Kommentar Politik der Zahlen
In Krisenzeiten leiden alle – und jeder ist darum bemüht, den Schaden für sich selbst so klein wie möglich zu halten. Dafür werden alle Optionen durchdacht und im Falle der Profisport-Ligen Berechnungen erstellt. Es ist nicht gut, wenn Handball-Chef Frank Bohmann einen drohenden Verlust von 20 Millionen Euro an den Schreckenshimmel malt und der DFB für die Dritte Fußballliga 30 Millionen Euro Minus errechnet.
Je höher der Verlust, desto höher ist das mediale Gehör und damit die (sport)politische Wirkung. Die Berechnungen sind aber einseitig und setzten voraus, dass alle Sponsoren und Dauerkartenbesitzer ihr Geld zurückfordern. Das ist weltfremd, denn die Fans sammeln sogar Geld für den Klub des eigenen Herzens. Viele Sponsoren verhalten sich solidarisch. Das stützt den Profisport gerade, das gibt Rückendeckung.
Perspektive nach dem Sommer wichtig
Viel wichtiger ist für die Ligen und ihre Klubs die Perspektive nach dem Sommer. Wenn es über den 31. August hinaus keine Großveranstaltungen in Deutschland geben darf, wird es immer schwieriger, durchzuhalten.
Das ist wie beim Luftanhalten. Die ersten Sekunden ist das überhaupt kein Problem. Irgendwann aber, ganz egal wie groß das Lungenvolumen ist, geht es nicht mehr. Entweder kann man frische Luft holen oder man erstickt.
Jetzt muss ernsthaft über Möglichkeiten gesprochen werden, wie und ab wann die kommende Spielzeit ablaufen kann. Sonst nimmt der Profisport hierzulande größeren Schaden und der wäre mit Millionensummen nicht mehr zu beziffern.