Sport RHEINPFALZ Plus Artikel Sport-Kolumne: Weniger Hass und Hetze, mehr Toleranz und Menschlichkeit

Rote Karte für Rassismus, Gewalt, Unfairness. Im Sport sollen Toleranz und Respekt eine größere Rolle spielen.
Rote Karte für Rassismus, Gewalt, Unfairness. Im Sport sollen Toleranz und Respekt eine größere Rolle spielen. Foto: dpa

Nun, da die harmonisch-heimeligen Weihnachtstage bevorstehen, darf’s ja auch mal ein bisschen nachdenklicher, rührseliger und moralischer werden. Gerade im emotional hoch aufgeladenen Sport, wo es sonst zu oft um Bestleistung, Kampf, Krampf und Taktik geht, um Erträge, Erfolg und Egoismus. Da sollte man mal fragen: Was ist denn mit den wirklich wichtigen Dingen? Respekt, Toleranz, Menschenwürde und Fairplay? Mit dem Kampf gegen Rassismus, Hass, Gewalt und sexuellen Missbrauch? Kurzum: Was ist mit den Werten? Den Säulen, die das Gerüst vom Freizeit- bis zum Spitzensport tragen, ohne die er seine Anziehungskraft und Stabilität verliert und das System zusammenbricht. Wer kommt denn noch zum Fußball-Kreisligaspiel, wenn dort Schiedsrichter verprügelt werden? Wer bringt sein Kind noch zur Turnstunde, wenn es nicht vor sexuellen Übergriffen geschützt ist? Wer feuert noch gern leidenschaftlich seine Lieblingself im Stadion an, wenn er dabei fremdenfeindliche Parolen ins Ohr gebrüllt bekommt? Ich nicht. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte sich Integrität als großes Thema für das ganze Jahr und seine Mitgliederversammlung vergangenen Samstag auf die Fahnen geschrieben. Es zog sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung. Weil man seine Bedeutsamkeit nicht oft genug betonen kann. Es ging um all die Werte, die nicht nur den Sport, sondern die Gesellschaft insgesamt zusammenschweißen (sollten).

Gegenentwurf zu Hass und Hetze

Thomas de Maizière, Chef der Ethik-Kommission beim DOSB, hielt dazu eine kluge, wichtige, gesellschaftskritische Rede. Er appellierte an Haltung, Respekt und ein gutes Miteinander. Gerade in diesen Zeiten. Wo in sozialen Netzwerken Hass und Hetze salonfähig geworden sind, wo die Gesellschaft auseinanderdriftet, da kann Sport sie zusammenhalten. Er verbindet, bewegt, begeistert und sorgt für schöne Gemeinschaftserlebnisse. Vereine sind die „sozialen Tankstellen“ Deutschlands, sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann daher schon im Januar. Und es stimmt: Die Weihnachtsfeier der Handball-Jugend vereint Junge und Alte, Bekannte und Fremde, Männer und Frauen, Christen und Muslime. Seniorensport zieht Gesunde und Kranke an. Und Spitzenleistungen wie die von Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul begeistern alle vor dem Fernseher.

De Maizière sprach auch von einer Vertrauenskrise in Deutschland. Medien, Politik, Wirtschaft, Funktionären – ihnen allen haftet ein negatives Image an. Und der Sport ist natürlich keineswegs die heile Welt im bösen Universum, schließlich geht es um Geld, Ehrgeiz, Erfolg – und Macht. Es gibt nicht nur Vorbilder und engagierte Ehrenamtler, sondern auch Manipulation, Betrug, Respektlosigkeit. Aber: Nicht jeder Funktionär ist korrupt. Nicht jeder Athlet mit Rekordzeiten gedopt. Nicht jedes Anfassen im Training sexueller Missbrauch. Aber die Sinne für Fehlentwicklungen müssen geschärft sein, es geht darum, wachsam und maßvoll zu sein und für einen sauberen, integeren, respektvollen Sport zu kämpfen. Die zahlreichen erschütternden Attacken auf Schiedsrichter haben den Nerv der Bevölkerung getroffen. Das darf nicht die Zukunft sein.

Worte mit Leben füllen

Die Werte, denen sich der Sport wortgewaltig verschreibt, müssen auf und neben dem Platz mit Leben gefüllt werden. Da sind Vereine, Verbände, Trainer, Sportler, Eltern – alle – gefragt. Das funktioniert am besten wenn jeder statt aus dem Fenster manchmal in den Spiegel schaut. Wenn aus „man müsste mal“ ein „ich werde mal“ wird. Wenn rassistische Äußerungen nicht geduldet, sondern ihnen überzeugend und mutig widersprochen wird. Wenn Gleichgültigkeit überwunden und Zivilcourage gelebt wird. Wenn Schweigen und Wegschauen keine Alternativen sind. Wenn Toleranz, Solidarität und Menschlichkeit mehr zählen als die Gier nach Gold, Silber, Bronze.

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