Eishockey
Vor der WM: „Deutschland wird nicht mehr belächelt“
„Auf das deutsche Eishockey wird international anders geschaut, mit mehr Respekt“, findet Markus Eisenschmid. Genau genommen sei das seit der sensationellen olympischen Silbermedaille von Pyeongchang 2018 so, ergänzt der Stürmer der Adler Mannheim: „Deutschland wird nicht mehr belächelt.“ Dazu kommt als Argument Weltranglistenposition sieben, also ist es doch irgendwie logisch, dass das Überstehen der Gruppenphase bei einer WM das Minimalziel ist. Und wer dann schon mal im Viertelfinale der besten Acht steht, der kann ja nur ein Ziel haben. „Wenn man gegen die großen Nationen spielt und nicht gewinnen will, ist man hier falsch“, stellt Eisenschmid nüchtern fest. Alles glasklare Logik.
Unterfüttern kann Eisenschmid, der seine dritte WM für Deutschland spielt, diese mit dem Vorrunden-Überraschungssieg vor zwei Jahren in der Slowakei gegen Finnland: „Und die wurden dann später Weltmeister.“
Ein Mannheimer Block im Sturm
Okay, damals traf ein gewisser Leon Draisaitl zweimal. Diesmal ist der NHL-Superstar nicht dabei, er spielt mit Edmonton Play-offs. Dennoch kann sich gerade die Offensive des deutschen Kaders sehen lassen – mit den Nordamerika-Legionären Tobias Rieder, Lean Bergmann und Tom Kühnhackl. Aber auch mit dem Mannheimer Block um Eisenschmid, der vor zwei Jahren in Bratislava der große Pechvogel des jüngsten WM-Turniers war (2020 fielen die Titelkämpfe wegen der Pandemie aus). Im allerletzten Spiel, der Viertelfinal-Niederlage gegen Tschechien, zog sich der heute 26-Jährige eine schwere Schulterverletzung zu.
Wer weiß, vielleicht wäre er ohne dieses Missgeschick nun diesmal auch als Nordamerika-Profi nach Riga angereist. Denn die Scouts der NHL hatten den Flügelstürmer auf ihren Zetteln, und „Eisi“ machte nie einen Hehl aus seinem Wunsch, es noch mal überm großen Teich zu probieren – dort, wo der gebürtige Bayer einst in den Juniorenligen ausgebildet worden war. Ist die NHL nun, nach inzwischen drei guten Jahren in Mannheim, noch ein Thema? „Ich schaue nicht mehr so weit nach vorn“, sagt Eisenschmid, der wohl auch seine umfangreiche Verletzungshistorie im Hinterkopf hat. Aber die Hoffnung, das gibt er zu, „ist nicht weg. Ich habe es noch nicht ausgeschlossen.“
Auftakt gegen Italien
Zukunftsmusik. Ab Freitag ist WM, im ersten Spiel geht’s ab 15.15 Uhr (alle Spiele live in Sport1) gegen Italien. Am Wochenende folgen Norwegen (Samstag, 11.15 Uhr) und Kanada (Pfingstmontag, 19.15 Uhr). Weitere Gegner sind Kasachstan, Titelverteidiger Finnland, die USA, und WM-Gastgeber Lettland – diese Partie am 1. Juni könnte das „Endspiel“ um den Einzug ins Viertelfinale werden. Und spätestens dann wird man sehen, ob die Zeit reif ist ...