Rheinpfalz Über Sprache Nachbarn kennenlernen
Die jahrelange deutsch-französische Spracharbeit der Kindertagesstätten (Kitas) in Fischbach, Ludwigswinkel und Schönau wurde dieses Jahr durch die Aufnahme der Einrichtungen in das Netzwerk der bilingualen Kitas „Ècoles maternelles – Elysée 2020 – Kindertageseinrichtungen“ gewürdigt.
Dem entsprechenden, im Oktober 2014 gestellten Antrag der drei Sauertal-Kitas gab die deutsch-französische Expertenkommission für das allgemeinbildende Schulwesen bei ihrer Tagung Ende Mai in Hamburg statt. „Durch Ihr zweisprachiges Bildungsangebot eröffnen Sie den Kindern ganz besondere Erfahrungen. Spracherwerb ermöglicht nämlich auch immer, Zugang zu anderen Kulturen und Ländern zu finden. Sie legen damit einen wichtigen Grundstein für die Zukunft der heranwachsenden Generation und für ein weiteres freundschaftliches Zusammenwachsen in Europa und der Welt“, teilte das Büro des „Bevollmächtigten der Bundesrepublik Deutschland für kulturelle Angelegenheiten im Rahmen des Vertrages über die deutsch-französische Zusammenarbeit“ Anfang September den drei Kitas mit. Eine Außenwandplakette mit dem Netzwerk-Logo macht die Zugehörigkeit zum Verbund der zweisprachigen Kitas auch nach außen sichtbar. Die Auszeichnung feierten am Dienstag die Kita-Leiterinnen und Ortschefs der drei Gemeinden zusammen mit Erzieherinnen und Kindern bei Sekt, Saft, Madeleines und einem von den Kleinen dargebrachten deutsch-französischen Lied auf dem Dorfplatz vor der Ludwigswinkler Kita. „So eine Plakette fällt nicht gerade vom Himmel, dafür ist viel Vorarbeit nötig“, sagte der gastgebende Ortschef Sebald Liesenfeld in seinem Dank an die Kita-Leiterinnen und die französische Erzieherin Sylvie Stoquert, die gemeinsam das Konzept erstellt und bei der Expertenkommission eingereicht hatten. Gerade in einer Grenzregion sei es wichtig, die Sprache des Nachbarlandes zu sprechen, habe sich doch erst wieder im September bei der Feier anlässlich des 30. Jubiläums der deutsch-französischen Gemeindepartnerschaft zwischen Ludwigswinkel und Obersteinbach gezeigt, dass „längst nicht mehr alle Elsässer Deutsch können“. „Lerne die Sprache des Nachbarn“ heißt denn auch das Programm, das 1986 auf Initiative von Politikern aus dem Elsass, den Regionen südlicher und mittlerer Oberrhein sowie der Südpfalz entstand und das auf die Vermittlung der französischen Sprache und Kultur schon in Kitas und Grundschulen zielt. „Kleinkinder bringen die besten Voraussetzungen zum Erwerb einer Fremdsprache mit“, weiß Stoquert. Die ausgebildete französische Erzieherin setzt das Programm im Sauertal altersgerecht um. Mit der grenzüberschreitenden Spracharbeit hatte im Jahr 2000 die Fischbacher Kita „Sankt Hildegard“ begonnen, die Kita „Sankt Michael“ in Schönau und die kommunale Kita Ludwigswinkel schlossen sich an, erinnerte die Fischbacher Kita-Leiterin Yvonne Schreiber. „Die Spracharbeit besteht aus Themenbereichen wie Farben, Zahlen, Tiere, Obst, Wetter, Jahreszeiten oder französische Feste“, erklärt Stoquert. Durch gemeinsame Aktivitäten seien auch die Eltern in die Spracharbeit eingebunden. Darüber hinaus bestehen Partnerschaften zwischen deutschen und französischen Kitas und Grundschulen: Seit Jahren treffen sich Kinder aus Ludwigswinkel und Cleebourg sowie Fischbach und Lembach. Stoquert ist überzeugt: „In einem immer enger zusammenwachsenden Europa ist es bedeutsam, den Grundstein für Zusammengehörigkeits- und Gemeinschaftsgefühl bereits in jungen Jahren zu legen. Wir fördern interkulturelle Kompetenz, Mehrsprachigkeit und multikulturelles Denken schon bei unseren kleinsten Kindern. Dadurch lernen sie früh unterschiedliche Kulturen und Sprachen kennen und sie zu akzeptieren.“ Dies sei gerade auch mit Blick auf die aktuelle Flüchtlingsthematik von Bedeutung. Für „Sankt Hildegard“ waren bei der Feierstunde Kita-Leiterin Yvonne Schreiber und die Erzieherin Christine Wingert anwesend, für die kommunale Kita Ludwigswinkel deren Leiterin Gertrud Pott. „Sankt Michael“ vertrat Erzieherin Regina Mischler stellvertretend für Kita-Leiterin Nicole Breith. (brl)