Kommentar
Politik darf nicht auf eine Spielführerbinde
Wenige Stunden vor dem ersten Spiel der Engländer bei der Weltmeisterschaft hat der Weltfußballverband Fifa durchgesetzt, dass der englische Kapitän Harry Kane keine Spielführerbinde mit dem Aufdruck „One Love“ trägt. Weil der englische Verband gemeinsam mit den Verbänden aus Deutschland, den Niederlanden, Dänemark und anderen Ländern Furcht vor persönlichen Strafen für die Spieler in Form von Gelben Karten hatte, lenkte er in einem Streit ein, der sich in den zurückliegenden Tage zugespitzt.
Dabei hatten die europäischen Verbände schon vor zwei Monaten angekündigt, mit der Binde gemeinsam ein Zeichen für Toleranz setzen zu wollen. Dass die Fifa erst jetzt reagiert und mit für den Fußballer harten Strafen drohte, zeigt deutlich, dass der Weltverband zumindest in Teilen vom WM-Gastgeber Katar fremdgeleitet wird. Das tut dem Sport nicht gut, denn eine Grundsatzdebatte über Botschaften auf Kapitänsbinden hätte längst geführt werden müssen – und es ist schwer, dabei auf eine für alle Seiten wohlwollende Lösung zu kommen.
Die Fifa liegt in der Sache richtig
Wie würde die deutsche Öffentlichkeit, wie würden die Fußball-Verbände aus Deutschland, England, den Niederlanden und anderswo reagieren, wenn das Regime in Teheran veranlasst hätte, dass der Iran mit einer Binde aufläuft, auf der die Proteste im Land verurteilt werden?
Wer entscheidet, welche politische Botschaft sein darf und welche nicht? Deshalb ist es richtig, so etwas von Verbandsseite grundsätzlich zu untersagen – ungeachtet dessen, dass der Weltverband Fifa offenbar nicht aus eigener Überzeugung, sondern nach sanftem (?) Druck des Veranstalters getan hat.
Ein Gedanke noch: Wäre es nicht ein wirklich starkes Signal gewesen, wenn die europäischen Fußballverbände gemeinsam und trotz der Sanktionsandrohung an ihren Plänen festgehalten hätten. Politische Überzeugung endet nicht automatisch bei einer Gelben Karte.
