Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Rhein-Neckar Löwen entscheiden Krimi für sich

Uwe Gensheimer erzielte sieben Tore gegen die TSV Hannover-Burgdorf.
Uwe Gensheimer erzielte sieben Tore gegen die TSV Hannover-Burgdorf.

Was für ein irrer Fight. Die Rhein-Neckar Löwen schlagen die TSV Hannover-Burgdorf nach einem Krimi mit 32:31. Erst in den letzten Minuten drehen sie die Partie.

Ist der Löwen-Code geknackt? Die TSV Hannover-Burgdorf auf jeden Fall spielte vor 8106 Zuschauern in der SAP-Arena – Saisonrekord – sehr geduldig, sehr diszipliniert, nahm Tempo aus dem Spiel. Die Gäste bewegten sich mehrmals am Rande des Zeitspiels. Die Idee war klar: So wollte das norddeutsche Überraschungsteam dem süddeutschen Überraschungsteam den Wind aus den Segeln nehmen, das rasante Hochgeschwindigkeitsspiel unterbinden. Das gelang über weite Phasen. So waren die Löwen ihrer stärksten Waffe beraubt. Sie mussten bis zum Abpfiff bangen. „Das war ein super Kampf. Wir geben niemals auf. Das war ein Heimspiel, und in Heimspielen kann man die besonderen Momente liefern“, meinte der starke Torhüter Joel Birlehm.

Spannung bis zum Schluss. Und dennoch: Bei einer besseren Chancenverwertung hätten die Löwen die zwei Punkte einfacher verbuchen können. Denn wieder schlugen sie aus ihren vielen Möglichkeiten kein Kapital. Der Niklas Landin der vergangenen Woche hieß diesmal Domenico Ebner. Der deutsch-italienische Keeper der TSV hielt großartig, wie schon am vorigen Sonntag der Torhüter des THW Kiel. Gut und gerne 15 Chancen ließen die Löwen ungenutzt.

Hannover kommt nicht entscheidend weg

Kurz vor Ende der ersten Halbzeit ging die Mannschaft von Trainer Christian Prokop in Führung. Mitte des zweiten Durchgangs setzte sich Hannover dann erstmals etwas ab. Mit Jonathan Edvardsson hat das Team einen guten und torgefährlichen Regisseur. „Es fühlt sich hart an. Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden. Es war eine schöne Herausforderung, hier zu bestehen. Es hat sich bei den Löwen viel entwickelt. Ich bin über weite Strecken sehr zufrieden, leider schaffen wir es nicht in der zweiten Halbzeit, den Vorsprung länger auszubauen“, meinte Prokop.

In der 37. Minute stand es 19:16. Dann drehte Uwe Gensheimer auf, der 30 Minuten auf der Bank saß, riss seine Mannschaft mit. Gensheimer war der Mann der zweiten Halbzeit. Was war das für ein tolles Tor zum 18:19 nach einem großartigen Pass von Patrick Groetzki aus der eigenen Hälfte. Der Ausgleich wollte und wollte nicht fallen, die Löwen probierten alles, probierten es gerne auch mal mit der Brechstange. In der 55. (!) Minute war es dann soweit, Albin Lagergren erzielte das 27:27.

60 Minuten harte Arbeit

Und als Patrick Groetzki einen Angriff abfing und auf seinen Kompagnon Uwe Gensheimer passte, lagen die Löwen nach langer Zeit wieder in Führung. Die Arena kochte. Hannover gab nicht auf, es wurde nicklig. Gensheimer erzielte das 31:29, Groetzki das 32:30, die Löwen drehten die Partie. Es war ein Kraftakt, 60 Minuten Maloche. Die Spieler feierten den Sieg ausgelassen. Die Zuschauer riefen noch „Uwe, Uwe“, da war das Spiel schon einige Minuten aus und der Linksaußen hatte längst beim TV-Interview Rede und Antwort gestanden. „Am Ende sind wir psychisch stärker als die Hannoveraner, die bis kurz vor Schluss fast immer geführt haben. Auch die vielen vergebebenen Chancen haben uns nicht verzweifeln lassen. Die Zuschauer haben uns mit zum Sieg gepusht. Letzte Saison hätten wir so ein Spiel noch verloren“, sagte Gensheimer.

„Wir haben es nicht geschafft, in der ersten Halbzeit in Führung zu gehen. Hannover macht es überragend, hat uns kaum Chancen gegeben, an den Ball zu kommen. Das war ein Geduldsspiel. Es war ein hartes Stück Arbeit, wir hätten uns nicht beschweren können, wenn es anders ausgeht“, bilanzierte Löwen-Coach Sebastian Hinze, der es am Ende mit zwei Linkshändern versuchte. Die Zuschauer pushten die Spieler.

Der einzige Wermutstropfen: Torhüter Mikael Appelgren verletzte sich kurz nach seiner Einwechslung an der Hand, das sah nicht gut aus.

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