Eishockey
Was die Adler Mannheim von ihrem neuen Trainer Bill Stewart erwarten
Die Aussagen einiger Spieler nach der merkwürdigen 0:4-Pleite am Sonntag in Bremerhaven („Sind nicht auf einer Wellenlänge“, „Das zieht sich durch die ganze Saison“, „Nicht alle sind bereit für dieses Spiel“) offenbarten einen gravierenden Verlust an Führung in einer Mannschaft, die offensichtlich kein Team mehr ist. Pavel Gross selbst wirkte in den vergangenen Wochen der Talfahrt runter auf Tabellenrang fünf häufig resigniert, für seine Verhältnisse ungewohnt kleinlaut. Die Trennung von ihm und seinem Assistenten Mike Pellegrims war nur eine Frage der Zeit.
„Trend in die falsche Richtung“
„Wir sind in einer Phase der Saison, in der die Play-offs unmittelbar bevorstehen und die Mannschaft auf dem Weg sein sollte, ihr bestes Eishockey zu spielen. Bedauerlicherweise ging der Trend in die falsche Richtung. Daher sind wir zum Entschluss gekommen, dass das Team im Schlussspurt und in der Endrunde einen neuen Impuls, einen frischen Wind benötigt“, erklärte Klubchef Daniel Hopp am Montagmittag. Er höchstselbst hatte zum Jahreswechsel einen persönlichen Zwist mit Gross noch für beendet erklärt. Dabei ging es um die von Gross kritisierten Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie – jene der Politik, aber auch die des Klubs. Das Verhältnis zwischen Hopp als Chef der Geschäftsführung und dem Trainer galt spätestens seitdem nicht mehr nur als gestört, sondern gar als zerrüttet.
Trainer der Zukunft noch gesucht
Als wahrscheinlich galt also, dass Gross kommende Saison nicht mehr in Mannheim hinter der Bande stehen werde. Dem widersprach Sportmanager Jan-Axel Alavaara nun gegenüber der RHEINPFALZ: „Nein, noch die letzten Tage haben wir zusammen über neue Spieler gesprochen.“ Also muss ein neuer Chefcoach für die Zukunft gefunden werden. Bundestrainer Toni Söderholm, der als Kandidat galt, soll sich inzwischen mit dem Deutschen Eishockey-Bund über eine Vertragsverlängerung einig sein.
Stewart als Stimmungsaufheller
Bill Stewart (64), der die Adler 2001 zu ihrer vierten deutschen Meisterschaft in der DEL geführt hatte und ihnen als Scout zuletzt verbunden blieb, war bereits Ende 2017 als Nachfolger Sean Simpsons eingesprungen. Damals führte er das Team noch von Rang elf auf fünf, in den Play-offs war dann im Halbfinale Schluss. Der einst impulsive, längst deutlich besonnenere Kanadier wird am Dienstag sein erstes Training leiten. Seine Co-Trainer sind die Ex-NHL-Profis Marcel Goc und Jochen Hecht. „Alle drei kennen jeden Spieler in der Mannschaft und haben jedes Spiel gesehen“, betont Alavaara: „Bill ist ein positiver Mensch. Er wird neue Stimmung in der Kabine entfachen, die wir für die Play-offs brauchen. In die müssen wir mit Freude gehen.“
