FUSSBALL-EM RHEINPFALZ Plus Artikel Portugal und Ronaldo – Titelverteidiger mit breiter Brust

Mit 36 hat er noch Träume: Portugals Kapitän und Ausnahmekönner Cristiano Ronaldo (Mitte).
Mit 36 hat er noch Träume: Portugals Kapitän und Ausnahmekönner Cristiano Ronaldo (Mitte).

Titelverteidiger Portugal vereint mehr Klasse in seinem Kader als beim EM-Triumph 2016. Trainer Fernando Santos bereitet sein Team im neuen Stadion von Vasas Budapest vor. Ein positiver Corona-Fall trübt die gute Laune vor dem Auftaktspiel gegen Ungarn etwas.

Es kann vielleicht im Einzelfall doch die EM der kurzen Wege werden. Zumindest, wer das Turnier so angeht wie der Titelverteidiger. Nicht in Lissabon, Porto oder Faro, sondern in Budapest hat die portugiesische Auswahl ihr Basiscamp bezogen. Trainingseinheiten finden im llovszky-Rudolf-Stadion statt, der vor zwei Jahren neu erbauten Heimstätte von Vasas Budapest. Ein netter Schauplatz im XIII. Bezirk, die bekannte Margareteninsel und der belebte Heldenplatz sind nicht weit weg.

Cristiano Ronaldo bleibt unangetastet

Nur den berühmten Katzensprung ist es bis in die nach Ungarns großem Fußballidol Ferenc Puskas benannte Arena, in der sich die Selecao am Dienstag (18 Uhr/ZDF) als erster Gegner des Gastgebers Ungarn vorstellt. Ausverkauftes Haus, mehr als 60.000 patriotische Zuschauer werden erwartet. Die ungarische Hauptstadt ist elektrisiert von diesem Erlebnis.

Die Augen werden sich in dem Hexenkessel unweigerlich auf Cristiano Ronaldo richten, der als erster Spieler bei einer fünften EM zum Einsatz kommen dürfte. Klar, dass der Superstar selbstbewusst hinausposaunte: „Ich bin bei dieser Euro, als ob es die erste wäre. Ich fühle mich so motiviert oder noch motivierter als 2004 bei meiner ersten Europameisterschaft.“ Und wenn „CR7“ in der pompösen Schüssel der ungarischen Hauptstadt noch ein Tor schießen sollte, hätte der Strahlemann auch noch gleich den nächsten Rekord als alleiniger EM-Rekordtorschütze sicher: Bislang teilt sich der Portugiese mit dem Franzosen Michel Platini bei neun Treffern diese Bestmarke. Deshalb sind die Debatten auch müßig, ob der 36-Jährige noch gut genug ist.

Fernando Santos, der listige Nationaltrainer, macht das Fass gar nicht erst auf. „Keine Mannschaft der Welt kann ohne den besten Stürmer der Welt besser sein als mit ihm.“ Er will seinen instinktsicheren Torjäger so nah wie möglich am gegnerischen Strafraum postieren, der Rest der Hochbegabung liefert zu.

Einer muss in die Isolation

Einer allerdings kann nicht mitmachen: João Cancelo wurde positiv auf Corona getestet. Die Stammkraft von der rechten Außenbahn hat sich in Budapest in Isolation begeben. „Widerstandskraft ist die Fähigkeit, sich von Krisen zu erholen und daraus zu lernen“, schrieb Cancelo bei Instagram. Seine Mannschaft ist in der Überwindung von Widerständen wahrhaft meisterlich, wer an das bislang letzte EM-Spiel zurückdenkt. Die Menschenmenge im Stade de France in Paris pfiff und schrie beim Finale 2016, als Ronaldo sich erst vor Schmerzen auf dem Rasen krümmte, dann am Spielfeldrand den Einpeitscher gab. Der Gastgeber Frankreich biss sich die Zähne aus: Am Ende holte Portugal nach dem Jokertor von Éder Lopes den Titel.

EM-Titeltorschütze von 2016 nicht mehr dabei

Der inzwischen 33 Jahre alte Matchwinner ist nicht mehr dabei; zu hoch ist schlicht die Qualität an Fußballern, die von den vielen Talentschmieden ausgespuckt wird. Vor allem an Unterhaltungskünstler in der Offensive herrscht kein Mangel; Bernardo Silva (Manchester City), Bruno Fernandes (Manchester United), João Felix (Atlético Madrid) und Diogo Jota (FC Liverpool) spielen bei europäischen Topklubs, dazu kommt in André Silva (Eintracht Frankfurt) der zweitbeste Bundesliga-Torschütze.

Viele glauben tatsächlich, dass der portugiesische Kader mehr Klasse vereint als beim EM-Triumph 2016. Dort quälte sich das Team in der Vorrunde zu drei Unentschieden gegen Island, Österreich und Ungarn – und benötigte dann gegen Kroatien die Verlängerung, gegen Polen das Elfmeterschießen, um sich dann endlich im Halbfinale gegen Wales zu einer überzeugenden Vorstellung durchzuringen. Die latente Kritik an der defensiven Spielweise ließ Santos locker an sich abprallen wie die ständigen Hinweise, dass Rauchen nicht gesund sei. Jetzt lautet die Ansage des 66-Jährigen: „Wir nehmen die Rolle als Titelkandidat an.“

imago1042990800

Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland

Gibt es ein Sommermärchen 2024? Kommt Deutschland weiter? Und welche Spieler stecken alle anderen in die Tasche? Alle Infos zur Meisterschaft, Neuigkeiten von der Nationalmannschaft und jede Menge Berichte rund um die Spiele vor Ort lesen Sie hier.
Foto: Imago Images/Beautiful Sports

An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netzwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

x