Sport-Kolumne
Wir brauchen im Handball keine Mentalitätsdebatte
Mit den deutschen Spielern, die bei der Handball-Europameisterschaft nicht dabei sind, könnte man eine formidable erste Sieben bilden. Im Tor Johannes Bitter, im Rückraum Fabian Wiede, Juri Knorr und Paul Drux, auf Außen Uwe Gensheimer und Patrick Groetzki, am Kreis Hendrik Pekeler. Diese Truppe würde ganz sicher nicht schlecht aussehen gegen die aktuelle deutsche Mannschaft ...
Gleichwie: Die Absagen, aus welchen Gründen auch immer, tun der deutschen Auswahl weh. Dennoch brauchen wir wegen dieser verdienten Spieler keine Mentalitätsdebatte. Patrick Groetzki wäre hinter Timo Kastening sowieso kaum zum Zug gekommen, so sagte er, erneut Vater geworden, ab. Juri Knorrs Impfverzicht ist ein schwieriges Thema. Paul Drux war wieder verletzt, genauso wie sein Kumpel Fabian Wiede. Wiedes Absage schmerzt am meisten. Der Spielmacher im rechten Rückraum hätte der Mannschaft gut getan. Und Hendrik Pekeler spielt seit Jahren 60, 70 Partien im Jahr, er ist ein Vorzeigeprofi. „Es kann eigentlich nicht sein, dass bei einigen Leuten familiäre Gründe den Ausschlag dafür geben, dass sie nicht dabei sind. Solche Einstellungen gefallen mir nicht“, meinte Ex-Bundestrainer Heiner Brand. Das ist mir zu einfach. Pauschalurteile verbieten sich! Jeder Fall ist einzeln zu betrachten.
Die EM steht unter schwierigen Vorzeichen
Axel Kromer, der Vorstand Sport, sagte am Dienstag, er komme sich schon vor wie der Karl Lauterbach des Deutschen Handballbundes. Er wollte damit sagen, dass er sich intensiv mit Corona-Verordnungen auseinandersetzen muss. Er macht einen guten Job, denn bisher gab es noch keinen positiven Fall während all der Turniere bei der deutschen Mannschaft in der Pandemie. Das gilt für die Frauen und die Männer. In den Ferien bekamen die Spieler die Order, möglichst an Silvester auf Partys im großen Rahmen zu verzichten. Das hat auch geklappt. Andere Nationalteams haben Sorgen. Dort gab es Corona-Fälle. Deshalb steht die Europameisterschaft nächste Woche in der Slowakei und Ungarn auch unter schwierigen Vorzeichen.
„Europameister wird, wer die wenigsten Corona-Fälle hat“, meinte Füchse-Macher Bob Hanning. Was für eine ernüchternde Aussage. Haben wir uns schon an Corona gewöhnt? Vor der WM in Ägypten wurde noch über Sinn und Unsinn der Veranstaltung gesprochen, das ist nun nicht der Fall. Die USA und Tschechien gaben im vergangenen Jahr vorher ihren Rückzug bekannt, Cap Verde reiste ab. Die EM in Frage zu stellen, war kein Thema. Obwohl die Lage vermutlich noch viel ernster ist als im vergangenen Januar. Aber es droht ein Regelwirrwarr.
Christian Streich verdient Ruhm und Ehre
Anderes Thema. Am Ende des Jahres kam Christian Streich noch einmal groß heraus. Der Trainer des Fußball-Bundesligisten SC Freiburg wurde von den Medien für seine zehnjährige Tätigkeit als Coach des SC gewürdigt. Er hatte es verdient. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht: Aber ich könnte dem Kauz aus dem Breisgau stundenlang zuhören. Er ist so anders. Seine Statements heben sich wohltuend ab von dem, was wir zuweilen sonst so vorgesetzt bekommen.
Streich tut gut, er ist originell, gerne mal leicht ironisch, und er ist kompetent, wie die Platzierung seiner Mannschaft verrät. Zuletzt empfahl er einem Reporter, sich mal zu belohnen. Streich selbst tut das auch, indem er in ein Buchgeschäft geht und fünf, sechs Bücher kauft. Das passt zu ihm. Es wäre spannend, ihn mal andernorts zu sehen!