Sport Stromausfall in der Raketenhochburg

Traf zum Endstand: Uruguays Edinson Cavani.
Traf zum Endstand: Uruguays Edinson Cavani.

«Samara.» Es ist im Nachhinein nicht mehr genau auszumachen, was zuerst die russischen Beine plötzlich so schwer hat werden lassen: die Trägheit von innen oder die Sommerschwüle von außen? Auf jeden Fall hat das Hochgefühl des WM-Gastgebers in der einstigen Raketenhochburg Samara einen ersten Stimmungsdämpfer abbekommen.

Mit der 0:3 (0:2)-Niederlage im letzten Gruppenspiel gegen Uruguay wirken die Russen für die K.o.-Phase, in der sie zunächst im Achtelfinale auf Spanien treffen, auf einmal wieder ganz geerdet. Nationaltrainer Stanislaw Tschertschessow suchte hinterher keine Ausflüchte: „Wir haben einige Fehler zu viel gemacht. Diesmal haben wir es nicht geschafft, den Gegner zu beherrschen.“ Allzu lange wollte sich der 54-Jährige mit dem Leistungseinbruch nicht aufhalten, denn am Ende seiner Ausführungen stellte sich der ehemalige Bundesligatorwart von Dynamo Dresden noch einmal demonstrativ auf, klatschte in die Hände und animierte – zumindest den russischen Teil der Berichterstatter – zu kurzem Beifall. Getreu dem Motto: Wir haben schon mehr erreicht, als ihr alle erwartet habt, dann würdigt das auch. Tatsächlich hatte seine Mannschaft ja bereits das Achtelfinale erreicht, in der die Russen als Zweiter der Gruppe A in Moskau weiterspielen. Dass sich Spieler und Delegationsmitglieder hier wohler fühlen und das Luschniki-Stadion die bessere Bühne für den WM-Ausrichter bietet, ist unbestritten. Tschertschessow bestritt indes jede Absicht, sich die Örtlichkeit ausgesucht zu haben: „Wir wollten Erster werden. Wenn es nach der Größe des Stadions geht, hätten wir alle Arenen fünfmal größer bauen können.“ Uruguay spielt als Gruppensieger am Samstag in Sotschi gegen Portugal. Und die Südamerikaner nehmen eine Menge Selbstbewusstsein mit, offenbarten sie in der Kosmos-Arena doch ihre individuelle Qualität, die nach Toren von Luis Suarez (10.), Denis Tscheryschew (23., Eigentor) und Edinson Cavani (90.) zu einem überzeugenden Sieg langte. Suarez, der mit einem direkten verwandelten Freistoß früh die Weichen auf Sieg stellte, gefiel der Auftritt der „Celeste“, die noch ohne Gegentor sind. „Wir wollen noch besser spielen und bei dieser WM Geschichte schreiben“, sagte der 31 Jahre alte Stürmer vom FC Barcelona. Solche Kaliber hatten die Russen nicht zu bieten, bei denen Tschertschessow zum Spannungsabfall beitrug, weil er auf seine besten Akteure – Dampfmacher Alexander Golowin, Dauerbrenner Juri Schirkow und Abräumer Mario Fernandes – verzichtet hatte. „Alexander hatte eine Gelbe Karte, Juri noch eine Verletzung am Fuß, und Mario hatte zuletzt viel Energie gelassen“, erklärte der Nationalcoach, dessen Rochaden nach hinten losgingen. Igor Smolnikow sah die Gelb-Rote Karte (36.) und sorgte für den negativen Höhepunkt einer lethargischen ersten Halbzeit. Es schien, als habe jemand den Stecker bei den russischen Kicker gezogen, die zuvor erst Saudi-Arabien (5:0), dann auch Ägypten (3:1) in Grund und Boden gerannt hatten. Diesmal summierte sich die Gesamtlaufleistung nur auf 98 Kilometer, natürlich auch bedingt durch die Unterzahl. Kraft wollte Tschertschessow immerhin aus dem zarten Aufbäumen der zweiten Hälfte schöpfen: „Es hat mir gefallen, wie wir nach dem Platzverweis angerannt sind.“ Weitgehend kopflos allerdings. So spielten sie Uruguay: Muslera - Cáceres, Coates, Godin, Laxalt - Nandez (73. Rodriguez), Bentancur (63. De Arrascaeta), Torreira, Vecino - Suarez, Cavani (90.+3 Gomez) Russland: Akinfejew - Smolnikow, Kutepow, Ignaschewitsch, Kudriaschow - Sobnin, Gasinski (46. Kusjajew) - Samedow, Miranchuk (60. Smolow), Tscheryschew (38. Fernandes) - Dsjuba Tore: 1:0 Suarez (10.), 2:0 Tscheryschew (23., Eigentor), 3:0 Cavani (90.) - Gelbe Karten: Bentancur - Gasinski Gelb-Rote Karte: Smolnikow (36.) - Beste Spieler: Godin, Laxalt - Sobnin, Gasinski - Zuschauer: 41.970 (ausverkauft) - Schiedsrichter: Diedhiou (Senegal).

Russlands Sergej Ignaschewitsch und Luis Suarez (rechts) im Duell.
Russlands Sergej Ignaschewitsch und Luis Suarez (rechts) im Duell.
x