Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Wann trainiert mal eine Frau einen Männer-Bundesligisten?

Machen im Eintracht-Nachwuchsbereich auf sich aufmerksam: Friederike Kromb (rechts) und Julia Simic. Wird eine von ihnen bald ei
Machen im Eintracht-Nachwuchsbereich auf sich aufmerksam: Friederike Kromb (rechts) und Julia Simic. Wird eine von ihnen bald ein Männer-Bundesligateam trainieren?

Fußball-Bundesligisten wie Eintracht Frankfurt wollen für Vielfalt stehen, aber haben keine einzige Frau in einer Führungsposition. Vorstand Axel Hellmann sieht Handlungsbedarf und kann sich auch eine Trainerin für die Männerprofis irgendwann vorstellen.

So viel Frauenpower hat sich auf dem Campus des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) noch nicht versammelt: Alle Plätze im Raum „Golden Goal“ waren beim ersten „Women in Football Summit“ mit 150 Teilnehmerinnen besetzt, die am Mittwoch bei der ganztägigen Veranstaltung Interesse an einer Arbeit im Berufsfeld Fußball vereinte. Die für Gleichstellung und Diversität zuständige DFB-Vizepräsidentin Celia Sasic rief ihnen gleich zur Begrüßung zu, dass der Fußball weiblicher werden müsse, denn: „Der Gedanke ist doch veraltet, dass Fußball und Frauen nicht zusammenpassen.“

Heutzutage sei Fußball auf allen Ebenen ein Zukunftsprojekt für Frauen, betonte die ehemalige Nationalspielerin. Die 36-Jährige gehört im DFB-Präsidium zu jenen fünf Frauen, die dem Vernehmen nach für einen Kulturwandel gesorgt haben. „Kompetenzen von Frauen sind wichtig, um international nicht abgehängt zu werden“, sagte Sasic. Die EM-Botschafterin erwähnte das Beispiel des kanadischen Nationaltrainers John Herdman, der zuerst die Frauen, dann bis 2023 die Männer seines Landes coachte. „Frauenfußball ist keine Karriere-Sackgasse mehr.“

Die Klubs haben Nachholbedarf

Beim DFB sind knapp 20 Prozent der Führungskräfte und ein Drittel der 650 Personalen umfassenden Belegschaft weiblich. Doch im Gegensatz dazu hat der deutsche Profifußball auf Vereinsebene noch nicht viel vorzuweisen: Nur vier der 36 Lizenzvereine vertrauen auf Frauen in der Geschäftsführung, gerade sechs Frauen arbeiten im Top-Management. Axel Hellmann räumte als Vorstandssprecher von Eintracht Frankfurt ein, dass es noch „ein weiter Weg“ zu wirklichen Veränderungen sei.

Diversität sei ja eigentlich ein Grundprinzip in der multikulturellen Mainmetropole („Jede Form von Vielfalt ist bei uns in der DNA verankert“), gleichwohl müsste man selbst viel besser werden. Mit Nicole Kumpis legte die Präsidentin von Eintracht Braunschweig aus dem Plenum den Finger in die offene Frankfurter Wunde: Die Eintracht habe ja auch keine Frau in Vorstand und Aufsichtsrat. Topfunktionär Hellmann nannte es selbstkritisch eine „Aufgabe und Herausforderung“. Vor allem für den Gesamtverein mit 58 Sportarten und mehr als 140.000 Mitgliedern: „Es beginnt mit einer ehrlichen Analyse: Wir haben erhebliche Defizite. Ich habe das Thema mehrfach adressiert. Das können wir nicht von oben verordnen. Das muss aus der Mitgliederschaft kommen.“

Letztlich sei die Einbindung für einen im Männer- wie Frauenfußball ambitionierten Klub wie die Eintracht wichtig, um Leistung zu erbringen. Hellmann: „Wir möchten die besten Köpfe und Leute – und das sind nicht nur Männer. Wer das nicht macht, kann nicht Topleistung bringen.“ Die Fusion vor vier Jahren mit dem 1. FFC Frankfurt sei auch deshalb erfolgt, damit aus dem Frauenfußball „sportliche Kompetenz diffundiert“.

Vorbild Ingolstadt

An dieser Stelle führte der Jurist aus, dass er sich sehr wohl vorstellen können, dass irgendwann auch eine Frau die Männerprofis trainiert. „Wir müssen lernen, die Kräfte zu bündeln. Es wird eine höhere Durchlässigkeit geben bis hin zur Besetzung von Cheftrainerinnen. Abgesehen vom FC Ingolstadt sieht es doch sehr spärlich aus.“

Wird die Eintracht irgendwann sogar der erste Männer-Bundesligist mit einer Frau als Chefcoach? Hellmann: „Wenn ich mir anschaue, wen wir in der Entwicklung von Talenten in der Jugend haben, kann ich mir das vorstellen.“ Gemeint war sicher Friederike Kromp, die als Nachwuchskoordinatorin und U20-Trainerin genau wie ihre Co-Trainerin Julia Simic hohe Wertschätzung im Eintracht-Kosmos genießt. Beide treten im Fernsehen regelmäßig als Expertin bei Männerspielen auf.

Insgesamt sieht es Hellmann als überholt an, Akquise aus einer reinen Männerwelt zu betreiben. Für den 53-Jährigen müsse nicht jeder die Historie der Eintracht seit 1959 kennen, um einen Job im Herzen von Europa anzutreten. Frauen hätten intern auf der Geschäftsstelle des hessischen Bundesligisten „ein Vorfahrtsschild“ bekommen. Seit Sommer setzt beispielsweise die ehemalige Unternehmensberaterin Christine Thoma federführend den Strategieprozess um. Die Personalchefin soll eine bessere Parität gewährleisten. Der Eintracht-Boss wollte sich indes gar nicht zu kräftig auf die breiten Schultern klopfen: „Wir sind noch nicht auf einem Vorzeigeweg. Wir haben nur das gemacht, was vor 15 Jahren schon in der Wirtschaft getan worden ist.“

RHEINPFALZ-Tipps

FC Augsburg - 1. FSV Mainz 05 3:2

1. FC Heidenheim - SC Freiburg 2:2

Werder Bremen - FC Bayern München 1:1

1. FC Union Berlin - TSG Hoffenheim 2:0

VfL Bochum - KSV Holstein Kiel 2:1

Eintr. Frankfurt - B. Mönchengladbach 3:3

Bayer Leverkusen - VfL Wolfsburg 4:2

VfB Stuttgart - Borussia Dortmund 1:2

FC St. Pauli - RB Leipzig 0:3

x