Handball
Rhein-Neckar Löwen: Es geht auch wieder um den Sport
Möglicherweise wird noch nicht alles perfekt sein, aber daran stört sich Martin Schwalb nicht. Schließlich weiß er, dass alles nach und nach perfekt sein wird. In ein paar Tagen wird der Trainer der Rhein-Neckar Löwen seine neue Wohnung ganz in der Nähe des Trainingszentrums in Kronau beziehen und kann gut damit leben, dass durch die Lieferengpässe wegen der Corona-Krise noch nicht alle Möbel vor Ort sein werden. „In dieser Zeit“, sagt Schwalb“, „muss man flexibel sein“. Gemeinsam mit seiner Frau geht es von Hamburg aus in Richtung Südwesten, wo er ab dem 20. Juli mit der Mannschaft in die Vorbereitung auf eine Saison startet, von der niemand mit Gewissheit sagen kann, ob sie wie geplant durchgeführt werden kann. Klar ist nur, dass Klub, Trainerteam und Spieler vor besonderen Herausforderungen stehen.
Im Rückraum fehlen Alternativen
Im Grunde steht es um den Kader von Schwalb ähnlich wie um seine Wohnung – zu Beginn ist noch nicht alles perfekt. Eigentlich ist die Personaldecke zu dünn, um den Ansprüchen eines Titelkandidaten gerecht werden zu können. Weil aber gespart werden muss und die Spieler einen weiteren Gehaltsverzicht üben sollen, ist es aktuell schwer realisierbar, einen weiteren qualitativ hochwertigen Akteur unter Vertrag zu nehmen. „Ich werde als Trainer keine Forderungen stellen, ich bin ein Teamplayer“, sagt Schwalb, der weiß, dass der Rückraum mit aktuell drei Rechtshändern nicht ausreichend besetzt ist, um der drohenden Belastung ab Oktober standhalten zu können. Andy Schmid, Romain Lagarde und Mait Patrail – das spricht für Qualität, aber eben nicht für Quantität.
Trainingsspiele auf dem „kurzen Dienstweg“
Ungeachtet dessen starten die Badener am 20. Juli mit dem Training. Zunächst möchte Schwalb seine Spieler langsam an höhere Belastungen heranführen, ehe es später „auch mal schmerzen wird“, wie es der erfahrene Handballlehrer beschreibt. Geplant ist, der Mannschaft irgendwann noch eine kurze Pause zu geben, aber noch steht nicht fest, wann die Profis einen Kurzurlaub einlegen können. „Wir müssen schauen, wie die Jungs auf Belastungen reagieren“, erklärt Schwalb, der fieberhaft daran arbeitet, ein paar Testspielgegner zu organisieren. „Auf dem kurzen Dienstweg“ soll dies geschehen, vermutlich werden Trainingsspiele gegen Kontrahenten abgehalten, die geografisch in der Nähe sind. Weite Reisen machen wenig Sinn.
Wenig Sinn machen an anderer Stelle Planungen, in der am 1. Oktober startenden Saison Heimspiele in der SAP Arena mit 2000 oder weniger Zuschauern auszutragen. Würde man die Abstandsregeln einhalten, könnten wohl nicht mehr Fans bei den Auftritten der Löwen vor Ort dabei sein. „Die Kosten wären zu hoch“, erklärt Jennifer Kettemann. Die Löwen-Geschäftsführerin hofft auf ein Konzept, das gerade von den Arena-Betreibern ausgearbeitet wird, und deutlich mehr Besucher die Möglichkeit geben soll, ein Liveerlebnis zu bekommen.
Hilfe vom Staat ist wichtig
Klar ist, dass es noch eine Weile dauern wird, ehe alle Beschränkungen aufgehoben werden, weshalb ein von der Bundesregierung beschlossenes Hilfspaket für Profisport-Vereine eine spürbare Unterstützung ist. „Sehr froh“ ist Kettemann über die Beschlüsse aus der Politik. Sie ist gespannt darauf, welche genauen Förderrichtlinien jetzt ausgearbeitet werden, ist grundsätzlich aber überzeugt, dass die Hilfe an den nötigen Stellen gelangt: „Ich glaube, das geht jetzt in die richtige Richtung.“
Kettemann: Sind sehr transparent
Das soll auch sportlich so sein, weshalb Kettemann trotz der schweren finanziellen Planbarkeit einen möglichen weiteren Transfer nicht ausschließt. „Wir sind im Umgang mit der Situation sehr, sehr transparent“, berichtet die Löwen-Chefin von Gesprächen mit der Mannschaft. Mit größtmöglicher Offenheit möchte sie Verständnis für einen grundsätzlichen Gegensatz schaffen, nach dem die Akteure einerseits auf Gehalt verzichten sollen, andererseits aber in einen weiteren Spieler investiert werden soll. Der Vorteil für Kettemann: Der sportliche Ehrgeiz der Löwen-Cracks ist groß und eine starke Alternative im Rückraum würde die Chancen auf Erfolge erhöhen.
Auch in einer weiterhin „angespannten Lage“ (Kettemann) ist es gut, wenn es auch mal wieder um sportliche Zielsetzungen geht.