Handball
Wie die Löwen ihre Krise überwanden
Es war keine Rückkehr zur Normalität, aber es war möglicherweise ein kleiner Schritt auf dem Weg dorthin. 250 Zuschauer waren in der Arena zugelassen, mehr als 450 Tage nach dem bislang letzten Heimspiel der Löwen. „Es ist für uns ein ganz besonderer Tag, auch wenn es in Anführungszeichen nur 250 Fans sind“, sagte Geschäftsführerin Jennifer Kettemann. Die zweieinhalb Hundertschaften mit gelben T-Shirts oder Löwen-Trikots waren redlich bemüht, eine Atmosphäre zu schaffen, die der eigenen Mannschaft einen Schub vermittelt.
„Für alle richtig wichtig“
Die Akteure genossen die Anwesenheit eines Teils der eigenen Anhängerschaft, aber sie zogen sich aus eigener Kraft aus dem Niederlagensumpf der zurückliegenden Wochen. Möglicherweise waren die 60 Minuten gegen die MT Melsungen für das Team ebenfalls ein kleiner Schritt hin zu einer Normalität, die den eigenen Ansprüchen gerecht wird. Nach fünf Ligapartien ohne Sieg gewannen die Löwen gegen die Nordhessen 31:22 (15:10).
„Für uns alle ist das richtig wichtig“, sagte Klaus Gärtner nach der beeindruckenden Vorstellung seiner Mannschaft. Der 45-Jährige feierte seinen ersten Ligaerfolg als hauptverantwortlicher Trainer, konnte persönlich durchatmen, stellte aber das Team in den Vordergrund. „Es ist gut, dass die Jungs gesehen haben, dass sich die gute Trainingsarbeit lohnt“, erklärte der Coach, der bis zum Einstieg von Sebastian Hinze im nächsten Sommer die Verantwortung tragen soll.
Abwehrstärke ist zurück
Der Erfolg gegen die Melsunger ist deshalb wertvoll, weil er auf einer verloren geglaubten Stärke beruhte. Bei der schmerzhaften 30:32-Niederlage beim Abstiegskandidaten Balingen hatten die Badener in einer Halbzeit 20 Gegentreffer kassiert – in der ersten Halbzeit gegen die Melsunger kassierten die Löwen nur deren zehn.
Das hatte mit der starken Leistung von Torwart-Youngster David Späth zu tun, der sieben seiner insgesamt 13 Paraden vor dem Wechsel beisteuerte. Mehrheitlich lag die Defensivstärke jedoch an der aktiven Verteidigungsarbeit der Feldspieler. Die Löwendeckung hatte zuletzt nur wenig Schrecken verbreitet, doch gegen die Melsunger mit ihrem hochdekorierten Rückraum machten die Löwen um den unermüdlichen Arbeiter Ymir Gislason im Innenblock mächtig Eindruck. Die Rückraumasse Julius Kühn und Kai Häfner wirkten zunächst irritiert, später genervt.
Interaktion mit Fans wichtig
In der ersten Halbzeit erarbeiteten sich die Löwen eine beruhigende 15:10-Führung und sorgten mit einem 4:0-Lauf innerhalb von dreieinhalb Minuten nach Wiederbeginn für die Entscheidung. Zwischenzeitlich zogen die Badener bis auf 29:18 (53.) davon und sorgten für beste Stimmung bei den 250 Fans. „Sie sind für uns enorm wichtig, die Mannschaft braucht die Interaktion mit den Fans“, sagte Gärtner: „Die Zuschauer haben uns getragen.“ Im Saisonendspurt können die Löwen bereits am Mittwoch (19 Uhr) zeigen, dass die Leistung keine Eintagsfliege war.
Rhein-Neckar-Löwen: Späth, Grupe (ab 52.), Palicka - Lagergren (4), Schmid (7), Nilsson (2) - Veigel, Gensheimer (10/3) - Kohlbacher (3) - Abutovic, Gislason (1), Lagarde (1), Kirkelökke (1), Patrail (1), Ahouansou (1), Nielsen
MT Melsungen: Simic, Heinevetter – Häfner (5), Pavlovic (3), Kühn (2) – Kastening (5), Kunkel (3) – Danner – Maric, Lemke (1), Reichmann (3), Mikkelsen, Arnarsson, Allendorf, Pregler, Salger
Spielfilm: 4:4 (9.), 8:4 (15.), 12:6 (22.), 15:10 (Hz.), 20:11 (35.), 25:16 (46.), 29:18 (53.), 31:22 (Ende) - Siebenmeter: 3/3 - 2/0 - Zeitstrafen: 2/2 - Beste Spieler: Späth, Gensheimer, Gislason - Häfner - Schiedsrichter: Baumgart/Wild (Neuried/Offenburg).