Kommentar
Tedesco : Das verflixte zweite Trainer-Jahr
Es schien ja dann doch gut zu werden. Am vorigen Spieltag schlug RB Leipzig den VfL Wolfsburg 2:0 und vermittelte den Eindruck, nach einem Fehlstart allmählich in die Gänge zu kommen.
Das war ein Irrtum. Am Samstag enttäuschte die Truppe um Star Christopher Nkunku in Frankfurt auf der ganzen Linie. Nach einem schwachen Auftritt gab es eine 0:4-Niederlage. Das war gar nichts.
Fehlende Mentalität angeprangert
Das Unverständnis ist groß in und um Leipzig. Die eh eingespielte Mannschaft wurde mit Stürmer Timo Werner und Außenbahnspieler David Raum noch einmal kräftig und kostspielig verstärkt. Die jüngsten Transfer unterstrichen die Ambitionen der Sachsen, dem FC Bayern Paroli zu bieten. In Max Eberl als Sportchef steht der nächste Neuzugang schon in den Startlöchern.
Und dann das. Trainer Domenico Tedesco ging nach der Klatsche in die Offensive und prangerte die fehlende Mentalität seiner Mannschaft an. Das ist ein gewichtiger Vorwurf. Der Vorwurf wiegt schwerer als irgendwelche taktische Unzulänglichkeiten anzusprechen oder fehlendes Schussglück. Viel scheint sich der Trainer, der RB zum Pokalsieg im Mai geführt hat, nicht mehr erlauben zu können. Nach dem DFB-Pokalsieg blieb er bescheiden und demütig. Er wollte damals nicht über eine Vertragsverlängerung sprechen, eingedenk seiner Erfahrungen bei Schalke 04. Denn dort verglühte Tedescos Stern im zweiten Jahr. Tedesco trainierte Schalke ab Sommer 2017 und verlängerte dort seinen Zweijahresvertrag 2018 vorzeitig bis 2022. Im März 2019 musste er dann gehen. Aus Erfahrung klug?
Hoffen auf die Champions League
Tedesco muss beweisen, dass er es auch langfristig kann. Er schien nach dem US-Amerikaner Jesse March, mit dessen taktischen Vorgaben die Leipziger Spieler nicht zurechtkamen, der richtige Mann am richtigen Fleck. Ein guter Start in der Champions League würde nun helfen. Max Eberl, wenn er denn kommt, will sich bestimmt nicht gleich um einen Nachfolger für Tedesco kümmern müssen.
Aber Tedesco ist ja nicht der einzige Trainer, der bereits die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Niko Kovac kommt mit Wolfsburg nicht in Tritt, Gerardo Seoane nicht mit Leverkusen und Thomas Reis schon gar nicht mit dem VfL Bochum.