Handball-EM-Tagebuch RHEINPFALZ Plus Artikel Schloss Neuschwanstein hat keine Chance

Imposantes MarkenzeichenDer Kölner Dom, 640 Jahre Bauzeit, 10.000 Quadratmeter Glas, an einem kalten, aber sonnigen Samstagmorge
Imposantes MarkenzeichenDer Kölner Dom, 640 Jahre Bauzeit, 10.000 Quadratmeter Glas, an einem kalten, aber sonnigen Samstagmorgen.

Redakteur Udo Schöpfer begleitet die deutsche Handball-Nationalmannschaft bei der Heim-Europameisterschaft. In einem Tagebuch berichtet er über seine Erlebnisse außerhalb des Spielfeldes.

Ich habe umständehalber alles probiert und versucht, meinen Termin zu verlegen. Die Herrschaften im Domforum senkten aber den Daumen.

Und so ging ich am Samstagmorgen zu meiner ersten offiziellen Führung im Kölner Dom. Der Wetterbericht kündigte minus zehn Grad an, es waren am Ende „nur“ minus fünf. Von meinem Hotel zum Dom sind es knapp zehn Minuten Fußmarsch. Bevor es dann losging, konnte ich mich im Foyer des Domforums noch einen Moment aufwärmen. Später wird Kunsthistoriker Dr. Andreas Baumerich erzählen, dass eine Heizung im riesigen Dom keinen Sinn ergibt.

Kontrolle am Eingang

Weil der Dom ein potenzielles Terror-Ziel sein könnte, zwei Tage vor Silvester gab es entsprechende Hinweise, werden die Besucher vor dem Eintritt in einem kleinen Zelt kontrolliert. Wir als Gruppe können an der in den Morgenstunden bereits ansehnlichen Touristen-Schlange einfach vorbeimarschieren.

Der Historiker weist uns zunächst auf die beiden Türme der Kirche hin (auch eine Art „Twin Towers“) und erklärt die dunkle Farbe des Gemäuers. Putzen? Sinnlos. Zu teuer. „Und nach 30 Jahren würde es genau so wieder aussehen“, erläuterte Andreas Baumerich. Für die Färbung verantwortlich: Die Domfassade ist ein Biotop und dort leben Mikroorganismen, Bakterien, Algen und Moose. So entstand die dunkle Schicht. Zwischen 1560 und 1842 war der Bau des Doms unterbrochen, er wurde erst 1880 fertiggestellt. 640 Jahre wurde gebaut. Durch die Konstruktion hat das Gotteshaus die Bomben des Zweiten Weltkriegs relativ gut überstanden. Jeder der beiden Türme wiegt 22.000 Tonnen, das ist nicht unwichtig, das verleiht Stabilität, Köln befindet sich ja in einer Erdbebenregion.

Fenster erzählen Geschichten

Frauen dürfen ihre Kopfbedeckung aufbehalten, ich nehme die Mütze meines Kapuzenpullovers ab. Schon verblüffend: Auf den ersten Blick wirkt der Dom überraschend schmal. Dieser Eindruck ändert sich aber sofort, wenn man weitergeht. Durch das Licht. Durch die Fenster. 10.000 Quadratmeter Glas wurden im Dom verbaut. Die Fenster erzählen Geschichten. Dazu sind Wappen abgebildet.

Die Kirche füllt sich. Immer mehr Besucher kommen an diesem kalten Samstagmorgen. Sechs Millionen schauen sich jährlich das imposante Bauwerk an. Der Statistik zufolge besuchen den Dom mehr Gäste als das Schloss Neuschwanstein in Bayern.

Am Grabmal

Wir schlendern weiter. Am Grabmal des Erzbischoffes Philipp von Heinsberg bleiben wir stehen. Besonders wertvoll: der Schrein der Heiligen Drei Könige, das größte, künstlerisch bedeutendste und inhaltlich anspruchsvollste Reliquiar des Mittelalters. Der Schrein ist in einem abgeschlossenen Bereich, unser Historiker hat einen Schlüssel und wir können auch diesen Teil des Doms betreten.

Nach fast eineinhalb Stunden sind wir mit unserem Rundgang fertig, und Dr. Andreas Baumerich weist uns noch einmal darauf hin, wo der beste Platz ist, um den Dom in all seiner Pracht zu fotografieren. „Die Stadt Köln ist stark durch den Dom gekennzeichnet. Er markiert die Stadt“, betonte er.

Kölner Freude

Die Kölner freuen sich, wenn sie nach einem Ausflug oder einer Reise zurückkehren und die Silhouette ihres Wahrzeichens erblicken. Aber das ist bei uns und unseren Lieblingsbauwerken ja genau so.

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