Rheinpfalz 2000 Fragen nach der Tabelle
„Wie sieht die Bundesliga-Tabelle aus?“, „Wie ist die Tabellensituation?“, „Wer führt die Tabelle an?“, „Wie ist der Stand in der Tabelle?“ – Fragen wie diese beschäftigen Thomas Scherschel und seinen Geschäftspartner Stephan Kurpjuweit. Mit ihrem Start-up „thinking apps“ haben sie die sprachbasierte App für das Kicker-Sportmagazin entwickelt. Und Alexa, Google Assistant und Co. sollen möglichst viele Formulierungen verstehen können.
Zehn unterschiedliche Formulierungen haben sich die beiden Gründer, die ihr Unternehmen vor gut einem Jahr ins Leben gerufen haben, zunächst notiert. Mittlerweile, da die sprachbasierte App seit einigen Wochen am Start ist, sind es – auch durch die Auswertung des Nutzerverhaltens – etwa 2000 solcher Formulierungen. Alleine für die Frage nach der Tabelle. Insgesamt verstehe die App schon mehr als 25.000 Anfragen, schätzen Scherschel und Kurpjuweit. Von „Wie hat Deutschland gespielt?“ und „News zur Nationalmannschaft“ bis „Welche Spiele sind morgen?“ oder „Wer wurde 1998 Deutscher Meister?“. Die „kicker Voice App“ beantwortet Fragen ais dem Kategorien Live, Spielplan, Ergebnisse, Spielberichte, Tabellen sowie Historie und stellt – wie das Sportmagazin wirbt – „das mit Abstand umfangreichste deutschsprachige Fußball-Informationsangebot dieser Art“ dar. Mit dem Kicker hatten Scherschel und Kurpjuweit bereits Kontakt als sie sich 2017 entschlossen, sich selbstständig zu machen und ihre Jobs beim Kaiserslauterer Softwareentwickler Netbiscuits aufzugeben. Auslöser war damals Alexa, wie sie sagen – nicht etwa eine Dame aus Fleisch und Blut, sondern die Plattform für Sprachsteuerung und -ausgabe, die Internetgigant Amazon Ende 2016 auf den deutschen Markt gebracht hatte. Die beiden sind sich sicher: Sprachsteuerung wird die Mediennutzung verändern. „Das kann die nächste große Welle bei digitalen Produkten nach dem Web und Apps geben“, sagt Kurpjuweit. Anfangs aber habe der Shop für die Skills – so nennt Amazon die sprachbasierten Apps für sein System – „stark an das Internet der 1990er erinnert“, befindet der 42-jährige Geschäftsführer. „Da war viel Albernes dabei, vieles, was nicht funktionierte.“ Es habe sich geradezu angeboten, in diesem Bereich einzusteigen. Und ein Jahr später sehen sich die „thinking apps“-Gründer bestätigt: „So langsam beginnen viele Unternehmen, dort zu investieren.“ Die Systeme arbeiten mit Künstlicher Intelligenz (KI). „Sprache wird synthetisiert“, erläutert Thomas Scherschel. „Das ist nicht mehr so wie bei Fifa 98, wo ein Sprecher jeden Namen einlesen musste.“ Doch die Skills müssen noch viel mehr können. Lernen zum Beispiel. Kleinere sprachliche Abweichungen von bereits bekannten Anfragen sollen erkannt und neu in die Datenbank aufgenommen werden. So könnte die App irgendwann auch die Frage „noo’m ledschde Betzespiel“ verstehen – denn noch habe sie mit dem Westpfälzischen so ihre Probleme, sagt Scherschel lachend. Wobei der „Betze“ als Synonym für den 1. FC Kaiserslautern natürlich bereits eingepflegt ist. Ebenso wie zig andere Alternativ-Bezeichnungen für Klubs, die selbst Fußballexperte Thomas Scherschel teilweise erst im Laufe der Recherchen kennengelernt hat. „thinking apps“ betreut die App für seinen Auftraggeber. „Wir haben den ersten Schritt gemacht“, sagt Scherschel, „das wird mit Sicherheit noch ausgebaut.“ Auch einige andere Projekte haben die beiden schon auf den Weg gebracht. Die erste sprachgesteuerte App war ein digitaler Weinfestkalender für Pfalzmarketing – „das war noch recht spartanisch“, wie Kurpjuweit sagt; dennoch gibt es den Skill auch heute noch, und er soll weiterentwickelt werden. Dies App übrigens, die verstehe selbstverständlich Pfälzisch, versichern die Unternehmer. Generell sei es enorm wichtig, dass „die Dialoge sich natürlich anfühlen“, sagt Scherschel. Zukünftig wollen die beiden daher auch mit Drehbuchautoren zusammenarbeiten. Nach dem erfolgreichen Start soll das Unternehmen weiter wachsen, durch Auftragsarbeiten wie eigene Projekte. Noch in diesem Jahr wird ein dritter Partner einsteigen, um das bislang vernachlässigte Thema Marketing anzugehen. Klar ist auch, dass die beiden Gründer schon bald Unterstützung beim Programmieren benötigen.