Handball
„Wahnsinnige Mentalität entwickelt“
Herr Machulla, in einer Woche Göppingen daheim, Elverum in Norwegen, dann nach Mannheim zu den Löwen. Im Fußball spricht man davon, dass Mannschaften am Limit sind. Wo ist Ihre Mannschaft?
Wir sind diesen eng getakteten Rhythmus mit der Champions League und dem Bundesliga-Alltag grundsätzlich gewohnt. Allerdings fehlen uns mit Magnus Rød, Franz Semper und Lasse Møller gleich drei Rückraumspieler verletzungsbedingt. Da ist dieses Programm eine enorme Belastung für die Mannschaft, die diese Ausfälle kompensieren muss. Ich hoffe, dass wir bis zur Pause verletzungsfrei durchkommen.
Wie mulmig ist es Ihnen, während der Pandemie nach Norwegen zu fahren?
Überhaupt nicht. Wir haben optimale Bedingungen. Wir reisen mit Charter-Flieger, im Hotel sind wir für uns und wir werden permanent in Abhängigkeit der Vorgaben vor Ort getestet. Das gibt uns ein sehr sicheres Gefühl, aber keine Garantie.
Sie haben kürzlich gesagt, in dieser Saison geht es nicht primär darum, wer Erster oder Zweiter wird, sondern dass die Saison zu Ende gespielt wird. Wie leben Sie diese Maxime im Alltag?
Ich möchte, dass sich meine Spieler darüber bewusst sind, welches Privileg sie haben. Dass wir jedes Spiel, das wir spielen genießen und dankbar dafür sind, dass wir in die Halle gehen und gemeinsam trainieren können. Durch den Lockdown im März haben wir gemerkt, dass das, was wir für selbstverständlich erachten, nicht selbstverständlich ist.
Im Gegensatz zu anderen Mannschaften gab es bei Ihrer Mannschaft kaum Ausreißer nach unten. Wie erklären sie sich diese Konstanz?
Die Mannschaft hat sich in den letzten Jahren extrem gefestigt und eine wahnsinnige Mentalität entwickelt. Wir konzentrieren uns auf unsere Arbeit, und versuchen uns täglich weiterzuentwickeln.
Neuzugang Franz Semper hat sich am Kreuzband verletzt. Er hatte sich gut eingefunden. Wie schwer trifft das die Mannschaft – und wie lösen Sie das?
Das ist natürlich eine katastrophale Diagnose für Franz persönlich, aber auch für uns als gesamte Mannschaft. In so einer schwierigen Situation muss man als Mannschaft noch mehr investieren, jeder Einzelne noch mehr einbringen, solche Verluste zu kompensieren. Sicherlich denken wir aber auch darüber nach, noch einmal nachzuverpflichten.
Wie macht sich Mads Mensah Larsen, Ihr Neuzugang von den Rhein-Neckar Löwen?
Ich finde er hat sich sehr, sehr gut ins Team integriert und war vom ersten Tag an ein Spieler, der viel Energie in die Mannschaft gebracht hat. Man hat das Gefühl, er spielt schon ewig in Flensburg.
Wie finden Sie die neuen Löwen? Es gab einige Änderungen.
Die Löwen haben sich im Vergleich zur letzten Saison viel breiter und qualitativ besser aufgestellt. Mit Mait Patrail haben sie einen sehr erfahrenen und für die Mannschaft wertvollen Spieler verpflichtet. Mit Albin Lagergren haben sie einen der spielerisch besten Rückraumrechten der Liga dazubekommen und Lukas Nilsson ist eine absolute Verstärkung im Rückraum. Plus das Grundgerüst der Rhein-Neckar Löwen der letzten Jahre sind sie definitiv ein Titelfavorit.
Zur Lage in der Liga: Rechnen Sie mit einem Dreikampf um den Titel bis zum Ende?
Das kann man jetzt noch nicht vorhersehen. Es gibt so viele gute Mannschaften in der Liga und so viele verrückte Ergebnisse in dieser Saison, da ist mit allem zu rechnen.
Und noch einmal zur Terminhatz: Jetzt findet die WM in Ägypten wohl tatsächlich statt. Sie gelten als exponierter Kritiker. Was denken Sie über die Entscheidung?
Ich kann mich in jedes Gremium hineinversetzen und weiß, dass jeder seine Prinzipien und Prioritäten hat. Als Vereinstrainer sehe ich aber diese WM sehr kritisch und wenig reizvoll.