Sport RHEINPFALZ Plus Artikel Seehofer: Milliarden für deutsche Sportstätten

Herber SchlagVon den Städten Berlin und Hamburg holte sich DOSB-Präsident Alfons Hörmann eine klare Absage für eine mögliche deu
Herber SchlagVon den Städten Berlin und Hamburg holte sich DOSB-Präsident Alfons Hörmann eine klare Absage für eine mögliche deutsche Olympiabewerbung 2032. Bleibt bislang nur die Privatinitiative Rhein-Ruhr Olympic City als Kandidat. Foto: dpa

Auf der Mitgliederversammlung des DOSB überrascht der Bundesinnenminister Horst Seehofer mit einem neuen Goldenen Plan für Sportanlagen. Berlin und Hamburg wollen keine Olympischen Spiele ausrichten.

Verfallene Vereinsheime, marode Turnhallen, eklige Umkleidekabinen, verwahrloste Sportplätze, geschlossene Schwimmbäder: Um die deutschen Sportstätten ist es bundesweit nicht gut bestellt. Sie wirken wie aus der Zeit gefallen. Kein Wunder, die meisten sind alt, irgendwann in den 1970er und 1980er Jahren entstanden und entsprechen längst nicht mehr den energetischen, technischen und baulichen Anforderungen. Vom Klimaschutz ganz zu schweigen. Deshalb: Investitionen sind bitter notwendig.

Und so kam die positive und überraschende Nachricht des Tages gestern bei der 16. Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Frankfurt für Präsident Alfons Hörmann von seinem bayerischen Kumpan, Bundesinnenminister Horst Seehofer, gerade recht. Der CSU-Politiker stellte einen neuen Goldenen Plan zur Sanierung der deutschen Sportstätten in Aussicht. Gemeinsam mit dem DOSB wolle er ein Konzept dafür entwickeln. Es wäre ein finanzielles Mammutprojekt. Ein zweistelliger Milliardenbetrag steht im Raum; von 50 Milliarden Euro war in der Vergangenheit nach Analysen die Rede. Goldene Pläne, das sind auf Jahrzehnte angelegte Investitionen in Sportstätten, gab es schon mal: nach dem Krieg für den Westen und nach dem Mauerfall für den Osten. „Es waren erfolgreiche Kapitel“, so Seehofer.

279 Millionen Euro für 2020

Der Innenminister betonte bei der Versammlung, dass der Sport in seinem Ministerium „kein Anhängsel“ sei – und schickte sofort die nächste gute Nachricht für den deutschen Sport hinterher: Der Etat sei in den vergangenen eineinhalb Jahren von 168 Millionen Euro jährlich auf 279 Millionen Euro für 2020 angewachsen. Möglich gemacht hat den enormen Geldfluss die Leistungssportreform, die er „einen Erfolg“ nannte.

Einmal mehr schmierten Hörmann und Seehofer gestern die (bayerische?) Harmonie-Achse, die Sport und Politik seit Beginn ihrer Zusammenarbeit beziehungsweise Abhängigkeit voneinander verbindet. So viel Eintracht (und Ertrag) hat man selten gesehen. Es wirkt, als kämpften sie für die gleiche Sache – den deutschen Sport von der Basis bis in die Spitze voranzubringen, zu verbessern und wettbewerbsfähig zu machen. Der DOSB, so scheint es, überzeuge mit klaren Strategien und Ideen und Seehofer macht den Geldbeutel zur Umsetzung auf.

Hamburg und Berlin wollen Olympia nicht

Und dann war da noch die verzwickte Sache mit Olympia: Soll Deutschland sich für die Spiele 2032 bewerben? Und wenn ja mit welcher Stadt oder Region? Präsident Hörmann nannte drei mögliche Partner: 1. Die Privatinitiative Rhein-Ruhr 2032, die ein konkretes Konzept vorgelegt hat und auch auf die Unterstützung des Landtages in NRW bauen darf. Seit zwei Jahren ist Hörmann mit den Initiatoren im Austausch, findet das Konzept, das stark auf bestehende Infrastruktur und Nachhaltigkeit setzt, „beeindruckend“. 2. Hamburg. Aus der Hansestadt kassierte Hörmann eine Abfuhr. Dort könne man sich nach dem geplatzten Referendum für 2024 derzeit keine Bewerbung vorstellen. 3. Berlin. Die Hauptstadt ließ Hörmanns kleines Pflänzchen Hoffnung nicht sofort verkümmern, sondern bekundete, dass „2032 zwar zu früh kommen könnte“, eine Bewerbung für 2036 aber eventuell vorstellbar sei. Hörmann, der für eine Kandidatur einen starken Partner, ein überzeugendes Konzept und die breite Unterstützung des Volkes braucht, zeigte sich kämpferisch und will nicht locker lassen, sondern „im Dialog bleiben“. Das dürfte vergebene Liebesmüh sein.

Beim Ehrgeiz gepackt und angestachelt wurde der DOSB-Chef von Innenminister Seehofer, der deutlich machte, dass er eine deutsche Olympiabewerbung gern sehen und unterstützen würde: „Wir wollen es und können es auch“, so der CSU-Politiker. Eine nationale Strategie für Sportgroßveranstaltungen in Deutschland ist derzeit in Arbeit. Gleichzeitig forderte Seehofer einen Wandel des schlechten Images: Weg vom Eindruck, dass es bei Olympischen Spielen nur um Kommerzialisierung gehe, hin dazu, die Athleten in den Mittelpunkt zu stellen.

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