FUSSBALL RHEINPFALZ Plus Artikel Sieg des FC Bayern im Gipfelduell: Besser als die Guten

Nach erfolgreichem Torschuss aus dem Gleichgewicht: Bayerns Leroy Sané trifft zum 3:1 und stützt sich ab.
Nach erfolgreichem Torschuss aus dem Gleichgewicht: Bayerns Leroy Sané trifft zum 3:1 und stützt sich ab.

Borussia Dortmund unterhält das Fernsehpublikum – und der FC Bayern unterhält und gewinnt das Topspiel in der Fußball-Bundesliga. Die Verletzung Kimmichs wird die Planung der Münchner beeinträchtigen. Warum Statistik oft eben doch nicht immer viel aussagt.

Aus der Tabelle und den Statistiken lassen sich alle möglichen Thesen vermeintlich belegen. Der FC Bayern München etwa hat eine so schwache Defensive, dass er in dieser Saison kaum Meister werden kann. Schließlich haben der VfB Stuttgart, der FC Augsburg und selbst Werder Bremen weniger Tore kassiert als die Münchner. Der Vergleich mit Borussia Dortmund ist katastrophal: Mehr als 100 Prozent mehr Gegentore!

Einfach eine Torfabrik

Alles mathematisch richtig, trotzdem so weltfremd wie der nun bald ehemalige Präsident der USA. Die Bayern sind das Nonplusultra, weil sie a) so viele Tore schießen, dass es in den allerallermeisten Spielen zum Sieg und b) am Samstag im Topspiel bei Borussia Dortmund allen Widrigkeiten trotzten und 3:2 gewannen.

„Es fehlte nicht viel“, sagte Dortmunds Innenverteidiger Manuel Akanji. Er sagte damit auch, dass eben doch wieder ein bisschen fehlte. Bayern-Trainer Hansi Flick sah es aus dem anderen Blickwinkel: „Wir haben vor dem Tor etwas entschlossener und effizienter gearbeitet.“ Daher sei der Sieg „verdient“ gewesen.

Nur „ein Prozent extra“, so Erling Haaland, hätte der BVB gebraucht, um mal wieder die Bayern zu schlagen oder zumindest einen Punkt zu holen.

Eine entscheidende Kleinigkeit

Sein Trainer Lucien Favre gab einen guten Hinweis darauf, was diese Kleinigkeit ausmachte, und dabei durfte sich der norwegische Stürmer durchaus angesprochen fühlen. „Manche sind nicht gut genug mit ihrem schlechten Fuß. Das ist ein wichtiges Detail für mich.“

Aufgrund der weiter vorhandenen Sprachbarriere bei Favre bedürfen manche seiner Aussagen einer Interpretation. In diesem Fall wollte er ausdrücken, dass Haaland eben erst 20 Jahre alt ist und an den Flanken und Abschlüssen mit seinem rechten Fuß arbeiten muss. Es war ein sachdienlicher Hinweis, keine Kritik, denn der Mittelstürmer hatte bewiesen, dass er auch der „besten Mannschaft der Welt“ (Haaland) über ein gesamtes Spiel Probleme bereiten kann. Er gewann 60 Prozent seiner Zweikämpfe, Bayerns Innenverteidiger David Alaba nur 40 Prozent. Aber Haalands Wucht, seine Klasse, sein Einsatz, sein Treffer zum 2:3 (83.) – zu wenig.

Taktgeber und Dauerkommentator

Flick wurde gefragt, warum er sich nach Spielschluss ausgerechnet vor Thomas Müller verneigt habe. Der Trainer erklärte es mit einem Zufall: „Er war gerade in der Nähe.“ So entstand jedoch ein stimmiges Bild: Die trostlose Kulisse im größten Stadion Deutschlands erlaubte es, Müllers „Reportage“ zu lauschen. Müller kommentierte jede Szene. Er gab das Zeichen zum riskanten Pressing, teilte die Gegenspieler zu, ordnete die Seitenverlagerungen an. Müller war es auch, der gegen Ende der ersten Hälfte in die Hände klatschte und rief: „Jetzt noch mehr. Jetzt noch mehr.“

Kimmichs Knieverletzung

Joshua Kimmich war in diesem Moment dabei, unter Tränen den Platz zu verlassen. Er hatte sich bei einem Foul an Haaland. Eine genaue Diagnose soll noch gestellt werden. Berichte, es sei „nur eine Verletzung am Außenband“ des Knies, wollte Flick kurz nach dem Schlusspfiff nicht

kommentieren: „Ich beteilige mich nicht an Spekulationen.“

Dennoch redete er schon über den Fall, dass der zentrale Mittelfeldspieler länger ausfallen wird: „Auch das würden wir hinkriegen, wir haben es ja auch heute hingekriegt.“

Die Verletzung und Auswechslung Kimmichs gehörte in Flicks Aufzählung der Widrigkeiten, denen sich der FC Bayern stellen musste. Etwa „der Rückstand“, für den Marco Reus in der 45. Minute gesorgt hatte. Aber noch vor der Pause schoss Alaba mit einem Freistoß den Ausgleich. Kurz nach dem Wechsel köpfte Robert Lewandowski das 2:1, der eingewechselte Leroy Sané schoss das 3:1 (80.).

Bayern machen ein paar Fehler weniger

„Zwei aberkannte Tore“ standen auch auf der Liste des Münchner Trainers, wobei die Annullierung des zweiten tief in der Nachspielzeit ohne Belang war. Das erste – ebenfalls von Lewandowski – erzielt, hätte das 1:0 für den Tabellenführer bedeutet. Die Bayern machten ein paar Fehler weniger, waren effizienter vor dem Tor, in den wichtigen Momenten entschlossener. Dortmund begnügte sich damit, unterhalten zu haben. Favre sagte: „Wir sind enttäuscht. Aber insgesamt haben wir Fußball gespielt.“ Interpretiert heißt das: Wir waren gut, die anderen ein bisschen besser.

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