Sportler in der Zwangspause
Zwei Pfälzer Radprofis bleiben gelassen
Sein Debüt als Profi im World-Tour-Team Sunweb ist geglückt. Vier Tage saß Martin Salmon bei der Tour de la Provence im Sattel – mehr war wegen den Einschränkungen gegen die Verbreitung des Coronavirus nicht möglich. Dennoch ist das persönliche Fazit des 22 Jahre alten Dudenhofeners positiv. „Ich bin zufrieden, ich konnte mich gut präsentieren und meine Dienste als Helfer auch bestens erfüllen“, sagt Salmon. Denn erst Wochen zuvor hat er seinen „ersten großen Schritt“ in Richtung Profiradsport gemacht, als er einen Zwei-Jahres-Vertrag bei dem niederländischen Team unterschrieb. Es war der Aufstieg vom Continental- zum World-Tour-Team: „Ein kleiner Traum ist in Erfüllung gegangen“.
Radsport „ganz weit hinten“
Salmon ist voller Tatendrang, aber die Corona-Pandemie hat ihn vorerst ausgebremst. Er nimmt es gelassen. „Der Radsport steht jetzt erst mal ganz weit hinten. Wir haben andere Sorgen“, befindet Salmon. „Das Wichtigste ist, dass möglichst viele Menschen gesund bleiben. Das gilt auch für die vielen kleinen und größeren Unternehmen, die um das Überleben kämpfen. Sie haben deutlich größere Sorgen als ich“, betont Salmon bescheiden.
Derzeit hält er sich weiterhin im niederländischen Sittard auf, wo er ein Appartement des Teams bewohnt. Über die Rückkehr in die Pfalz hatte er nachgedacht, aber er entschied sich für das Teamquartier, denn: „Ich kann hier mit einigen Teamkollegen zusammen trainieren, und wir können hier noch einen Kraftraum nutzen, das ist bei mir zu Hause nicht möglich“. Dabei weiß der Blondschopf, dass er in Holland ebenfalls Einschränkungen beachten muss. „Wir dürfen auf keinen Fall mit mehr als drei Personen zum Training unterwegs sein. Besser ist sogar, wird sind nur zu zweit“, betont Salmon: „Auch hier ist das öffentliche Leben zum Erliegen gekommen und es sind nur wenige Menschen auf der Straße“. Es hat sich eben vieles inzwischen geändert.
Training reduziert
„Momentan bleibt uns einfach nur das Training“, sagt Salmon. Und dieses wurde auch etwas heruntergefahren: Statt 25 sind es derzeit 18 Stunden in der Woche. „Im April steht dann wieder ein Aufbau an“, gibt Salmon einen Einblick in seine Trainingsplanung. „Unser Ziel ist es, sich einfach fit zu halten, denn wir wissen ja nicht, wann es wieder los geht. Und wenn es los geht, dann wollen wir uns gleich wieder zeigen“, sagt Salmon.
Niklas Märkl trainiert zuhause
Das gleiche Ziel hat auch Niklas Märkl. Der Queidersbacher, der in diesem Jahr seinen Saisoneinstand bei der Umag Trophy in Kroatien feierte, überraschte dort nur einen Tag nach seinem 21. Geburtstag mit Platz drei. Zudem gelang ihm kurz danach noch Rang zehn bei der Porec Trophy. Dann kam auch für den Westpfälzer, der im vergangenen Jahr zwei Siege feierte, die Zwangspause. Äußerst ungelegen, denn er war in guter Form auf dem Weg zu seinem eigentlichen Höhepunkt in diesem Jahr, der Flandern-Rundfahrt der U23.
Seit dem 10. März ist er wieder zu Hause und versucht, sich mit täglichen Einheiten gemeinsam mit seinem Bruder Lukas fit zu halten. Märkl, der noch für die Saison 2020 einen Vertrag im Continental-Team von Sunweb hat, will sich für einen „Aufstieg“ in ein Word-Tour-Team empfehlen. „Das ist klar mein Ziel“, sagt er. Derzeit ist für ihn noch vieles ungewiss: „Wir wissen ja nicht, wann es überhaupt weitergeht. Im Mai, im Juni oder vielleicht gar nicht mehr?“
Skeptischer Blick nach vorn
Der einstige Schüler am Heinrich-Heine-Gymnasium in Kaiserslautern wirkt derzeit nicht so optimistisch. „Die Fußball-EM ist verschoben, die Olympischen Spiele finden erst 2021 statt – das sind für mich Signale, dass in diesem Jahr im Sport nicht mehr viel passieren wird“, ist Märkl nachdenklich und hofft, dass diese Situation doch nicht eintreten wird und zumindest noch einige Rennen stattfinden werden. „Vieles ist ungewiss, es ist auch schwierig, dies zu beurteilen. Wir müssen einfach das Beste daraus machen und dürfen nicht krank werden“, weiß er.
Auch er hat seine Trainingsumfänge heruntergefahren, fährt keine harte Intensitäten und Intervalle. „Nur einige Sprints sind schon vorgesehen“, erzählt Niklas Märkl. Er denkt an seine Kollegen in Italien und Frankreich, die einer totalen Ausgangssperre unterliegen und nicht auf der Straße trainieren können. „Da sind wir noch gut davongekommen. Aber das Wichtigste ist, dass wir alle gesund bleiben und hoffentlich bald wieder zur Normalität zurückkehren können“, sind sich die beiden pfälzischen Talente einig.