Sport Pfiffe nach tristem Sommerkick
«Moskau.» Von einem Fußball-Fest konnte keine Rede sein. Beim tristen und torlosen Sommerkick zwischen Dänemark und Frankreich gab es erstmals bei dieser WM Pfiffe von den Rängen. Dennoch stehen beide Teams im Achtelfinale.
Nach 93 Minuten waren die 78.011 Zuschauer erlöst. Während sich die beiden Achtelfinalisten zufrieden abklatschten, brachten die Fans mit einem Pfeifkonzert im Moskauer Finalstadion ihren Unmut über das Dauer-Ballgeschiebe zum Ausdruck. Mit dem ersten 0:0 bei der WM in Russland machten die Franzosen den Gruppensieg perfekt und verhalfen auch Dänemark zum Weiterkommen – erstmals sei 2002 stehen die Dänen wieder im WM-Achtelfinale. Der ohne diverse Stars – geschont wurden Torwart Hugo Lloris, Kylian Mbappé, Paul Pogba, Samuel Umtiti und Benjamin Pavard – angetretene EM-Zweite zeigte sich gestern uninspiriert. Frankreichs Trainer Didier Deschamps wirkte trotz des dürftigen Auftritts seines Teams zufrieden. „Wir haben das Notwendigste getan und wollten den ersten Platz halten“, sagte er und verwies auf die Taktik der Dänen: „Wenn sie nur einen Punkt wollten, warum sollten wir ein Risiko eingehen?“ Der dänische Mittelfeldspieler Thomas Delaney geht zuversichtlich ins Achtelfinale: „Wir sind seit 18 Spielen ohne Niederlage. Gegen Frankreich haben wir defensiver gespielt, es hat funktioniert.“ Die hochgelobte Offensive der „Equipe tricolore“ konnte kaum Akzente setzen und auch die Dänen arbeiteten vorrangig defensiv. Beide Keeper blieben lange Zeit nahezu beschäftigungslos. Phasenweise glich die Partie einem tristen Sommerkick, bei dem beide auf 0:0 spielten. Nur bei einem Konter der Dänen durch Christian Eriksen (28.) kam Torgefahr auf. Doch Keeper Steve Mandanda war bei seinem WM-Debüt zur Stelle. Das dürftige Niveau kam beim Moskauer Publikum nicht gut an. Schon vor der Pause waren Pfiffe zu hören. Auch ein Fernschuss von Antoine Griezmann (39.) in die Arme von Torhüter Kasper Schmeichel konnte die Zuschauer nicht versöhnen. Beim Halbzeitpfiff wurden die Unmutsäußerungen lauter. Auch im zweiten Durchgang hielt sich das Engagement beider Teams in Grenzen. Insgesamt schienen die Dänen einem Treffer näher zu sein. Bei einem Freistoß von Eriksen (54.) aus rund 30 Metern ließ Mandanda den Ball nach vorne abklatschen, er konnte aber vor dem heranstürmenden Andreas Cornelius klären. Dagegen waren die Franzosen vom Status eines WM-Mitfavoriten weit entfernt. Vor allem die vielen Fehlpässe im Spielaufbau gaben zu denken. Stars wie Griezmann und Ousmane Dembélé blieben wirkungslos. In der Schlussphase wurden die Spieler von einigen Fans sogar verhöhnt und bei jedem angekommenen Pass bejubelt. So spielten sie Dänemark: Schmeichel - Dalsgaard, Kjaer, Jörgensen, Stryger Larsen - Christensen, Delaney (90.+2 Lerager) - Braithwaite, Eriksen, Sisto (60. Fischer) - Cornelius (75. Dolberg) Frankreich: Mandanda - Sidibé, Varane, Kimpembe, Lucas Hernández (50. Mendy) - Kanté, N´Zonzi - Dembélé (78. Mbappe), Griezmann (68. Fekir), Lemar - Giroud Gelbe Karten: Jörgensen - Beste Spieler: Schmeichel, Kjaer - Mandanda, Kanté - Zuschauer: 78.011 (ausverkauft) - Schiedsrichter: Ricci (Brasilien).