Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Warum der SC Freiburg kein Mauerblümchen mehr ist

Zurück im Breisgau: Matthias Ginter (rechts, hier im Duell mit Serhou Guirassy von Stade Rennes).
Zurück im Breisgau: Matthias Ginter (rechts, hier im Duell mit Serhou Guirassy von Stade Rennes).

Die Abwehr steht. Diese Feststellung gilt beim Sportclub Freiburg vor dieser Spielzeit im konkreten wie im übertragenen Sinne.

Die Vereinsführung um Sportvorstand Jochen Saier weiß natürlich auch von vielen Neckereien im Kollegenkreis, dass der Verein bei der Konkurrenz längst nicht mehr als kleines Mauerblümchen aus der Peripherie des Landes gilt, das sich nur mühsam gegen all die Großkopferten behaupten kann. Dafür sind die Transfers, die er tätigt, längst auch zu kostspielig. Zudem war der SC in der jüngeren Vergangenheit viel zu erfolgreich. In der abgelaufenen Saison verfehlte die Elf von Dauer-Trainer Christian Streich nur knapp die Qualifikation zur Champions League, im DFB-Pokalfinale musste man sich erst im Elfmeterschießen RB Leipzig geschlagen geben. Auch im ganz wörtlichen Sinne muss man sich um die Defensive der Breisgauer keine Sorgen machen. Schon in der vergangenen Spielzeit war die Verteidigung um die Außenverteidiger Jonathan Schmid und Christian Günter sowie die Zentrale um Philipp Lienhart, Manuel Gulde und Nico Schlotterbeck zusammen mit dem starken Keeper Mark Flekken eine Bank.

Ginter kommt für Schlotterbeck

Dass ein Spieler von der Güte Schlotterbecks nicht zu halten ist, gehört derweil zum Freiburger Geschäftsmodell. In diesem Sommer zahlte der BVB 20 Millionen Euro für den Neu-Nationalspieler an die Breisgauer – zuzüglich Boni. Umso erfreulicher aus Sicht der Fans, dass der einstige Publikumsliebling Matthias Ginter die Lücke schließen wird. „Gintes“, der in Gladbach nicht mehr glücklich war, spielt nun also wieder bei seinem Ausbildungsverein (2005-2014) und dürfte mit Flekken, Günter, Vincenzo Grifo und Nils Petersen auch außerhalb des Platzes zu den Führungsspielern gehören.

Der Stamm des Kaders bleibt erhalten

Der Kader für die kommende Spielzeit ist bereits komplett und dürfte – wenn nicht Unvorhergesehenes passiert – das Reservoir bilden, aus dem Streich die erste Elf für den Saisonstart in Augsburg zusammenstellt. Die Variationsmöglichkeiten sind im Vergleich zur vergangenen Saison, in der Sportclub die Kaderqualität bereits deutlich erhöht hatte, noch einmal gewachsen. Das zeigten die Testspiele mit Siegen gegen Rayo Vallecano, Rennes und St. Gallen. Der technisch starke Außenstürmer Ritsu Doan, der schon in Bielefeld Bundesliga-Stammspieler war, kam von der PSV Eindhoven, Mittelfeldmann Daniel Kofi-Kyereh, an dem viele Bundesligisten Interesse hatten, vom FC St. Pauli. Neben Ginter wurde mit Stürmer Michael Gregoritsch eine weitere Bundesliga-Stammkraft geholt. Der wuselige, spielstarke Österreicher ist ein völlig anderer Stürmertyp als der klassische Strafraumspieler Ermedin Demirovic, der im Tausch mit ihm nach Augsburg wechselte.

Von den Spielern, die in der vergangenen Saison eine nennenswerte Anzahl an Startelfnominierungen vorzuweisen hatten, hat neben Schlotterbeck und Demirovic nur Janik Haberer (Union Berlin) Abschied vom SC genommen. Auch wenn Streich das definitiv nicht gerne hören würde: Der Sportclub geht mit einem (noch) besseren Kader in die Saison als im Vorjahr. In dem wurden die Breisgauer am Ende Sechster.

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