Fussball
Schalke: Auf der Brücke der Titanic
Die hellgrüne Maske, die der Sportvorstand der Gelsenkirchener dort während der ersten Halbzeit trug, wirkte, als habe der 50-Jährige sie auf die Schnelle bei den Gladbachern entliehen. Erst zur Pause fand Schneider einen angemessenen Mundschutz – und saß ab dann mit einer blauen Maske auf der Tribüne.
Ironie beim 1:4 seines Klubs: Als Schneider die S04-Farbe Blau zwischen die Ohren gespannt hatte, verlor die Mannschaft von Manuel Baum endgültig den Faden, den sie vor allem in der ersten halben Stunde zu packen bekommen hatte. Da stand es noch 1:1; als die Gladbacher aber die Restmüdigkeit vom letzten Auftritt in der Champions League nach und nach aus den Kleidern schüttelten und ihre gewohnte Passsicherheit gewannen, geriet das instabile Konstrukt der Gäste sofort ins Wanken.
Den Eisberg schon gerammt
Und so droht der Dampfer Schalke unterzugehen wie einst die Titanic. Ihren Eisberg haben die Königsblauen in der zurückliegenden Chaoswoche mit den Rauswürfen von Kaderplaner Michael Reschke und Angreifer Vedad Ibisevic sowie den Suspendierungen der Spieler Amine Harit und Nabil Bentaleb jedenfalls schon mal gerammt.
„Es kamen Dinge nach außen, das ist bei Schalke schon fast normal“, kommentierte Offensivspieler Steven Skrzybski die Ereignisse nun. Ins Bild des schlingernden Ozeanriesen passte auch das Statement von Sportboss Schneider auf die Frage, ob er von sich aus die Brocken hinzuschmeißen gedenke. „In so einer Situation verlässt man nicht die Brücke“, antwortete der gebürtige Schwabe, seit März 2019 im Amt und wegen seiner Zusammenstellung des aktuellen S04-Kaders stark in der Kritik, in feierlichem Ernst.
Schneider ruft den Abstiegskampf aus
„Klassenerhalt, darum geht es“, betonte Schneider zudem – und mit dieser Einschätzung liegt er genau auf einer Linie mit Sascha Riether. „Wir müssen jetzt in den Abstiegsmodus schalten“, befand der Koordinator des Lizenzspielerbereichs, der ein besonders störendes Detail ausgemacht hat: „Es bringt nichts, wenn du das eine oder andere Tor schießt, aber in jedem Spiel drei oder vier kriegst. So kannst du nicht überleben.“
Vor allen vier Treffern der Borussia leistete sich die Schalker Defensive dilettantische individuelle Fehler, je zwei Mal waren dabei Ozan Kabak und Kilian Ludewig entscheidend beteiligt. Bekommt Übungsleiter Baum dieses Problem nicht in der Griff, wird auch ein Negativrekord, der bislang für die Ewigkeit geschaffen schien, nicht überleben: Tasmania Berlins legendärer Serie von 31 sieglosen Spielen aus der Saison 1965/66 haben sich die Knappen seit ihrem letzten Erfolg am 17. Januar – gegen Gladbach – mittlerweile bis auf sechs Partien angenähert. Und im Heimspiel gegen Leverkusen am nächsten Sonntag dürften die Trauben für Baums Ensemble wieder ähnlich hoch hängen wie gerade im Borussia-Park.