Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Was Leon Goretzka Michael Ballack voraushat

Ball- und Antreiber: Leon Goretzka im Spiel gegen Rumänien.
Ball- und Antreiber: Leon Goretzka im Spiel gegen Rumänien.

Als die Bundesliga pausieren musste, wurde aus Leon Goretzka ein Topspieler. Davon profitiert jetzt verstärkt auch die Nationalmannschaft.

Für viele Menschen, im Grunde für ganz Deutschland, stellte die Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 eine Zäsur dar. Für Leon Goretzka war es gleichzeitig der Start für den Sprung in die Weltklasse. Als das Leben und damit sogar der Profi-Fußball für einige Wochen zum Erliegen kamen, wurde aus dem talentierten Mittelfeldspieler des FC Bayern ein Motor für die bald darauf errungenen großen Erfolge der Münchner. Inzwischen ist Goretzka unumstrittene Stammkraft nicht nur bei den Münchnern, sondern auch in der deutschen Nationalmannschaft.

Dominanz schüchtert Gegner ein

In Hamburg wirkte Goretzka während des 2:1-Sieges gegen Rumänien noch ein Stück größer, noch ein wenig muskulöser, als es der 1,89 Meter große Modellathlet ohnehin schon ist. Der 26-Jährige strahlte eine Dominanz aus, der sich die Gegenspieler nicht entziehen konnten. Überall dort, wo sich Goretzka auf dem Feld herumtrieb, gab es für die Rumänen keine Chance, sich durchzusetzen – und Goretzka war an vielen Stellen des Rasenrechtecks im Volksparkstadion. Es gibt Spieler, die nicht fehlerfrei spielen müssen, denen mal ein Ball unerwartet weit vom Fuß springen kann, und die trotzdem das Gefühl vermitteln, dass nur das Team am Ende gewinnt, dessen Trikot sie tragen. Stefan Effenberg versprühte in seiner guten Zeit so eine Aura über den Platz, Michael Ballack ebenso – in der Gegenwart übernimmt Goretzka diese Rolle.

Goretzka und Ballack wirken wie Zwillinge

Der Ballack aus den 2000er-Jahren und der Goretzka der Gegenwart ähneln sich derart verblüffend in ihrer Statur und ihrer Spielweise, dass kaum Unterschiede erkennbar wären, wenn man die Gesichter verdecken würde. Technisch versiert, vor allem aber glänzend durch Laufstärke, Durchsetzungskraft, taktisches Verständnis und Torgefahr. Ballack hatte in seiner guten Zeit in der Nationalelf Torsten Frings neben sich, Goretzkas kongenialer Partner im Verein wie der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) heißt Joshua Kimmich. Gemeinsam stehen Letztere für die jüngsten Triumphe der Bayern mit dem Sieg in der Champions League 2020, außerdem sollen beide für die zukünftigen Erfolge der deutschen Mannschaft stehen.

Durch einen Titel mit der Nationalmannschaft würde sich Goretzka weiter von seinem „Zwilling“ Ballack abheben, denn dem blieb eine große Meisterschaft mit der DFB-Auswahl verwehrt. Ebenso übrigens wie ein Sieg in der Champions League.

Mit den Muskeln wuchs das Selbstvertrauen

Den entscheidenden Schritt hin zu einem dominanten Mittelfeldspieler auf internationalem Topniveau unternahm Goretzka in der coronabedingten Zwangspause. Er nutzte die unfreiwillige freie Zeit, um seinem Körper ein Aufbauprogramm der besonderen Art zukommen zu lassen. Der Fettgehalt wurde weiter verringert, die Muskulatur im Gegenzug gestärkt. Mit den Muskeln wuchsen das Selbstvertrauen und das Selbstverständnis des Mittelfeldspielers, dem es bis dahin nicht gelungen war, sich beim FC Bayern unersetzlich zu machen. Das hat sich geändert – und auf die Nationalmannschaft übertragen.

Flick lobt Goretzka

Seinen Stellenwert unterstrich Bundestrainer Hansi Flick nach dem 2:1-Sieg gegen die Rumänen. Flick sollte sich zum Siegtorschützen Thomas Müller äußern, als er die Agenda kurzerhand änderte. „Wissen Sie, Leon war der Initiator des Ausgleichstreffers. Und auch beim Siegtor war er beteiligt“, sagte Flick über Goretzka. „Diese Überzeugung, der Wille, dieses Spiel noch umzubiegen, da war Leon heute ein großes Vorbild für uns“, erklärte der Mann, unter dem Goretzka entscheidend am Gewinn der Champions League für die Bayern beteiligt war.

Montagabend (20.45 Uhr) soll Goretzka in Skopje mithelfen, einen Sieg gegen Nordmazedonien und damit die vorzeitige Qualifikation für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Katar zu schaffen. Den Willen, die Aufgabe zu erledigen, dürfte man Leon Goretzka von der ersten Minute an ansehen. Der 26-Jährige ist in den zurückliegenden Monaten zu einem Anführer geworden.

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