Sport WM-Tagebuch (6): Bunte Welt mit Kinderspielplatz

Hier lässt es sich leben: Der Strand gehört zur Hotelanlage des Radisson Blu in Sotschi, wo die deutsche Fußball-Nationalmannsch
Hier lässt es sich leben: Der Strand gehört zur Hotelanlage des Radisson Blu in Sotschi, wo die deutsche Fußball-Nationalmannschaft seit Dienstag residiert.

Tapetenwechsel. Von der Raufaser zur knallbunten Wand-Deko. Es ist eine komplett andere Welt hier an der Schwarzmeerküste in Sotschi: mediterranes Flair rund 1360 Kilometer südlich der Millionen-Metropole Moskau. Sotschi ist ein beliebter Urlaubsort für wohlhabende Russen. So viele Ausländer wie jetzt während der WM kommen sonst bei Weitem nicht hierher. Das merkt man auch bei der Kommunikation: Englisch wird von der hier lebenden und arbeitenden Russen längst nicht so oft gesprochen wie in Moskau. Von der Strandpromenade aus mit ihren vielen Hotels, Restaurants und Cafés sieht man die nahe gelegenen Berge, einige Gipfel sind auch jetzt bei unten an der Küste knapp 30 Grad zum Sommeranfang noch schneebedeckt. Die Olympischen Winterspiele, die 2014 in und um Sotschi zum offiziell 39 Milliarden Euro teuren Prestigeobjekt des russischen Präsidenten Putin wurden, lassen grüßen. Obwohl das seltsam anmutet bei Badehosen- und Bikini-Atmosphäre im Juni. Schon kurz nach unserer Landung nach ziemlich genau zwei Stunden reiner Flugzeit von Moskau-Wnukowo aus haben wir am Flughafen-Ausgang ein riesiges Relief der olympischen Ringe gesehen. Ich bin mit einer größeren Gruppe deutscher Journalisten, auch ZDF-Sportstudio-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein war an Bord der Boeing 737-800 der russischen Fluglinie Utair, nach Sotschi gereist. Bei der 20-minütigen Busfahrt vom Flughafen zum Hotel Bridge Resort sind wir auch am Fischt-Stadion vorbeigekommen, wo 2014 die Winterspiele so pompös eröffnet und beendet wurden. Die Arena ist jetzt eine der zwölf WM-Spielstätten. Sie sieht am Samstag um 20 Uhr die für die deutsche Mannschaft extrem wichtige Partie gegen Schweden. Das deutsche Team residiert auch an der Strandpromenade – im Radisson Blu. Von unserem Hotel aus sind Radisson Blu und Arena auch gut zu Fuß erreichbar – oder mit dem Fahrrad. Wir haben uns gestern Morgen Räder geliehen, nachdem wir mit dem „Ski-Elevator“, dem Ski-Aufzug im Hotel, in den Skikeller gefahren sind, der im Sommer eher ein Fahrradkeller ist. Das gepflegte Vier-Sterne-Haus erinnert sehr an die vielen, vielen Hotels seiner Art in den klassischen deutschen Urlaubsländern am Mittelmeer. Das Bridge-Resort am Rande des Kaukasus-Gebirges könnte in ähnlicher Form auch an der Costa del Sol in Spanien stehen, das Berge-und-Meer-Ambiente erinnert mich an die Gegend um Málaga in Südspanien. Auch die vielen bunten Handtücher, die Urlauber zum Trocknen um ihre Balkongeländer geschlungen haben, sind einem aus Ferienresorts geläufig. Auf dem Spielplatz vor meinem Balkon ist schon morgens um sieben ein bisschen was los. Den Bewegungsdrang der Kinder kenne ich gut. Mein dreieinhalb Jahre alter Sohn und seine gerade halb so alte Schwester würden sich sehr über die gute Ausstattung des Spielplatzes mit gleich mehreren Rutschbahnen, Schaukeln, Wippen und Spielhäuschen freuen. Das passt zur Atmosphäre in Sotschi: Disneyland am Schwarzen Meer. Gefeiert wurde in den Freiluft-Restaurants an der Promenade am Dienstagabend besonders fröhlich: Der Sieg von WM-Gastgeber Russland über Ägypten ließ auch hier ähnlich tolle WM-Stimmung aufkommen, wie wir sie aus Moskau kennen.

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