Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Saudi-Arabien: Neue Stadien braucht das WM-Land

Das Stadium 974 in Doha sollte eigentlich schon an einem anderen Platz in der Welt stehen. So hatte es Katar versprochen. Passie
Das Stadium 974 in Doha sollte eigentlich schon an einem anderen Platz in der Welt stehen. So hatte es Katar versprochen. Passiert ist das bis jetzt nicht.

Für das Turnier hat der frisch auserkorene Gastgeber Saudi-Arabien schon große Pläne. Zahlreiche große Stadien sollen im Wüstenstaat entstehen. Ob diese Großprojekte auch danach wie geplant werden, darf bezweifelt werden. Negative Beispiele gibt es einige.

Seit Mittwoch ist offiziell, was eh klar war: Saudi-Arabien wird die Fußball-Weltmeisterschaft 2034 austragen. Dafür hat auch der DFB gestimmt, mit Bauchgrimmen zwar wegen der Menschenrechtslage im Königreich, aber dennoch. Damit geht eine WM zum Zeitpunkt ihrer Vergabe wieder in einen Wüstenstaat ohne eine diesem Weltereignis entsprechende Stadioninfrastruktur, dafür mit aber ordentlich Geld – so wie einst Katar. Es werden also neue Arenen entstehen, die einem bessere Image Saudi-Arabiens in der Welt zuträglich sein sollen. Das Königreich will zu einer Sportmacht aufsteigen.

15 neue Stadien sollen es werden. Vier davon sind schon fertiggestellt. Pure Extravaganz strahlen die präsentierten Pläne aus. Das „King Salman International Stadium“ soll nach dem Bau zum offiziellen Nationalstadion werden. Geplant sind 92.760 Plätze und Eröffnungsspiel und Finale sollen dort steigen. Bei den anderen Arenen sind teils traditionelle und futuristische Elemente geplant. Das New Murabba Stadium in Riad soll der Rinde des einheimischen Akazienbaums nachempfunden sein, 46.010 Zuschauer soll es fassen können und nach dem Turnier sich in das „pulsierende Stadtleben“ der Metropole Riad einfügen.

Am außergewöhnlichsten kommt sicherlich der Plan für das „Neom Stadium“ daher, denn die Stadt, in der es entstehen soll, existiert noch nicht einmal. Die Spielstätte soll in das riesige Prestigeprojekt „Neom“ integriert werden. Auf einer Fläche von etwa 26.500 Quadratkilometer entsteht ein Siedlungsprojekt, das als Kernstück für die Vision 2030 stehen soll, bei der der Wüstenstaat seine Wirtschaft unabhängig vom Öl machen will. Wenig überraschend kommen aber auch Meldungen über tausende tote Arbeiter beim Bau des Megaprojekts. Dieses Thema war auch rund um den Bau der Stadien für die WM in Katar jederzeit präsent.

Saudi-Arabien hat Pläne für die Nachnutzung

Was jedoch passiert mit all den geplanten Megabauten nach der großen Weltmeisterschaft? Dafür hat Saudi-Arabien gleich Pläne mitgeliefert. Teilweise sollen Fußballvereine in diese Stadien ziehen und dort ihre Heimspiele austragen, teilweise sollen die Stadien auch für andere Events genutzt werden. Auch der Rückbau von Tribünen steht auf dem Plan. Diesen Plan gab es auch in Katar. Beispielsweise das aus Containern bestehende Stadium 974 in Doha. Besonderheit des Stadions: Es ist laut modular gebaut und soll daher komplett zerlegbar, transportabel und wiederverwendbar sein. Es sollte nach Ende der Weltmeisterschaft genau das damit passieren, nämlich der Rückbau in Doha und der Wiederaufbau an einem anderen Platz. Passiert ist das bisher allerdings nicht. Auch Spielstätten früherer Turniere bröckeln einfach vor sich hin. Für die WM 2014 in Brasilien wurden zwölf Stadien neu gebaut oder saniert, zwei Milliarden Euro hatte sich das Brasilien kosten lassen. Davon werden nur noch die wenigsten auch regelmäßig gefüllt. Die Arena in Manaus beispielsweise hatte 160 Millionen Euro gekostet und steht nun weitgehend leer.

