Rheinpfalz Auf der Flucht vor dem Jäger

Ob häufig oder rar, jeder Familienname besitzt einen individuellen Klang. Kennern erzählen Namen ganze Geschichten: Wo ihre Träger herstammen, welche Berufe und Vorlieben die Vorfahren hatten oder wie sie aussahen. RHEINPFALZ-Leser können sich von den Namenforschern der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz Fragen zum Familiennamen beantworten lassen.
Bei der wohlbekannten Redewendung „Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts“ geht es nicht um ein ahnungsloses Langohr, sondern um den jungen Juristen Karl Victor von Hase. Der musste sich 1855 als Student in Heidelberg vor Gericht verantworten. Er soll damals einem Freund zur Flucht verholfen haben, weil dieser zuvor einen Studenten im Duell erschossen hatte. Als sich Victor von Hase vor Gericht zu dem Fall äußern sollte, sagte er nur: „Mein Name ist Hase; ich weiß von nichts.“ Eine andere Redewendung: Man sagt „Mit den Hinkeln auf die Stange hüpfen“, wenn man beizeiten zu Bett geht. Ist ein Herr Hinkelmann so ein verschlafener Zeitgenosse? Und wer hat nicht das Lied „Wir winden dir den Jungfernkranz mit veilchenblauer Seide“ aus der Oper „Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber im Ohr, das im 19. Jahrhundert ein regelrechter Ohrwurm war. Gemeint ist hier der Brautkranz, der die Jungfräulichkeit der Braut symbolisiert. Geht der Familienname Krenz auf derart bekränzte Vorfahren zurück? Annika Hauzel und Rita Heuser sind diesmal den Familiennamen Hinkelmann, Krenz und Hase auf die Spur. Gerd Hinkelmann aus Henschtal (Kreis Kusel) schreibt: „Woher kommt mein Name, ich bitte hiermit um Infos.“ Die Antwort: 979 Telefonanschlüsse lauten in Deutschland auf den Familiennamen Hinkelmann, was bundesweit etwa 2741 Namenträgern entspricht. Der Name ist in ganz Deutschland verstreut, zu den Ballungsgebieten zählen jedoch vor allem Nordrhein-Westfalen sowie das Saarland und der Süden von Rheinland-Pfalz. Auch wenn es zunächst so klingen mag, hat der Familienname Hinkelmann nichts mit dem (west)-mitteldeutschen Begriff „Hinkel“ für das Huhn zu tun. Stattdessen sind die Stichwörter „Heinrich“ und „hinken“ für die Deutung zu beachten. Die meisten Fälle von Hinkelmann sind Ableitungen des Rufnamens Heinrich, der im Mittelalter sehr bekannt und weit verbreitet war. Aus diesem Namen wurden oftmals mithilfe der Endung „k“ die Koseformen Hinke und Hinkel gebildet. Für den vorliegenden Familiennamen trat als Erweiterung zu „Hinkel“ noch das Zweitglied „-mann“ dazu. In Einzelfällen kann der Familienname auch von mittelhochdeutsch „hingeln“ beziehungsweise mittelhochdeutsch und mittelniederdeutsch „hinken“ (hinken, unsicher gehen) abgeleitet worden sein. Dann bezeichnet dieser Übername jemanden, der durch eine solche Gangart auffiel. Dieter Krenz aus Ottersheim (Donnersbergkreis) schreibt: „Vielleicht können Sie mir sagen woher mein Name kommt. Ich würde mich sehr darüber freuen etwas darüber zu erfahren.“ Die Antwort: Die Bedeutungen hinter dem Familiennamen Krenz sind sehr vielfältig und beschränken sich nicht allein auf den Kranz. Zunächst kann es sich bei Krenz um einen Herkunftsnamen zu Ortsnamen wie Kreinitz, Krensitz (beide Sachsen) oder Kränzlin (Brandenburg) handeln. Ebenso kann der Familienname auch auf einen Wohnstättennamen zu mittelhochdeutsch „greniz“, „grenize“ (Grenze) für den Anwohner einer Grenze zurückgehen. Wie bereits angedeutet, kommt auch der Übername zu mittelhochdeutsch, mittelniederdeutsch „kranz“ (Kranz, Krone, Ehrenpreis) infrage. Lediglich in Einzelfällen ist ein indirekter Berufsname nach dem Gegenstand der Arbeit zu mittelhochdeutsch „krenze“ (Korb, Korbgeflecht) für den Korbmacher denkbar. Der Familienname Krenz kommt mit 1682 Telefonanschlüssen (entspricht rund 4710 Namenträgern) vermehrt nördlich einer Linie Köln–Dresden und im Raum Aschaffenburg vor. Hans-Ludwig Hase aus Eisenberg schreibt: „Mit Interesse lese ich immer ihre Beiträge zu der Serie ,Woher kommt mein Name?’. Das würde mich auch für meinen Familiennamen interessieren.“ Die Antwort: Bei dem Familiennamen Hase handelt es sich um einen Übernamen zu mittelhochdeutsch beziehungsweise mittelniederdeutsch „hase“ für einen furchtsamen, schreckhaften oder auch schnellfüßigen Menschen, der in seinem Verhalten an das vorsichtige Fluchttier Hase erinnerte. Da Hasen beliebte Jagdtiere waren, kann auch ein Berufsname für einen Hasenjäger vorliegen. Seltener in Frage kommt wohl die Benennung nach einem Haus „Zum Hasen“, das in einigen Städten wie Köln, Basel oder Trier belegt ist, oder eine Ableitung aus Rufnamen mit dem althochdeutschen/altsächsischen Namenglied „hadu“/„hathu“, wie zum Beispiel Hadwig und Hedrich. Mit 1255 Telefonanschlüssen (entspricht etwa 3514 Namenträgern) findet sich der Familienname Hase eher im norddeutschen Raum mit Schwerpunkten im Nordosten. Die süddeutsche Entsprechung ist der wesentlich häufigere Name Haas. So können Sie bei dieser Serie mitmachen: Haben Sie Fragen zu Ihrem Familiennamen, dann schreiben Sie uns. Die Mainzer Sprachwissenschaftler wählen aus allen Einsendungen pro Folge drei bis vier Familiennamen aus und erläutern deren Herkunft und Bedeutung. Diese Serie läuft seit 2005. (Fotos: Sayer, Stepan, Benndorf) Info —Unsere Anschrift: RHEINPFALZ, Redaktion Südwest, Kennwort „Woher kommt mein Name?“, Amtsstraße 5-11, 67059 Ludwigshafen. E-Mail: Familienname@rheinpfalz.de. Bitte schreiben Sie Ihre komplette Adresse und Telefonnummer dazu. —Internetseite der Mainzer Namensforscher: www.namenforschung.net. Twitter unter @OnomaMainz.