfallene Einzylinder „Le Zebre“ aus dem Jahr 1912 ist so ein Hingucker, auch wenn der Händler dafür 12.000 Euro aufruft. „Bin mal gespannt, ob er den loswird. Gerade der Markt für Autos vor dem ersten Weltkrieg ist sehr überschaubar“, sagt ein Fachmann im Vorbeigehen. Winfried Seidel ist hingegen sicher, dass auch dieses Modell einen Liebhaber unter den rund 45.000 erwarteten Besuchern finden wird. „Und dann muss man sich tief in die verrostete Auto-Seele hineinknien und das Auto zurück auf die Straße bringen. Restauriert hat der Wagen dann einen Wert von etwa 90.000 Euro“, schätzt er. Aber es geht um weit mehr, als um Autos, Motorräder oder die passenden Ersatzteile. „Auf der Veterama finden auch die Fachleute zueinander. Für jedes Problem gibt es jemanden, der sich damit auskennt“, sagt Seidel. Er selbst sei dafür das beste Beispiel: „Ich habe einen alten Mercedes mit völlig zerstörtem Motor gekauft und hier Laszlo Nagy kennengelernt, der von sich behauptet, dass er jeden Motor wieder zum Laufen bringt.“ Und der Ungar hielt offenbar Wort. Der Motor sei immer noch der, der im Carl-Benz-Museum am besten laufe. Seidel kann beinahe zu jedem Händler eine kleine Geschichte erzählen. Immerhin sind einige davon bereits seit den Anfangstagen dabei – damals noch beim „Fugger-Markt für alte Autos und Motorräder“. Und das ist immerhin mehr als 40 Jahre her. Seidel ist fest davon überzeugt, dass das rostigste Hobby der Welt ansteckend ist. Dann blickt er auf den Marktplatz, wo noch viele Schätze darauf warten, entdeckt und gehoben zu werden.