FCK
Rote Teufel, La Ola und die „Pälzer Krischer“
La Ola. Eine kleine zumindest. Als das Tagwerk verrichtet und der 4:0-Erfolg über den SV Meppen besiegelt war, packten die Profis des 1. FC Kaiserslautern sich an den Händen und marschierten vor die Haupttribüne. Dort warteten freudig jene 500 Gäste, denen für das erste Pflichtspiel des Jahres Einlass ins Fritz-Walter-Stadion gewährt worden war. VIP-Kunden zumeist, die sich binnen der 90 Minuten aber als „Pälzer Krischer“ erwiesen. Westkurve light sozusagen. Die Roten Teufel mussten nicht völlig ohne Geleitschutz auskommen. Zum jubilierenden Abschluss schwappte das Wellchen der Begeisterung über den Betze-Beton.
Ein Jahresauftakt wie aus einem Guss. Zum zwölften Mal in dieser Saison spielte der FCK zu null. Der SV Meppen, als Tabellendritter angereist, war chancenlos. Das lag auch daran, dass die Roten Teufel eine neue Lieblingsbeschäftigung entdeckt zu haben scheinen: Die Grundsteine zum Sieg rammten sie wie schon gegen Viktoria Köln (4:0) und bei Türkgücü München (2:1) gleich in den Anfangsminuten in den Rasen. Gegen die Viktoria erzielte Daniel Hanslik das 1:0 in der fünften Minute, in München trafen Hanslik und Hikmet Ciftci in der fünften und siebten Minute. Nun durften Boris Tomiak und Hendrick Zuck nach sieben und acht Minuten jubeln. Der Gast aus dem Emsland half in beiden Fällen mit: Tomiaks Tor legte Markus Ballmert mit einem missratenen Klärungsversuch auf, Zucks Schuss aus spitzem Winkel bugsierte Torhüter Domaschke sich schier selbst ins Netz.
Götzes Gespür beim Aufwärmen
Felix Götze hatte den zum Treffer führenden Angriff durch einen gewonnenen Zweikampf im Mittelfeld eingeleitet und schließlich auch die Flanke von der rechten Außenbahn geschlagen. Das 3:0, Zucks zweiten Streich fünf Minuten nach Wiederbeginn, bereitete Götze ebenso vor. „Man hat es beim Aufwärmen schon gemerkt, dass wir heute einfach da sind“, sagte Götze, „wenn du dich dann direkt zweimal so belohnst, der Gegner kommen muss und du kontern kannst, passt einfach alles zusammen. Einen schöneren Start kann man sich nicht vorstellen.“ Hendrick Zuck resümierte: „Es war ein sehr gutes Spiel von uns, ein perfekter Start – und ein absolut verdienter Sieg.“
Der 31-jährige Kapitän des FCK vermochte sich nicht daran zu erinnern, wann er zuvor schon einmal zwei Treffer in einer Partie erzielt hatte. Lächelnd beschied er nur, das müsse wohl schon sehr lang her sein. In der Tat: Im August 2013 schoss Zuck den SC Freiburg zum 2:0 bei der TSG Neustrelitz und bewahrte die Breisgauer vor einer Erstrunden-Blamage im DFB-Pokal. Einige Wochen später führte er die zweite Freiburger Garde in der Regionalliga mit ebenfalls zwei Treffern zum 3:1 gegen Eintracht Trier.
Wunderlichs Orakel nach der Partie
Mit welchem Selbstvertrauen der FCK agiert, pointierte Matheo Raab: Der Keeper spielte Tankulic im eigenen Fünfmeterraum cool mit der Hacke aus. Ein gewagtes Manöver, das nur riskiert, wer sich seiner sicher ist.
Im Vergleich zur Hinserie hat der FCK nach zwei Spielen schon drei Punkte mehr verbucht. „Das war auch unser Ziel“, bemerkte Felix Götze, „der Beginn der Saison ist uns ja ein bisschen um die Ohren geflogen.“ Der zehnte Saisonsieg spülte die Elf von Trainer Marco Antwerpen vorübergehend auf Platz zwei des durch coronabedingte Spielabsagen etwas schiefen Klassements. Die Lauterer Fanseele frohlockt. „Wir haben ein überragendes Spiel gemacht, besser kann man nicht starten“, sagte Mike Wunderlich, der den Endstand markierte. „Wenn wir in Führung gehen und so verteidigen wie in den vergangenen Wochen, ist es fast unmöglich, gegen uns noch zu gewinnen.“ Gar ein 5:0, 6:0, 7:0 sei möglich gewesen, fand Wunderlich, „dann darf Meppen sich nicht beschweren. Wir haben auch in der Höhe brutal verdient gewonnen und ein Ausrufezeichen gesetzt“.
Antwerpen mag nicht bremsen
Auf der menschenleeren Westtribüne baumelte einsam derweil noch immer ein Banner, mit einer klaren Botschaft, die in schwarzen Lettern und roten Satzzeichen auf weißes Tuch gepinselt war: „Unser Traum! Euer Ziel! Aufstieg 2022! Marco Antwerpen hätte nichts dagegen: „Euphorie ist in Ordnung. Ich muss hier auch niemanden bremsen. Wir schauen nur nicht jeden Tag auf die Tabelle.“ Dafür ist der Weg einfach noch zu weit.
