Eishockey
Wie die Adler Mannheim ihren Auftaktsieg einordnen
„Niemals abheben, niemals durchhängen.“ Adler-Trainer Bill Stewart gab die alte Play-off-Weisheit nach dem Auftaktsieg seiner Mannheimer wohl beiden Teams mit auf den kurzen Weg zum zweiten Viertelfinalspiel (Dienstag, 19.30 Uhr, SAP-Arena). Er wusste aber: In seiner Mannschaft wird niemand nach dem 3:2-Erfolg bei den Straubing Tigers die Bodenhaftung verlieren, dafür geht der vermeintliche Titelmitfavorit im Kampf um die deutsche Eishockey-Meisterschaft als „nur“ Tabellenfünfter mit zu viel Demut in die Viertelfinalserie.
Stille Genugtuung bei Brückmann
Einer der für reflektierte Einschätzungen bekannt ist, bewertete seinen großen Auftritt entsprechend gefasst und allenfalls mit stiller Genugtuung. Vor einem Jahr war Nationaltorwart Felix Brückmann in den für die Adler „doppelt“ kurzen Play-offs – damals lediglich Best-of-three-Serien und überdies frühes Aus im Halbfinale – nur Zuschauer hinter der Bande. Ebenso wie gerade im Februar im Nationalmannschaftsdress bei den Olympischen Spielen in Peking. Kein einziger Einsatz, trotz davor untadeliger Leistungen. Das harte Los eines Torwarts, es kann halt nur einer spielen.
Nun aber erkor Bill Stewart den 31-Jährigen anstelle von Dennis Endras zum Auftaktgoalie in den Play-offs. Wenn nichts Außergewöhnliches passiert, ist in der entscheidenden Saisonphase das in der Punktrunde übliche Wechselspiel der Torhüter passé. Zumal Brückmann in Straubing wieder einmal vorzüglich auftrat.
Die Einstellung stimmt
„Das hat Spaß gemacht, ich habe lange für diesen Moment gearbeitet“, sagte er und fügte mit typischen Understatement hinzu: „Ich bin froh, dass ich eine ordentliche Leistung abrufen konnte.“ Dem zu erwartenden ersten Ansturm der Straubinger „vor toller Play-off-Kulisse“, wie Brückmann fand, nahmen auch seine Paraden viel Schwung. Und anders als noch vor zwei Wochen konnte Brückmann auf die richtige Einstellung seiner Vorderleute setzen. Doppeltorschütze Jordan Szwarz stellte klar: „Wir haben uns auf einen guten Start in diesem schwierigen Stadion konzentriert. Das 1:1 nach dem Drittel war eine sehr gute Basis.“ Das Videostudium am Montag zeigte aber nicht nur Felix Brückmann: „Es gibt immer Sachen zu verbessern.“ Bill Stewart wird diese unaufgeregte Analyse gefreut haben. Damit er nicht allzu oft alte Play-off-Weisheiten bemühen muss.