Formel 1
Vettel und Schumacher: Das Schicksalsjahr
Die Deutschen, die sich um ihre Zukunft in der Königsklasse keine Sorgen machen müssen, sind Niels Wittich und Bernd Mayländer. Einer ist der Rennleiter, einer fährt das Safety Car. Für Sebastian Vettel, einen der deutschen Fahrer, beginnt die Saison anders als gewünscht. Er wurde an seinem Schweizer Wohnsitz positiv auf Corona getestet, muss in Isolation und verpasst den Großen Preis von Bahrain.
Vettels Pech ist das Glück für einen Landsmann: Ersatzfahrer Nico Hülkenberg. Der hat zumindest nicht die Sorgen des deutschen Stammpersonals – das den sportlichen Durchbruch braucht, um zukunftsfähig zu bleiben. Der 34-Jährige ist schon im ersten Corona-Jahr dreimal als Ersatzmann eingesprungen. Zuletzt war der 2019 von Renault aussortierte Emmericher Experte bei Servus TV und einer der Reservisten für Mercedes und seine Kundenteams. Der Hilferuf erreichte ihn am Donnerstag in Deutschland, heute soll er in der Wüste bereits fahren.
Vettel will wieder Rennen gewinnen
Sebastian Vettel könnte auch für den Großen Preis von Saudi-Arabien, der gleich in der nächsten Woche gefahren wird, ausfallen. Ein denkbar schlechter Auftakt für ein Rennjahr, in dem für den vierfachen Weltmeister alles anders werden sollte. Es gibt ja viele Themen im Leben von Sebastian Vettel, die er gern in den Mikrokosmos der Formel 1 trägt. Die Sorge um die Umwelt und den Frieden beispielsweise. Und dann gibt es noch eine große Frage, die der vierfache Weltmeister in sich selbst trägt: Wie fühlt sich siegen an? Es ist zweieinhalb Jahre her, dass der Heppenheimer ganz oben gestanden hat, damals noch für Ferrari. Mit 53 Grand-Prix-Erfolgen ist er die Nummer drei der ewigen Bestenliste. Genau dafür hat ihn Aston Martin auch geholt im letzten Jahr: als einen, der dem ambitionierten Rennstall das Siegen beibringen kann. Allein, es wurde eine Saison des Vergessens. Aber jetzt gilt es. Teambesitzer Lawrence Stroll pumpt dreistellige Millionen-Summen in den Rennstall. Der Kanadier will Rendite sehen, und Geduld ist keine seiner ganz großen Stärken. Vettel muss liefern, und das will er auch, weil er sonst selbst keine Zukunft mehr hat. „Es gibt für mich immer noch Rennen zu gewinnen“, sagt der 34-Jährige bestimmt.
„Schumi“ muss sich beweisen
Wovon träumt Mick Schumacher? Irgendwann von Siegen, natürlich. Das träumt sich so leicht, aber die Realität in seinem Debütjahr war, dass er in einem veralteten, chancenlosen Rennwagen saß. Das zu akzeptieren, und trotzdem als echter Formel-1-Rennfahrer anerkannt zu werden, war eine harte Grundausbildung. Es gibt dem 22-Jährigen die nötige Härte für das zweite Lehrjahr. Geht man davon aus, dass die Ferrari-Junioren-Akademie ihn bis Ende 2022 beim Kundenteam Haas platziert hat, muss er sich nun qua eigener Leistung beweisen – und die neue Ära, die die Formel 1 technisch ausgerufen hat, zu einer weiteren Schumacher-Ära in der Königsklasse machen. Vom Familienerbe zeugen die sieben Sterne auf seinem Helm, die an Vater Michaels Triumphe erinnern.
Schumacher zählt zur neuen Generation
Schumacher ist ein typischer Vertreter der neuen Rennfahrer-Generation, die jetzt die Spitze angreift. Max Verstappen ist das gelungen, Lando Norris ist bei McLaren dran, George Russell setzt Lewis Hamilton unter Druck, Charles Leclerc brillierte zuletzt mit dem Ferrari. Mick Schumacher schaut nach oben, obwohl sein Auto noch Riesenschritte machen muss. Doch bei den Testfahrten vergangene Woche in Bahrain war er mit dem Haas-Ferrari im zweiten Zeitensektor besser als der Trainingsschnellste Verstappen.
„Gegenüber dem letzten Jahr hat sich viel verändert“, sagt Mick Schumacher. Er wirkt gereifter, aber immer noch enthusiastisch. In der letzten Woche hat er sogar mal selbst mit angepackt, um am Rennwagen zu schrauben. Er will seinen Job von der Pike auf lernen – denn Details machen den Unterschied. Das nicht einfache Debütjahr wird für ihn vielleicht sogar zum Vorteil mit den für alle ungewohnt zickigen Saugeffekt-Rennwagen hatten: „Ich weiß ja schon, wie sich schwierig zu fahrende Autos anfühlen.“ Auch der Mangel an Routine ist damit kein so großer Nachteil mehr.