Sport WM-Tagebuch 4: Fußball im Akkord
Das beliebte russische Getränk Kwas (aus Brot hergestellt), Pelmeni oder Manti (jeweils gefüllte Teigtaschen) und Okroschka (kalte Suppe aus Sauerrahm) habe ich bis jetzt noch nicht probiert. Diese Spezialitäten hatte mir Tatiana Daryabina, meine Sitznachbarin auf dem Flug von Frankfurt nach Moskau, empfohlen. Dafür gab es am Samstagabend bayerische Küche mit Schweinsbraten, Semmelknödel und dergleichen. Hat sich angeboten. Ich habe mich mit Thomas Reuter (45) und seinem Sohn Christoph (19) aus Wachenheim an der Weinstraße im Paulaner-Brauhaus am Paveletskaya-Bahnhof mitten in Moskau getroffen. Ich kam vom Arbeiten im topmodernen riesigen Medienzentrum des Luschniki-Stadions, wo Bundestrainer Joachim Löw und Julian Draxler am Samstag Rede und Antwort standen. Die Reuters kamen vom Spiel Argentinien gegen Island im Spartak-Stadion. Sie waren begeistert von der Atmosphäre. Die Stimmung bei den argentinischen und isländischen Anhängern und der herzlich-freundschaftliche Umgang der Fangruppen untereinander soll erneut grandios gewesen sein.
Familienurlaub abseits des Fußballs gibt es auch
Die Reuters, die ich schon seit vielen Jahren von Trainings- und Spielbesuchen beim 1. FC Kaiserslautern kenne, bilden in Russland eine Weinstraßen-Mini-Reisegruppe mit Claus Günther aus Bad Dürkheim. Der 55-Jährige war an diesem mit noch über 20 Grad angenehm warmen Samstagabend aber woanders in Moskau unterwegs. Dafür haben die Reuters mit einigen mit ihnen befreundeten Fans von Dynamo Dresden den sehr sonnigen Tag und den Abend verbracht. „Die Leute hier waren bis jetzt alle sehr freundlich, und alles ist sehr sauber“, benennt Thomas Reuter das, was ihm in seinen ersten beiden Tagen in Moskau am meisten aufgefallen ist. In der Tat: Gefegt wird hier in diesen Tagen wirklich im Minutentakt. Eine hohe Frequenz legen die Reuters bei ihren Besuchen von WM-Spielen hin. Samstag Argentinien - Island, gestern Deutschland - Mexiko, heute Schweden - Südkorea in Nischni Nowgorod (mit dem kostenlosen Fanzug hin, per Flugzeug zurück), morgen Polen - Senegal, Mittwoch Portugal - Marokko (jeweils in Moskau). Donnerstag zurück nach Frankfurt, dann zunächst „nur noch“ Fußball auf der Fernsehcouch. Vater und Sohn Reuter sind sehr oft in Sachen FCK oder Nationalmannschaft unterwegs. „Weil’s superviel Spaß macht und weil wir fußballverrückt sind“, sagt Christoph Reuter. Christophs jüngerer Bruder Maximilian (14) und seine Mutter, Thomas’ Frau Carmen (46), sind ab und zu, aber keineswegs jedes Mal mit dabei. Sie wollen es so, „es passt alles“, sagt Thomas Reuter. Familienurlaub abseits des Fußballs gibt es auch, in diesem Jahr geht’s auch noch für alle gemeinsam nach Griechenland.
So richtig Fan "bin ich nur von meiner Frau"
Bei der EM 2016 in Frankreich waren Carmen und Maximilian beim Achtelfinale dabei. Sie fliegen auch in diesem Jahr ein, wenn Deutschland am 15. Juli im Finale von Luschniki stehen sollte. Thomas Reuter, ein Organisationstalent, hat Flüge mit Storno-Option gebucht und besitzt für seine Frau und seinen jüngeren Sohn Optionen auf Tickets des Fanclubs Nationalmannschaft. Er und Christoph fliegen am 10. Juli auf jeden Fall wieder nach Russland, diesmal nach Sankt Petersburg zum ersten Halbfinale und einen Tag später von dort nach Moskau zum zweiten Halbfinale – und dann geht’s zum Endspiel. Unabhängig davon, welche Teams sich dort treffen. Er hat mit etwa 25 Bekannten die vielen Karten über die Fifa-Internetseite bestellt, bekommen und hin- und hergetauscht. Natürlich fände es Thomas Reuter schön, wenn Deutschland wieder im Finale stünde. So richtig Fan allerdings, sagt der 45-Jährige sehr charmant, „bin ich nur von meiner Frau“.