Rheinpfalz 3000 Kilometer durch den „wilden“ Osten

Fahrradfahren liegt im Trend. Aber gleich von der Westpfalz über Rumänien und Bulgarien bis nach Istanbul? Michael Moritz hat die mehr als 3000 Kilometer lange Strecke nicht gestreckt, als er vor gut sechs Wochen in seiner Heimatgemeinde auf den Drahtesel stieg. Mittlerweile ist er am Schwarzen Meer angekommen und berichtet, „wie wunderbar entschleunigt sich eine Reise zu Rade anfühlt“.
Zurück zum 2. Juli, dem Beginn der Reise: Der 25-jährige Steinwendener hat gerade den Bachelor in Betriebswirtschaftslehre an der Universität des Saarlands abgelegt und Zeit bis Oktober. Dann will er sein Studium in Saarbrücken mit dem Master in Tourismusmanagement fortsetzen. Doch bis es soweit ist, hat Michael Moritz Muße, um ausgiebig in die Pedale zu treten und fremde Länder kennenzulernen. Der Westen Europas ist ihm bekannt, also auf gen Osten. „Der meistgehörte Ratschlag vor der Tour war sicherlich: ,Pass auf dein Rad auf, die klauen gerne’“, kommt Moritz auf Vorurteile zu sprechen, die vor ihm ausgebreitet wurden. Doch die Warnungen halten ihn nicht auf, er will seine eigenen Erfahrungen machen. So fremd wie ihm das Ziel ist, so vertraut ist ihm das Fahrrad. „Mit dem Rad ist man schnell genug, um tagsüber relativ weit zu kommen und trotzdem ist das Reisetempo entschleunigt genug, um Land und Leute sehr gut kennenzulernen“, sagt er. Monatelang mit dem Rad unterwegs zu sein, ist für den jungen Mann, der sich 2014 beim Bezirksverband Pfalz zum zertifizierten „Natur- und Landschaftsführer Pfälzerwald“ ausbilden ließ, allerdings eine Premiere. Zunächst eine einsame. Denn mit will niemand. Ein Freund ist die ersten Tage dabei, kehrt dann allerdings wieder um. Bis Budapest rollt Moritz allein, dann strampeln zeitweise zwei Türken auf dem Weg Richtung Heimat mit. Ein paar Tage vor dem Schwarzen Meer schließt sich dem Pfälzer ein Schwabe namens Uli auf dem Liegerad an. Mitte August sind mehr als 3000 Kilometer auf dem Tacho: Eine von der Donau geprägte Strecke durch Deutschland, Österreich, die Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien und Bulgarien liegt hinter Moritz, als er in Konstanza am Schwarzen Meer einradelt: „Der Osten Europas ist überwältigend, die Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft sind unglaublich.“ Er berichtet von Familien, die ihn, den Fremden aus Deutschland, einfach so bewirteten. Und er berichtet von steilen Felswänden, die sich in Serbien am sogenannten Eisernen Tor beeindruckend an der Donau hochziehen. In Rumänien kommt ein „Einbruch“ ins Schwimmbad zu den Erlebnissen hinzu: Die Karte weist einen Campingplatz aus, den es nicht gibt, also erfrischt sich der Radler kurzerhand im Schwimmbad. „Der Begriff Einbruch ist übertrieben, es gab nirgends verschlossene Türen, nur einen Wachhund, der sich mit ein paar netten Worten besänftigen ließ“, erzählt der er grinsend. Mitten in der Walachei in Rumänien vergeht ihm kurzfristig dann das Lachen. Ein Rumäne vermittelt einen Zeltplatz mit Plumpsklo und warnt „vor Zigeunern“. Moritz gönnt sich eine Nacht ein Hotelzimmer. Auch durch den turbulenten Verkehr – wenige hielten sich an Tempolimits, Sicherheitsabstand sei vielen fremd – kommt er ungeschoren. Meist ist er mit Warnweste unterwegs. „Sie vermittelt mir das Gefühl, ich kann es mit Autos aufnehmen“, sagt er. Am Schwarzen Meer folgt eine kurze Auszeit für Rad, Hintern und Seele. Derzeit radelt Moritz an der Küste entlang in die Türkei bis nach Istanbul. Das Ziel naht. „Ich habe Zeit bis Oktober, bin schnell vorangekommen und plane nun, in der Türkei die Fähre nach Athen zu nehmen“, macht er Pläne für die Heimreise. Von dort geht es mit dem Rad nach Patras und mit der Fähre nach Venedig. Schließlich bleibt das letzte Stück über die Alpen zurück nach Deutschland. „Fast täglich denke ich schon jetzt an den Moment, wenn ich in Steinwenden wieder in meine Straße einbiege“, gibt der 25-Jährige zu. Nach der weiten Welt heißt es am Ende offenbar: Und ewig lockt die Pfalz.