Für den Eigentümer ist die Arena bis heute eine teure Angelegenheit und wird sie auch weiterhin bleiben. Bis 2033 müssen die Kredite vom Bundesstaat Amazonas abbezahlt werden, der eh nicht viel Geld zur Verfügung hat. Der Unterhalt kommt dabei noch dazu. Anfang 2023 wurde sogar der Strom in der Arena abgestellt, weil Rechnungen über sieben Millionen Euro unbezahlt geblieben waren.

Auch das Fritz-Walter-Stadion war ein teurer WM-Umbau

Aber für ein teures WM-Projekt muss man gar nicht in andere Länder blicken, es reicht ein Blick in den Westen der Pfalz. Nun lässt sich das Fritz-Walter-Stadion auf den ersten Blick nicht mit den anderen Beispielen vergleichen. Denn auf den Betzenberg pilgern alle zwei Wochen Massen an FCK-Fans, die Auslastung rückt nach dem Aufstieg in die Zweite Liga wieder nahe an das Fassungsvermögen heran. Allerdings ist der große Betonklotz, den die Pfälzer so innig lieben, ein finanzieller Klotz am Bein des Vereins und der Stadt. Denn die ausufernden Kosten beim Ausbau zum WM-Stadion haben dafür gesorgt, dass das Stadion die klamme Stadt und den Verein finanziell stark belastet.

Fast wäre der Verein 2003 wegen der explodierenden Kosten des Umbaus in die Insolvenz gegangen und musste das Stadion samt Nachwuchsleistungszentrum an die Stadt verkaufen. Auch die sportliche Lage verschlechterte sich den Jahren nach der WM zunehmend, was im Jahr 2018 mit dem Abstieg in die Dritte Liga gipfelte. Zwar ist der FCK wenigstens wieder eine Spielklasse nach oben gerückt, es wird aber immer wieder von den Klubverantwortlichen betont: Das Stadion reißt jede Saison durch die Pacht eine dicke finanzielle Lücke in die Planungen, die erst gefüllt werden will, bevor an neue Spieler gedacht werden kann. Auch die Stadt als Eigentümer dürfte über ihren Besitz nicht so glücklich sein, vor allem da sich in den letzten Jahren ein Sanierungsstau gebildet hat, der weitere Gelder verschlingen wird, die die Stadt und der Verein eigentlich nicht haben.

Der Fifa dürfte das egal sein. Denn der Fifa ist in der Regel alles egal, was nach ihren Turnieren so passiert. Da reichen beispielsweise bei Stadien die Versprechen und Pläne über die Nachnutzung völlig aus. Der Verband geht meist mit einem riesigen Gewinn aus dem Turnier und überlässt die Gastgeberländer und ihre großen Stadien sich selbst. Das wird auch in Saudi-Arabien so passieren. Viele der neuen riesigen Arenen, errichtet unter mindestens fragwürdigen Umständen, was die Lebensbedingungen der Arbeiter betrifft, dürften danach nicht so weiterverwendet werden, wie das Königreich das jetzt so schön beschreibt. Aber solche moralischen Probleme haben Fußballverbände eigentlich nie wirklich interessiert.

Die Arena Amarazonia wurde nach der WM kaum noch bespielt. 2023 wurde sogar der Strom abgestellt.
Die Arena Amarazonia wurde nach der WM kaum noch bespielt. 2023 wurde sogar der Strom abgestellt.
Das Fritz-Walter-Stadion war zwar WM-Stadt im Jahre 2006, dafür kostet das Stadion die Stadt und den Verein viel Geld.
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