Kommentar VfL Wolfsburg: Schmadtke hat (zu) lange geschwiegen
Vermutlich funktioniert es nur an einem Standort wie Wolfsburg, dass ein Geschäftsführer wie Jörg Schmadtke auf Tauchstation gehen kann. Am Samstagabend hat der Rheinländer erkannt, dass die Talfahrt des Werksvereins so Besorgnis erregende Formen angenommen hat, dass ein weiteres Schweigen die Malaise am Mittellandkanal nur noch schlimmer gemacht hätte. Die Quintessenz nach dem 0:2 gegen den VfB Stuttgart lautete für Schmadtke, dass nach dem Einzug in die Champions League der nächste Entwicklungsschritt grandios missraten ist.
Zugleich lud der 57-Jährige einige Schuld auf sich. Man habe eigentlich einen vielschichtigen Kader zusammengebaut, der besser sei als im vergangenen Jahr. Wenn dann so oft verloren werde wie diese Saison, sei ein Planungsfehler nicht zu leugnen.
Ist Kohfeldt der Richtige?
Schmadtkes schwerwiegendster Irrtum war die Verpflichtung des Trainers Mark van Bommel, der dem Team in kurzer Zeit alle Tugenden abtrainierte, die ihnen Vorgänger Oliver Glasner beigebracht hatte: Körperlichkeit, Wehrhaftigkeit, Stabilität.
Mit Florian Kohfeldt übernahm ein Fußballlehrer, der bei Werder Bremen einen schleichenden Absturz nicht aufhalten konnte. Ob der 39-Jährige derjenige ist, der den Turnaround hinkriegt – daran bestehen nach fünf Niederlagen hintereinander erste Zweifel. Es ehrt Schmadtke, dass er Kohfeldt aus der Schusslinie nimmt. So steht der zwar nicht in den Hinrundenspielen am Dienstag gegen den 1. FC Köln und dann am Freitag beim FC Bayern in der Bringschuld, wohl aber nach der kurzen Winterpause. Zugleich muss die Frage erlaubt sein, warum der ehemalige Profitorwart Schmadtke nicht einfach mal früher Klartext geredet hat. Eigentlich gehört das zur Jobbeschreibung doch dazu.